Gobelins nennt man gewebte Tapeten. Es sind die franz. andder oe der figürlichen Gewebe des Mittelalters und der Renaissance, welche von der Stadt Arras den Namen der Arrazzi erhielten, dann aber seit dem 16. Jahrh. vorzugsweise in Brüssel gefertigt wurden, bis die französischen G. sie überflügelten. Der Name dieser berümten Art von Geweben kommt von einer Familie, welche ihn durch ihren Ruf auf das Fabrikat, die Fabrik und selbst das Quartier oder die Gegend übertrug. Der erste aus dieser Familie war Jean Gobelin, ein Färber, der um die Mitte des 15. Jahrh. bei Paris eine Färberei in Wolle anlegte. Seine Nachfolger setzten die Wollfärberei fort, mit welcher später im 16. Jahrh. eine Tapetenweberei in Art derjenigen, wie sie lange in Flandern geblüht hatte, verbunden wurde. Unter Colbert kaufte Ludwig XIV. die Fabrik und machte daraus eine königl. Anstalt, deren Arbeiten wegen ihrer großen Kostbarkeit mehr zu königl. Geschenken und für den Bedarf der königl. Schlösser verwendet wurden, denn zum Verkauf. Trotzdem sie somit viel kostete, hat sie dennoch, weil eine Kunstanstalt und eine Ehrensache für Frankreich, ihre Existenz behauptet. Die Technik ist, vom Standpunkte der Maschine aus betrachtet, sehr einschi aber eben darum sehr kostbar, weil sie die gechickte Hand des ausgebildeten Künstlers verlangt. Der Gobelinsweber ist Ouarbe Maler (mit gefärbter Wolle statt mit Olfarbe und Pinsel), und weil die mtlich snd! Aufgabe ist, ein Olgemälde, und bekanntlich sind Slgemälde ersten Ranges nicht ausgenommen, mit möglichster Vollkommenheit zu lolorieren, so muß er eben zu solcher Wiedergabe befähigt wie ein anderer Maler sein. Er arbeitet mit kleinen Spulen auf senkrechter Kette, das Bild hinter seinem Rücken. Er arbeitet seine Kopie von der Rückseite und muß von Zeit zu Zeit vor die Kette treten, um zu sehen, was er gemacht hat. Die Verschiedenheit seiner Farben und Töne ist außerordentlich, da er mit ihnen den feinsten Schattierungen und Nuancen des Bildes gleichkommen muß. Nachdem die Contouren des Bildes auf die Kette gebracht sind, arbeitet er immer nur ein kleines Stück auf einer Stelle, da er mit seinem Faden, den er durch die Kette zieht, umkehren muß, wo ein anderer Ton, eine andere Schattierung beginnt. So können mehrere Künstler zugleich an demselben Werke arbeiten. Dennoch erfordert die Herstellung eines größern Gemäldes oft Jahre, daher auch der Preis von 50000 Frs. und mehr erklärlich wird. Die Gobelinsfabrik erzieht ihre Künstler selbst, daher sie zugleich Schule ist; die Schüler lernen Zeichnen, Malen und Weben. Mit der Fabrik der G. ist seit 1826 die Savonnerie vereinigt, eine ältere Fabrik ähnlicher Tapetengewebe, welche ihren Namen von dem Lokal, einer ehemaligen Seifensiederei, erhalten hat. Vgl. Lacordaire, Notice historique sur les manufactures impéêriales de tapisserie des G. et de tapis de la Savonnerie (Par. 1853); Müntz, La tapisserier (Par. 1883). Goeben (Aug. Karl Friedr. Christian von), preuß. General der Infanterie, geb. 10. Dez. 1816 zu Stade in Hannover als ältester Sohn des brit. Majors a. D. Wilhelm von G., welcher 1809—15 die Napoleonischen Kriege in der Englisch-deutschen Legion mitgemacht hatte und 1872 starb. Nach siebenjährigem Besuche der Gymnasien zu Stade und Celle trat G. 1833 zu Neu-Ruppin als Musketier in das preuß. 24. Infanterieregiment, in welchem er 1835 zum Lieutenant befördert wurde. Schon 1836 nahm G. den Abschied aus preuß. Diensten, um für die Sache des Don Carlos in Spanien zu kämpfen, dessen wechselvolles Schicksal er bis zum letzten Augenblick teilte. In Spanien verschafften die allgemeinen Kenntnisse nicht minder wie die gründliche militärische Durchbildung dem jungen Offizier bald eine Anstellung im Generalstabe, später im Ingenieurkorps. G. machte 1836 —40 fünf Feldzüge im Spanischen Karlistenkriege mit, anfänglich unter General Garcia in der Armee der baskischen Provinzen, dann in der von Valencia und Aragonien unter dem General Cabrera. Fünfmal wurde G. in jenen Jahren, darunter zweimal schwer, verwundet, und zweimal geriet er in die Gefangenschaft der achselt wus aus welcher er jedesmal wieder ausgewechselt wurde. Beim Abschlusse des Kriegs Oberstlieutenant im Ingenieurkorps, kehrte G., erst nachdem Don Carlos selbst seine Sache aufgegeben, in die Heimat zurück. den folgenden Jahren berichtete G. über seine Erlebnisse in Vier Jahre in Spanien» (Hannov. 1841) und machte verschiedene Reisen, bis er 1842 im preuß. Heere als Sekondelieutenant wieder angestellt und unter sofortiger Kommandierung zur Dienstleistung beim Großen Generalstabe dem 8. (Leib Infanterieregiment ulab ve ward. Im J. 1843 in den Großen Generalstab versetzt, 1844 zum Premierlieutenant und 1845 bereits zum Hauptmann befördert, wurde er 1848 vorübergehend zum Generalkommando des 4. Armeekorps, im Mai 1849 aber — der behufs Niederwerfung des Aufstandes in estfalen zusammengezogenen Division Hanneken und im Juni 1849 zum Stabe des Prinzen von Preußen bei der in Baden einrückenden Armee kommandiert, wo er an den Gefechten bei Ludwigshafen, Philippsburg, Waghäusel, Übstadt, Durlach, Bischweyer, Don Maiatt; Kuppenheim und der Aiger Weuni von Rastatt teilnahm. Nach einjähriger Dienstleistung beim 16. Infanterieregiment wurde G. 1850 als Major in den Generalstab zurückversetzt und während der Mobilmachung gegen Osterreich abermals dem Stabe des Prinzen von Preußen beigegeben, ebenso 1851, als dieser das Militärgouvernement in der Rheinprovinz und Westfalen übernommen hatte. Nachdem er 1855 um Oberstlieutenant befördert und im Okt. desselben Jahres 32 Chef des Generalstabes beim 4., 1858 beim 8. Armeekorps, im Nov. 1858 zum Obersten ernannt worden war, ward er 1860 mit mehrern andern preuß. Offizieren zu der gegen Marokko im Felde stehenden span. Armee unter O Donnell kommandiert, mit welcher er an dem b uge jenes Jahres und speziell an den Gefechten ei Samsa und Uad-Ras, sowie an der Schlacht von Tetuan teilnahm. Auch über den marokk. Feldzug hat G. ein schätzbares Werk veröffentlicht (Reise⸗ und Lagerbriefe aus Spanien und vom span. Heere in Marokkov, 2 Bde., Hannov. 1863). Im J. 1861 zum Generalmajor und 1863 zum Kommandeur der 26. Infanteriebrigade ernannt, zeichnete er sich an deren Spitze im Feldzuge 1864 gegen Dänemark, insbesondere vor Rackebüll, bei dem Sturme auf die Düppeler Schanzen und dem Übergange nach der Insel Alsen glänzend aus. Im Nov. 1864 wurde G. zum Kommandeur der 10. Division in Posen, im Mai 1865 aber zum Kommandeur der 13. Division in Münster und 18. Juni zum Generallieutenant ernannt. An der Spitze der 13. Division operierte G. im Deutschen Kriege von 1866 zuerst in Hannover und schlug dann im Mainfeldzuge fast selbständig eine Reihe von Gefechten, namentlich bei Dermbach, Kissingen, Laufach, und Würzburg; über einige derselben veröffentlichte er selbst später in der Allgemeinen Militärzeitungo (Darmstadt) vortreffliche Aufsätze, welche zu den besten kriegswissenschaftlichen Arbeiten der Neuzeit gehören. Nach Ausbruch des Deutsch-Französishen Kriegs von 1870/71 wurde G. 18. Juli 1870 zum kommandierenden General des 8. Armeekorps und 26. Juli zum General der Infanterie ernannt; er gehörte somit zur Ersten Armee unter Steinmetz und hatte gleich nach Ausbruch der Feindseligkeiten, am Tage von Saarbrücken, 6. Aug. 1870, Gelegenheit, seinen alten Ruhm zu erneuern, indem er mit Teilen seines Korps der hart bedrängten 14. Division zu Hilfe kommen, den Sturm auf die Höhen von Spicheren anordnen und ihn mit größter Energie durchführen konnte, bis die Ankunft älterer Generale auf dem chem elde den Oberbefehl in deren Hände übergehen ließ. G. nahm an den chlachten von Mars-la-Tour und von Gravelotte und danach an der Einschließung von Metz mit seinem Korps teil und zog nach der Kapitulation dieser Festung unter Oberbefehl Manteuffels nach dem nördlichen Frankreich. Bei Amiens wurde 27. Nov. und an der Hallue 23. Dez. 1870, sowie bei Bapaume 3. Jan. 1871 die zum Entsatz von Paris anrückende franz. Nordarmee unter Faidherbe zurück — und deutsche Truppen drangen bis zur manz ordküste vor, Erfolge, die nicht zum geringsten Teil dem General von G. zugeschrieben werden müssen, da von den dort kämpfenden vier Divisionen zwei von ihm befehligt wurden. 2 dem Manteuffel zur Führung der Südarmee a berufen worden, wurde 9. Jan. bis 6. Juni 1871 G. mit dem Oberbefehl der Ersten Armee beauftragt; er hatte diesen kaum übernommen, als sich die Festung Peronne ergab und G. auch schon (19. Jan.) mit dem 1. und 8. preuß. Korps und Truppen des sächs. Generals Grafen Lippe den franz. General Faidherbe abermals vor St. Quentin in siebenstündigem Kampfe so nachdrücklich lohnd daß die franz. Nordarmee in vollster Auflösung nach Lille und Valenciennes fliehen mußte. Auch über die Schlachten von Spicheren und Mars-la-Tour, sowie die deutschen Operationen im nördlichen Frankreich hat G. wertvolle Aufsätze in der Allemeinen Militärzeitungo veröffentlicht. Nach Aufösung der Ersten Armee ward G. mit dem Großkreuze des Eisernen Kreuzes (außer vielen andern Orden) geschmückt und zum Chef des 2. rhein. Infanterieregiments Nr. 28, sowie zum Ehrenbürger von Minden ernannt, auch wurde ihm eine bedeutende Dotation verliehen. Danach führte er das Generalkommando des 8. preuß. Armeekorps mit dem Sitz in Koblenz. Im J. 1873 wurde das bisherige Fort Queuleu bei Metz nach ihm Fort G. benannt und 1875 der General durch Verleihung des Ordens vom Schwarzen Adler ausgezeichnet. Am 15. Okt. 1880 begleitete G. den Kaiser in voller — — nach Köln zur Feier der Vollendung des ombaues, kehrte darauf nach Koblenz zurück und starb dort nach kurzer Krankheit 13. Nov. 1880. Ihm wurde seitens der Offiziere und Beamten des 8. Armeekorps im Okt. 1883 auf dem Friedhofe zu Koblenz ein Denkmal gesetzt. Vgl. die Biographien G.s von Zernin (Darmstadt 1881) und Hänisch (Berl. 1881).