FeedGlasspinnerei
TechnikBrockhaus 1882

Glasspinnerei heißt das von J. de Brunfaut ausgebildete Verfahren, durch welches Glas in außerordentlich lange und feine, biegsame Fäden verwandelt wird. Zu diesem Zweck wird das Ende eines Glasstabes, resp. einer Glasröhre in der Flamme eines Gasgebläses erweicht, von demselben ein Faden ausgezogen, dieser an einem Haspel befestigt und der leßtere in Umdrehung versetzt, während man das Glasstück in der Flamme allmählich nachrückt. Der hierbei fast ohne Unterbrechung (mit einer Geschwindigkeit von etwa 30 m in der Sekunde) erzeugte Faden (Glasseide) wickelt sich in Form eines Strähns auf den Haspel auf; die Dicke eines solchen Fadens beträgt 0,06 bis 0,12 mm, ist also noch etwas geringer als die eines einfachen Seiden⸗(Cocon⸗)Fadens. Aus gesponnenem Glas verfertigt man Quasten, reiher- und straußfederähnliche Büsche geflochtene Gürtel, Damenhüte, Coiffuren Schleifen, Armbänder, Netze, Uhrketten, verschiedenartige Besätze, sowie die Kratzbürsten der Vergolder und Goldarbeiter u. s. w.; außerdem benutzt man es als Einschlag für seidene Zeuge, welche dadurch, je nachdem das Glas gelb oder weiß ist, den Glanz und das Aussehen von Gold⸗- oder scher Jus erhalten. Auch zu Fadenkreuzen optischer Instrumente können Glasgespinste ihrer sten Vo wegen verwendet werden. Die . ten Vorzüge der Glasgespinste und Glasgewebe beruhen, abgesehen von ihrer außerordentlichen Schönheit und Leichtigkeit, auf ihrer Haltbarkeit, Unentzündlichkeit und ihrem bedeutenden Wärmehaltungsvermögen, endlich auf der Fähigkeit, leicht und vollständig wieder gereinigt werden zu können, welche letztere Eigenschaft sie namentlich als Filtriermaterial vorteilhaft erscheinen läßt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 91Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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