FeedGraun (Karl Heinr.)
MusikBrockhaus 1882

Graun (Karl Heinr.), deutscher Komponist, geb. 7. Mai 1701 zu Wahrenbrück in Sachsen, befuchte seit 1713 die Kreuzschule zu Dresden, wo er vom Kantor Grundig in der Vokalmusik und vom Organisten 5125 auf dem Klavier unterrichtet wurde, unter der Anleitung des Kapellmeisters Schmidt die Komposition studierte. Nachdem er 1720 die Schule verlassen, begann er für die Kirche 0 komponieren. Im J. 1725 erhielt er die Stelle eines Tenoristen zu Braunschweig. Da die von ihm komponierten und seinen Rollen eingelegten Arien, so- wie auch ganze Opern am dortigen Hofe großen Beifall fanden, wurde er sehr bald zum Vizekapellmeister ernannt. Sein Ruf veranlaßte den Kronprinzen von Preußen, nachmaligen König Friedrich II., ihn 1735 bei seiner Kapelle zu Rheinsberg als Kammersänger anzustellen, wo er sehr viele Cantaten schrieb. Als der Prinz 1740 den Thron bestieg, ernannte er G. zu seinem Kapellmeister und schickte ihn nach Italien, um für die neu zu errichtende Oper die nötigen Sänger und Sängerinnen zu engagieren. Nach seiner Rückkehr war er ununterbrochen mit Kompositionen für die Oper beschäftigt. G. starb zu Berlin 8. Aug. 1759. Als Sänger war er am ausgezeichnetsten in dem Vortrage des Adagio, wiewohl er auch kräftige Partien mit Geschmack und Leichtigkeit vortrug. Seine ersten Kompositionen waren Motetten für die Kreuzschule in Dresden, dann schrieb er für den Kantor Reinholdt eine Menge Kirchenstücke. Die Zahl seiner Werke, die er in Braunschweig, Rheinsberg und Berlin komponierte, ist sehr groß, und es sind darunter allein gegen 30 Opern, die ihrer Zeit neben den Hasseschen große Berühmtheit erlangten und wesentlich zu der Pracht der damaligen ital. Oper in Deutschland beitrugen. Seine ital. Opern sind in der Komposition so gediegen und meisterhaft, daß noch nach seinem Tode aus denselben eine große Sammlung Duetti, Terzetti, Quintetti, Sestetti ed alcuni coriv (4 Bde., Berl. 1773 — 74) gedruckt werden konnte. Den größten Ruhm erwarb er sich durch sein Passionsoratorium „Der Tod Jesu» (1760, von Ramler gedichtet), welches die allgemeinste Berbreitung erlangte und mit Recht Fi als ein Meisterstück angesehen wird.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 312Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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