Glockner oder Großglockner (der), nächst dem Ortler (3905 m) und der Königsspitze (3854 m) der höchste Gipfel der Osterreichischen Alpen, erhebt sich in der Gruppe der Hohen Tauern (s. Alpen 27) an der Grenze von Tirol und Kärnten zu 3797 m Höhe über dem Meere. Der Berg, eine der schlanksten und zierlichsten Eispyramiden der Alpen, gehört nicht dem Hauptkamme der Hohen Tauern an sondern entsteigt dem 11 Em langen Grat, der sich vom Eiskögele (3439 m) südöstlich bis zur Mündung des Leiterbachs in die Möll unweit Heiligenblut (s. d.) erstreckt. Die Ostseite dieses Grats, in dem sich zum letzten mal gegen O., sowohl was Höhe und Form, als was Vergletscherung der Gipfel betrifft, die ganze Großartigkeit der Hochalpen entfaltet, fällt gegen den mächtigen Pasterzengletscher (s. d.) ab; südwestlich gegen das Dorferthal, die Oberstufe des Kalserthals, senken sich vom Schneewinkelkopf (3739 m), dem Romariswandkopf (3522 m) und der Glocknerwand (3730 m) der Laperwitz⸗, der Frusnitz⸗ und der Teischnitzgletscher; südlich hangen vom G. und der Adlersruhe (3463 m) der Ködnitz- und der Leitergletscher gegen die gleichnamigen Thäler herab. Der ganze Grat besteht aus Chloritschiefer, der an der Ostseite nahe beim Pasterzengletscher von gelblichweißem Kalkglimmerschiefer unterteuft wird. Der erste Versuch, den G. zu besteigen, wurde schon 1799 von dem klagenfurter Domherrn Grafen Königswart gemacht, der jedoch nur die 3765 m hohe östl. Spitze, den Kleinglockner, erreichte. Der oberste Gipfel, der ein kleines, nach W. geneigtes, nach allen Seiten steil abfallendes Plateau von etwa 6m Länge und 2½ m Breite bildet, wurde zuerst 1800 von vier Männern aus Heiligenblut erreicht, die auf demselben ein Kreuz aufrichteten. Seither wurde die Besteigung, welche Ausdauer und Schwindelfreiheit erfordert, jedoch nicht außergewöhnliche Schwierigkeiten bietet, sowohl von Kals wie von Heiligenblut aus häufig ausgeführt. Zur Erleichterung derselben sind von den alpinen Vereinen Osterreichs und Deutschlands die Stüdlhütte (2800 m) auf der Seite von Kals, das Glocknerhaus (2127 m) und die Hoffmannshütte (2438 m) auf der Seite von Heiligenblut errichtet und der Zugang zur obersten Spitze durch Eisenstifte und Drahtseile verbessert worden. Die Aussicht erstreckt sich über den ganzen Kranz der Alpen vom Terglou bis zu den Bündner Alpen, und bis zum Adriatischen Meer, den Kleinen Karpaten, dem böhmisch-mähr. Berglande und der bayr. Hochebene. Die Gruppe des G., die höchste und am stärksten vergletscherte der Hohen Tauern, wird westlich von der Gruppe des Granatkogls (3082 m) durch das Dorferthal, den Kalsertauern (2596 m) und das Stubachthal, östlich vom Brennkogl (3015 m) durch die Pfandlscharte (2668 m) und das Fuscherthal geschieden; südlich schließt sich beim Bergerthörl (2649 m) die Gruppe des Hochschober (3243 m) an, nach N. schieben sich vom Hauptkamme der Hohen Tauern zu beiden Seiten des Kaprunerthals die Ketten des Kitzsteinhorns (3194 m) und des Wiesbachborns (3577 m) bis zum Pinzgau vor. Vgl. K. von Sonklar, „Die Hohen Tauern» (Wien 1866); Ruthner, Berg⸗- und Gletscherreisen in den österreichischen Hochalpen» (Wien 1864); Rabl, «Illustrierter Glocknerführer » (Wien 1881).