Gloucester oder Glocester (spr. Gloster), Grafschaft Westenglands mit dem Titel eines Herzogtums, umfaßt mit Worcester das untere breite und fruchtbare Thal des Severn, 920 ein Areal von 3257,5 qm und wird schon von Natur in den Gebirgs⸗, den Thal⸗ und den Walddistrikt geteilt. Der erstere oder Cotswolddistrikt Waße die Hügel dieses Namens und reicht, auf der Wasserscheide zwischen dem Severn und der Themse, von Chipping-Campden bis nördlich von Bath, hat ein kühles Klima, einen leichten, von Natur nicht fruchtbaren, aber bei gehöriger Bestellung doch hinlänglich lohnenden Boden und gute Weiden für zahllose Schafherden. Der Culminationspunkt ist der 324 mehohe Cleeve-Hill nordöstlich von Cheltenham. Der Thaldistrikt umfaßt das Niederland längs des Severn von der Nordgrenze bis Bristol. Der Walddistrikt, benannt nach dem ehemals größern, aber immer noch mit Bauholz bestandenen Forest of Dean —r Teil der Krone gehörig), umfaßt das Land westlich von dem Severn bis G. und dann im W. des Leadon bis zur Grenze von Hereford und bietet neben Holz auch Eisen und Steinkohlen dar. Überdies hat das Land Zink, Blei, Marmor, mm berm Die wichtigsten Flüsse sind der Severn und der untere Avon. Am fruchtbarsten und grasreichsten 100 die Thäler. Diese, wie das Berkeleythal, nähren die Kühe, aus deren Milch die beliebten Gloucesterkäse bereitet werden. Auch Obst gibt es in Fülle. Jedes Pachtgut hat seinen Obstgarten und preßt Cider und Perry (Apfel⸗ und Birnwein). Zu der einträglichen Landwirtschaft tritt mannigfaltige Gewerb⸗ und Fabrikthätigkeit. G. gehört zu dem südl. Manufakturdistrikt Englands. Es bestehen Wollen und großartige Fabriken, hauptsächlich in Wolle, Baumwo und Flachs; dann aber auch in Metallwaren. Stroud ist der Mittelpunkt der Orte, wo Tuch und Feinwollwaren gewebt werden; Bristol (s. d.) und seine Umgebung arbeitet in Zinn, Messing und Glas. G. verfertigt Nadeln; Cheltenham versammelt an seiner Mineralquelle die vornehme Welt; Tewlesbury mit seiner berühmten Klosterruine unterhält reien, Malz⸗ und Senfhandel; Cirencester ist durch seine röm. Altertümer berühmt. Die Grafschaft ählt (1881) 572 480 C. und schickt 4Abgeordnete ins arlament, 11 andere die genannten sechs Städte. Der Hauptort Gloucester, Municipalstadt, Parlamentsborough und Bischofssitz, 149 Em im WNW. von London, an der Eisenbahn, auf einer sanften Anhöhe am linken Ufer des überbrückten Severn gelegen, der hier die große Alneyinsel bildet, ist im ganzen gut gebaut. Zu den ausgezeichnetsten Gebäuden gehört die 1089 gegründete und 1518 vollendete Kathedrale, 128 m lang und 44 mebreit, eine der den Auit Kirchen Englands, mit einem 68,6 m hohen Mittelturme‚, 1457 bis 1518 gebaut, orwot. Chor mit einem 24 m hohen Fenster voll er prachtvollsten Glasmalereien, einem Kreuzgang (von 1351 bis 1392) mit Fächergewölben, und mit den Grabmälern 1* öhne Wilhelms des Eroberers, Eduards II., des Bischofs Warburton, Jenners, Flaxmans u. a. Andere merkwürdige Gebäude sind die Shire-Hall für die Assisen, das mit einem Kostenaufwande von 40000 Pfd. St. erbaute Gefängnis, das Theater des Casino und das Krankenhaus. G. hat außerdem drei Lateinschulen, ein Irrenhaus, ein Arbeitshaus, eine öffentliche Badeanstalt und zählt 36 552 E. deren Hauptnahrungszweige Nadelfabrikation, Glockengießerei, Seifensud. 2 und Fabrikation von Messerschmiedewaren ind. Auch betreibt man Fischerei und Handel, welcher durch den für Seeschiffe bis G. aufwärts hinreichend 2* Berkeleykanal und dessen Verbindung mit dem Bristolkanal, den Themse-Severnkanal, den Stroudwaterkanal, sowie durch Eisenbahnen bedeutend gefördert wird. Der Hafen ist mit Quais und einem Dock versehen. — G., die röm. Station Glerum, später Castra Claudia, erhielt von König Johann die Rechte eines Borough und war ehemals befestigt. Unter Eduard I. faßte das hier 1272 gehaltene Parlament die Gloucesterstatuten ab. Heinrich III. wurde hier gekrönt; Richard III. nahm den Titel eines Herzogs von G. an. Durch die Belagerung von 1643 wurden mehrere Kirchen zerstört. Gloneester (spr. Gloster, Rob., Graf von), ein natürlicher Sohn Heinrichs I., erfocht im Bürgerkriege 1139 zu ½—17 seiner Schwester Mathilde den wichtigen Sieg bei Lincoln über Stephan von Blois, nahm letztern gefangen, geriet nachher aber selbst in Gefangenschaft und starb 1146. — Gilbert de Clare, Graf von G. und Hertford, focht in der Schlacht bei Lewes an der Seite Simon Montforts, Grafen von Leicester, des Schwagers Heinrichs III., der sich gegen diesen empört hatte. Nachher zerfiel er mit dem Grafen, befreite den Kronprinzen Eduard aus dessen Haft, stellte sich an die Spitze der könial. Partei und schlug 1265 den Grafen bei Evesham, wo derselbe blieb. In Abwesenheit Eduards wurde er von Heinrich III. kurz vor dessen Tode zum Reichsverweser ernannt und starb 1295. — Sein einziger Sohn, Gilbert, Graf von G., den ihm die Prinzessin Johanna, Tochter Eduards I., geboren hatte, siel 1313 in der Schlacht bei Bannockburn. — Thomas von Woodstock, Herzog von G., jüngster Sohn Eduards III., geb. 7. Jan. 1355, heiratete Eleonor Bohun, ältefte Tochter Humphreys, Grafen von Hereford, Esser und Northampton, welche ihm reiche Güter und die Würde eines Großconnetable von England zubrachte. Von seinem Neffen Richard II. 1377 zum Grafen von Buckingham und 1385 zum Herzog von G. erhoben, beugte er als Führer der hohen Aristokratie König und Staat unter seinen Willen, seine Gegner erbarmungslos vernichtend, bis es Richard gelang, G. verräterisch festnehmen und in Calais, wohin er gebracht wurde, unverhört ermorden zu lassen (Sept. 1397). Humphrey, Herzog von G., der jüngste Sohn Heinrichs IV. aus seiner Ehe mit der zweiten Tochter Humphrey Bohuns, wurde nach dem Tode seines Bruders, Heinrichs V., 1422 mit dem Herzoge von Bedford Vormund über dessen Sohn, Heinrich VI., und während jener den Krieg in Frankreich führte, Reichsverweser in England und, nach Bedfords Tode, 1435 alleiniger Vormund. Seine Vermählung 1425 mit Jacqueline von Holland, von der er sich 1430 scheiden ließ, veranlaßte Streitigkeiten mit Burgund, und sobald Heinrich VI. sich mit Margarete von Anjou vermählt, benutzte dies der Bischof von Winchester, um gemeinschaftlich mit Margarete und des Königs Günstling, dem Herzog von Suffolk, G. zu stürzen. Er wurde 1446 des Hochverrats angeklagt und tags nach seiner Verhaftung tot im Bett gefunden. — Richard, Herzog von G., bestieg 1483 als Richard III. (s. d.) den engl. Thron. — William Henry, Herzog von G., geb. 25. Nov. 1743, der dritte Sohn Friedrichs, Prinzen von Wales, ein Bruder Georgs III. und durch königl. Proklamation 1764 zum Herzog von G. ernannt, schloß 1766 mit der verwitweten Gräfin von Waldegrave eine geheime, im Parlament lebhaft besprochene Che und starb 25. Aug. 1805. — 7 Sohn, William Frederick, Herzog von G., geb. zu Rom 15. Jan. 1776, zeichnete sich im Feldzug von 1799 in Holland aus und vermählte sich 1816 mit der Prinzessin Marie, Tochter Georgs III., blieb Pines der Hün bei der Opposition, besonders im Prozeß der Königin Karoline, ging aber später zu den Tories über und starb kinderlos zu Bagshot-Park 30. Nov. 1834.