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ErdkundeBrockhaus 1882

Glogau, auch Großglogau zum Unterschied von Oberglogau in Sberschlesten, Kreisstadt und Festung zweiten Ranges im Regierungsbezirk Liegnitz der preuß. Provinz Schlesien, am linken Ufer der Oder und an den Eisenbahnlinien Breslau-Stettin und Lissa-Hansdorf, ist Sitz eines Landratsamts, eines Land- und eines Amtsgerichts, einer Reichsbankstelle und einer Kriegsschule und zählt 18 650 meist evang. E. (1880). Die Stadt hat zwei evangelische und drei kath. Kirchen (darunter der Dom auf einer Oderinsel), ein Rathaus und ein Schloß. Von höhern Unterrichtsanstalten besitzt G. ein katholisches und ein evang. Gymnasium und eine höhere Töchterschule. Die Gewerbthätigkeit der Bewohner erstreckt sich auf Maschinen-⸗, Knochenmehl-⸗, Thonwarenfabrikation, Eisenguß, Tabak u. s. w.; ——* bestehen eine Rübenzuckerfabrik und mehrere Brauereien. Die Buchhandlung von Flemming hat einen bedeutenden Landkartenverlag. Handel und Oderschiffahrt sind ziemlich lebhaft, weniger die Wollmärkte. Durch Verlegung und Erweiterung der Festungswerke seit 1880 hat G. an Ausdehnung +5 gewonnen. Ehedem war G. Hauptstadt des Fürstentums Glogau, welches der dritte Sohn des niederschles. Herzogs Heinrich II. oder des Frommen, Konrad II., in dem Teilungsvertrag von 1252 erhielt. Es begriff damals den ganzen nördl. Teil von Niederschlesien oder G., Sagan und Krossen in sch Durch; den Herzog Konrad, der viele deutsche Kolonisten ins Land zog, wurde die Stadt ansehnlich erweitert und mit dem deutschen Recht begabt. Sein Sohn, Herzog Heinrich III., erweiterte sein Besitztum durch Erwerbung des größten Teils des Fürstentums Breslau; doch zerfiel der ansehnliche Länderkomplex unter dessen Söhnen 1309 wieder in vier Teile. Die damals von Przemislaw gestiftete Speziallinie G. starb mit demselben 1331 wieder aus, worauf die beiden andern glogauischen Speziallinien, die von Sagan und von Steinau, das Land, ens nunmehr unter böhm. Hoheit, eteilt in Besitz nahmen. Das nunmehr unter erzog Heinrich IV. neu gebildete Herzogtum Glogau wurde bald wieder in mehrere Teile zersplittert, deren Fürsten jedoch bis 1476 sämtlich abstarben, worauf nach langen Streitigkeiten 1481 der Herzog Johann von Sagan mit G., jedoch mit Ausnahme von Schwiebus, Züllichau und Krossen, die an den Kurfürsten Albrecht Achilles von Brandenburg kamen, belehnt wurde. Mit dem gewaltthätigen Sohne jenes, Johann II., der 1489 seiner Länder verlustig wurde, starb der piastische Stamm der Herzöge von G. völlig aus, und seit 1506 hörte G. auf, ein eigenes Herzogtum in dem böhm. Schlesien zu bilden. In der letzten Periode der piastischen Fürsten, 1329 — 1481, war die Stadt G. geteilt und Benter halb den Herzögen von Teschen, halb den Besitzern des Fürstentums. iedrich II. nahm sie in der Nacht vom 9. zum 10. März 1741 durch Sturm ein und ließ sie nun noch stärker befestigen. Nach der Schlacht von Jena 1806 wurde G. von den württemb. Truppen unter Vandamme und Seckendorf berannt und von dem preuß. Kommandanten von Reinhard nach geringem Widerstande übergeben. Seitdem blieb es von den Franzosen besetzt, bis es 17. April 1814 an Preußen zurückfiel. Vgl. Berndt, «Geschichte der Stadt Großlogau während der ersten Hälfte des 17. Jahrh.v» 66 og. 1879); derselbe, Geschichte der Stadt Großglogau vom Ende des Dreißigjährigen Kriegs bis zum Ausmarsch der Franzosen im J. 1814 (Glog. 1882); derselbe, „Geschichte der Juden in Groß25 (Glog. 1873). [(1880) 75307 E. er Kreis Glogau umfaßt 935,7 qkm mit

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 116Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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