FeedGlühen
NaturlehreBrockhaus 1882

Glühen wird die Erscheinung des Leuchtens genannt, welche man zunächst an stark erhitzten festen und tropfbarflüssigen Körpern bemerkt und welche eben eine Folge ihrer Erhitzung ist. Unterhalb der Glühhitze senden die erwärmten Körper nur dunkle, das sind ultrarote Wärmestrahlen aus. Bei gesteigerter Erhitzung wächst die Stärke der Ausstrahlung, welche jedoch aus einem Gemisch von Wärmestrahlen der verschiedensten Brechbarkeit besteht. Draper erhitzte Kalk, Coks, Flußspat und verschiedene Metalle, und es ergab sich, daß dieselben bei 525 C. begannen, dunkelrote Strahlen etwa bis zur Fraunhoferschen Linie B auszusenden (dunkles Rotglühen). Es ist wahrscheinlich, daß auch von den stärker gebrochenen farbigen Strahlen je eine bestimmte Art bei je einer und derselben höhern Temperatur hervortrete, so verschieden auch die chem. Natur der glühenden festen oder tropfbarflüssigen Körper sein mag. Das Spektrum eines hellrot glühenden Platindrahts reichte bei 655 C. bis zur Fraunhoferschen Linie F im Grün, bei 725 C. (heller Rot) bis zum beginnenden Blau, bei 1170˙ C. (Weißgelbglut) erstreckte es sich so weit wie das Spektrum des Tageslichts. Darüber hinaus (1200 C.) tritt reines Weißglühen auf. Nach der bisherigen Erfahrung nimmt man an, daß alle festen und tropfbarflüssigen Körper, wenn sie chemisch noch so verschieden sind, bei einer und derselben höhern Temperatur eine bestimmte Art farbiger Strahlen auszusenden anfangen. Neben diesen letztern treten aber auch noch andere Wärmestrahlen von der verschiedensten Brechbarkeit und darunter massenhaft überwiegend dunkle Wärmestrahlen auf, sodaß man sagen kann: der Beginn des Auftretens einer bestimmten Art der Tenwer tender Strahlen ist nur abhängig von der Temperatur und nicht auch von der chem. Beschaffenheit der Körper, dagegen ist die Menge und das Mischungsverhältnis von Wärmestrahlen verschiedenster Brechbarkeit je nach der Natur der ausstrahlenden Körper ein anderes. Wenn die festen und tropfbaren Körper als Ganze glühen, so bleiben hierbei ihre Moleküle chemisch unzerlegt und man kann annehmen, daß die Gesamtwirkung des G. das kontinuierliche Spektrum (s. Spektralanalyse) sei. Dasselbe findet noch statt in den gewöhnlichen Kohlenwasserstoffflammen unserer Kerfeht Ol⸗ und Gaslampen, in welchen die glühenden esten Kohlenteilchen leuchten. Eine Flamme (s. d.) ohne glühende feste Teilchen oder ohne einen größern in ihr befindlichen Glühkörper leuchtet nicht oder nur sehr schwach. Letzteres ist bei der äußerst heißen Flamme eines Bunsenschen Brenners der Fall, in welchem die Kohlenteilchen zu gasförmiger Kohlensäure verbrennen derart, daß dann die Flamme bloß aus glühenden Gasen besteht, welche nur schwach leuchten, dagegen einen hohen Hitze⸗⸗ rad besitzen. urch letztern werden in solchen Flammen die Moleküle zersprengt (s. Dissoziation) und in die Atome zerlegt, wobei die auftretenden einfachen Gase die Flamme charakteristisch färben und, je nach ihrer materiellen 4 Sperheit, eigentümliche Linienspektra geben. (S. Spektralanalyse.) Weil bei jedem Glühkörper nur die dunkelsten roten Strahlen auftreten, so ist fast bei jedem ins G. kommenden Körper die zuerst auftretende Farbe rotbraun, und diese geht bei steigender Erhitzung durch die zuwachsenden Spektralfarben allmählich in Kirschrot, Hellrot, Gelbrot, Weißgelb und Weiß über. Die zwei Hauptabstufungen der Glühhitze unterscheidet man deshalb durch die Benennungen Rotglühen und Weißglühen (Rot⸗ und Weißglühhitze). Die elektrischen Licht- und Glüherscheinungen (s. d.) entspringen der Erhitzung der betreffenden Körper durch den elektrischen Strom.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 124Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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