Gnesen (poln. Gniezno), Kreisstadt im Regierungsbezirk Bromberg der preuß. Provinz Posen, liegt 48 km ostnordöstlich der Stadt Posen, an der Oberschlesischen und der Ols-Gnesener Eisenbahn, zwischen Hügeln und Seen und zählt (1880) 138² C., von denen die Hälfte Polen sind. G. ist Sitz eines Land⸗ und Amtsgerichts, sowie einer Reichsbanknebenstelle. Außer einer evang. Kir e und einer Synagoge besitzt die Stadt acht kath. Kirchen, darunter eine altertümliche Kathedrale, in welcher Boleslaw Chrobry die von den Preußen erkauften Gebeine des heil. Adalbert niederlegte und die zwei aus dem Mittelalter stammende kunstvolle bronzene Thüren besitzt. — G. gilt für die älteste Stadt im Lande der Polen und wurde der Sage nach von Lech gegründet. Im Mittelalter war sie eine Zeit lang Residenz und bis 1320 Krönungsort der Könige. Im J. 1038 eroberten sie die 6610600 und beraubten den Dom, sollen auch die Gebeine des heil. Adalbert nach Prag entführt Uirchas Seit dem J. 1000 ist G. Sitz eines Erzischofs, der als Primas und erster Reichsstand von Polen bei Thronvakanzen Reichsverweser bis zur neuen Wahl war. Noch jetzt führt der Erzbischoß des Großherzogtums Posen den Titel eines Erzbischofs von G. und Posen, obgleich derselbe gegenwärtig zu Posen residiert. Doch befinden sich zu G. noch ein reich dotiertes Domkapitel, das Metropolitangericht und das Priesterseminar der Erzdiöcese. Das Gymnasium der Stadt ist simultan. Die Gewerbthätigkeit besteht vornehmlich in einer Zuckerfabrik, einer Dampfmühle, zwei Buchdruckereien, einer Maschinenfabrik, sowie in Bierbrauerei und Branntweinbrennerei; wichtig sind die Pferde-und Viehmärkte der Stadt. — Der Kreis Gnesen zählte 1880 auf 1150,5 qkm 65 709 E.