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Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Gnome (grch.) heißt die schon bei den ältesten Völkern des Orients vorkommende Art kurzer, sinnreich und oft bildlich ausgedrückter Sprüche, welche irgend eine allgemeine Bemerkung, Erfahrung, eine Regel oder einen 12 Calon enthalten. Solche G. sind die Sprüche Salomos und ebenso zum großen Teil das Buch Sirach. Viele Jesu beigelegte G. enthalten die Evangelien, besonders die Bergpredigt bei Matthäus. Auch die ind., arab. und pers. Litteratur ist reich an G. Unter Odins Namen hat die Saemundische Edda treffliche Sprüche dieser Art aus dem Norden aufbewahrt. In Griechenland blühte insbesondere im 6. Jahrh. v. Chr. eine an G. reiche Poesie innerhalb des Kreises der elegischen Dichtung. Denksprüche und Lehren für das öffentliche und für das Privatleben wurden in elegischen Distichen vorgetragen und so dem Gedächtnis überliefert. Die berühmtesten unter diesen Dichtern waren Solon, Theognis und Phokylides. Auch die Sprüche der sog. Sieben Weisen gehören hierher. Aber auch außerdem ist die riech. Litteratur von Homer und Hesiod ab „reich an G. Eine größere Anzahl ist durch eigene Sammlungen überliefert, die am vollständigsten von Orelli (2 Bde., Zür. 1819—21) herausgegeben sind. Aus der auch an G. ungleich ärmern röm. Litteratur ist namentlich die im 3. oder 4. Jahrh. n. Chr. angefertigte Sammlung der „Disticha des sog. Dionysius Cato hervorzuheben. Zu den G. gehören auch die deutschen, durch Kraft und Anschaulichkeit ausgezeichneten Priameln (s. d.) des 14. und 15. Jahrh. Gnomen, eine im 18. Jahrh. aufgekommene, dem Französischen entlehnte Bezeichnung für die oft Schätze bewachenden Erd- und Berggeister. Die antike Mythologie kennt ebenso wenig als die deutsche diesen Namen, der nach seiner Etymologie noch dunkel ist. Wenn derselbe für die untergeordneten elementaren göttlichen Wesen der Griechen, Italer und Germanen von neuen Schriftstellern und Dichtern gebraucht wird, so geschieht es ohne geschichtliche Berechtigung.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 138Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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