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ErdkundeBrockhaus 1882

Glückstadt, Stadt im Kreise Steinburg der preuß. Provinz Schleswig-Holstein mit (1880) 5567 meist prot. E., in der fruchtbaren Kemper Marsch am Ausfluß der Rhins in die hier 3 km breite Elbe, 46,5 Em unterhalb Altona, Station der Holsteinischen Marschbahn (Linie Elmshorn-Heide), war ehemals Festung und Sitz der obersten Behörden des Herzogtums Holstein, insbesondere des vormaligen sog. königlichen Anteils, weshalb die königl. dän. Linie der Herzöge von Schleswig-Holstein im Gegensatz zu der herzogl. gottorpischen Linie besonders auf dem Deutschen Reichstage sich Holstein-Glückstadt nannte. (S. Oldenburger Haus.) G. ist Sitz eines Amtsgerichts, eines Nebenzollamts erster Klasse und eines Kreditvereins, sowie der Direktion der Holsteinischen Marschbahn, hat eine luth. Kirche, eine kath. Kapelle, eine Synagoge und ein Gymnasium; auch ist hier ein Provinzialstrafgefängnis, sowie eine provinzialständische Korrektionsanstalt. Wegen der niedrigen Lage hat die Stadt wiederholt, baonders 1756 und 1825, durch Sturmfluten und Überschwemmungen gelitten. Der Außenhafen ist durch zwei Molen gesichert und mit einer zum Überladen der Waren bestimmten Pferdebahn versehen; der geräumige Binnenhafen ist durch eine mächtige Schleuse in einen Dockhafen verwandelt. Das Trinkwasser wird in Cisternen gesammelt und künstlich gereinigt. Die Einwohner treiben Schiffbau, Schiffahrt, Handel, bedeutenden Fischin der Elbe, auch Fabrikation von Möbeln, agen, ofen, Spiegeln, Goldleisten, Cigarren und Seife. Auch finden sich hier eine Dampfringofenziegelei, eine Eisengießerei, sowie zwei Dampffärbereien und Kattundruckereien. Seit 1876 wird mittels Dampfschiff von hier viel Vieh nach London ausgeführt. G. ist 1616 durch König Christian IV. von Dänemark angelegt, befestigt (1620) und mit besondern Handelsprivilegien ausgestattet, um einen Teil des hamburger Handels dahin zu ziehen, was nicht wenig zu hr schnellen Aufblühen beitrug. Auch brachte es ihr Nutzen, daß sie 1623 zum Stapelplatz der isländ. Waren erklärt und das 1630 den portug. Juden und im folgenden Jahre den Mennoniten gestattet wurde, sich daselbst niederzulassen und Handel und Gewerbe zu treiben. Die Errichtung der Elbzollkammer 1630 verwickelte den König in eine Jol mit den Hamburgern; erst 1645 hob er den oll auf. Im Dreißigjährigen Kriege wurde G. von den Kaiserlichen unter Aldringer 1627 und 1628 durch Tilly 15 Wochen lang 1 belagert, sowie es auch Torstensons Einfall im Winter 1643—44 widerstand. Am 15. Dez. 1813 ward die Stadt vom General von Boyen blockiert und von einer engl. Brigg bombardiert, worauf sie 5. Jan. 1814 an die Verbündeten kapitulierte; aber infolge des Kieler Friedens zogen diese schon 26. Jan. wieder ab, und die Demolierung der Festungswerke begann 22. Juni 1814. Vgl. Lucht, (G., oder Beiträge zur Geschichte dieser Stadty (Kiel 1854).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 124Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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