Gnomon (grch.), ein astron. Instrument zur Ermittelung von Sonnenhöhen, bestehend aus einem lotrechten Stabe, der auf einer horizontalen Ebene steht, auf welche er seinen Schatten wirft. Die Länge dieses Schattens nimmt von Sonnenauf-Run bis zum Durchgang der Sonne durch den Meridian, also Mittag, beständig ab, von da aber bis zum Untergang wieder zu; der kürzeste Schatten fällt in die Mittagslinie. Um diese zu bestimmen, ermittelt man zur Zeit des Solstitiums vor und nach Mittag Schatten von gleicher Länge und erhält dann in der Halbierungslinie des Winkels, den dieselben einschließen, die gesuchte Linie. Ist der G. durch Angabe dieser Linie vervollständigt, so kann man an jedem Tage, an welchem die Sonne scheint, die Mittagszeit finden als den Augenblick, in welchem der Schatten auf die Mittagslinie fällt. Gleichzeitig ergibt sich aus der Schattenlänge die Mittagshöhe der Sonne. Da wegen des den Kernö schatten umgebenden Halbschattens die Bestimmung der Schattenlänge unsicher wird, so brachte man schon frühzeitig in dem obersten Teile des G. eine kleine Offnung an, durch welche Sonnenstrahlen auf den Boden sielen. Der Abstand des so erhaltenen Sonnenbildchens vom Fuße des G. trat dann an die Stelle des Schattens. Auch in Kirchen sind auf diese Weise eingerichtete G. hergestellt worden, so im Dom zu Florenz, in der Kirche des heil. Petronius zu Bologna, in der Kirche St.⸗Sulpice zu Paris und in der Kathedrale zu Mailand. „Gnomonik (grch.), die Lehre von der Konstruktion der Sonnenuhren (s. d.).