FeedGluck (Christoph Willibald)
MusikBrockhaus 1882

Gluck (Christoph Willibald), einer der ausgezeichnetsten deutschen Komponisten, geb. 2. Juli 1714 zu Weidenwang bei Neumarkt in der Oberpfalz, war der Sohn eines Forstmanns. Als dreijähriges Kind kam er mit dem Vater nach Böhmen, wo er an verschiedenen Orten (in Eisenberg, Kommotau, Kamnitz und zuletzt in Prag) seine wissenschaftliche und erste musikalische Erziehung erhielt. Im J. 1736 ging er von Prag nach Wien, und hier, im fürstlich Lobkowitzschen Hause, hörte ihn der lombard. Fürst Melzi singen und Violoncello spielen, interessierte sch fr ihn und nahm ihn mit nach Mailand, wo er ihn zur höhern Kompositionsausbildung dem damals berühmten Giovanni Battista San-Martini übergab. In Mailand schrieb G. 1741 seine erste Oper, «Artaserses, die er auch aufführen sah. Derselben folgten bis 1745 noch sieben andere für verschiedene ital. Bühnen, die ihm den Auftrag eintrugen, für London eine Oper zu komponieren. Er begab sich 1745 dahin und brachte 1746 die Oper „La caduta de' Gigantir zur Aufführung; der Text wurde gewählt zur Dreuugenen S des soeben über die schott. Rebellen errungenen Siegs. Die londoner Opernverhältnisse waren damals zerrüttet; G.s Werke hatten wenig Erfolg, obwohl sie Auf merksamkeit erregten. Die bescheidene Rolle, welche er in London spielte, machte sich ihm um so fühl. barer, wenn er auf Händel blickte, der gleichzeitie oratorische Werke zu derselben polit. Feier pro duzierte. Händels Kunst machte einen überwältigen den Eindruck auf ihn und gab den nachhaltiger Anstoß zu seiner spätern Overnreform. Im J 1747 verließ G.London, berührte Hamburg, Kopenagen und Dresden, wandte sich aber 1748 nach ien, wo er sich nun dauernd niederließ, und von wo ihn nur Reisen zur Aufführung seiner Werke zeitweilig entfernten. Die erste Oper, welche er in der Kaiserstadt auf die Bühne brachte, war Semiramide riconosciutap (1748). Dann folgten in Rom und Neapel Telemaccov und La clemenza di Titop (1750 und 1751), darauf in Wien mehrere Gelegenheitsopern, endlich in Rom 1755 KIl trionfo di Camillop und Antigonop, infolge deren er vom Papste den Orden vom Goldenen Sporn erhielt. Von da an schrieb er sich auch Ritter von G. Bis 1762 lieferte er für Wien und Italien noch verschiedene Opern, von denen zuletzt in Bologna trionfo di Cleliad aufgeführt wurde. Duch und. war in ihm die überzeugung gereift, daß noch andere und höhere Wirkungen erzielt werden könnten, wenn man von der schablonenhaften Einrichtung und Beschaffenheit der ital. Libretti, wie sie namentlich seit Metastasio stabil geworden, abgehen und sich entschließen wollte, neben dem Lyrischen auch das Dramatische mehr in Betracht zu ziehen. Raniero von Calzabigi ging mit Eifer auf seine Ideen ein und stellte ihm den nach der neugewonnenen Anschauungsweise gearbeiteten Operntext Orfec ed Euridices zur Verfügung. G. kom-Wien zu diesen Text, und 1762 wurde die Oper in ien zuerst gegeben. Ihr folgten 1769 KAleestey und 1772 «Paride ed Elenan, ebenfalls von Calzabigi gedichtet. Diese drei Reformopern mit ihren einfacher und knapper gehaltenen Arien, sorgfältig deklamierten Recitativen und ihrer tiefern Charakterisierung hatten anfänglich nicht den durchgreifenden Erfolg, den Dichter und Komponist erwartet haben mochten; in folgenden Werken (Ezioy, La Covonay u. a.) wandte er sich auch wieder mehr der frühern Weise zu. Neu belebt wurde sein reformatorischer Eifer durch Bailly du Rollet, damals bei der franz. Gesandtschaft in Wien angestellt, der ihm Paris als den Ort nannte, wo seine Tendenzen, im wesentlichen eine Weiterbildung und Vervollkommnung der von der franz. Oper verfolgten, die meiste Aussicht auf erfolgreiche Verwirklichung haben würden. G. beriet sich nun mit du Rollet über die Umgestaltung von Racines Iphigénie en Aulides zum Operntext, welche auch von du Rollet ins Werk gesetzt wurde. G. ging im Spätsommer 1773 selbst nach der franz. Hauptstadt, wo es ihm nach Beseitigung vieler Schwierigkeiten gelang, 14. Febr. 1774 elphigénier zur Aufführung zu bringen. Der Erfolg blieb nicht ohne Widerspruch. Dieser kam von zwei Seiten: von den Anhängern der auf der Großen Oper noch immer herrschenden Schule Lullys und Rameaus und von den Vertretern der ital. Weise. Den Angriffen beider Partiien in der Journalistik stellte sich als Verteidiger G.s namentlich der Abbé Arnaud gegenüber. selbst, um seinen Erfolg zu sichern, bearbeitete rasch „Orphée et Euridice, welche Oper im Aug. 1774 mit großem Succeß aufgeführt wurde. Sodann ließ er 1775 L'arbre enchantée und La Cytheère assiégéer folgen, jedoch mit geringerm Glück, und endlich gab er 1776 noch eine Neubearbeitung der Alcestéer, zu der du Rollet ebenfalls den Text besorgt hatte. Darauf ging G. nach Wien zurück und war hier eben beschäftigt, die Quinaultschen Opern (Rolando und Armider in Musik zu setzen, als er erfuhr, daß seine Gegner aus dem ital. Lager den berühmten Piccinni nach Paris gerufen hatten, der ihm, ebenfalls mit der Oper Rolando, aber von rmontel bearbeitet, als Rival entgegentreten sollte. Darüber erbittert, erließ G. in der KAnnée littéraires von 1776 einen Brief an seinen Freund du Rollet, in dem er sich heftig über das Verfahren seiner Gegner beklagte und andeite Piccinni in ziemlich hochmüti eise behandelte. Das war das Signal zu einem heißen litterarischen Kampfe. Es bildeten sich zwei Parteien, die

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 121Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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