FeedGoujon (Jean)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Goujon (Jean), franz. Bildhauer, von dem man nur weiß, daß er 1555—62 zu Paris am Louvre beschäftigt war. Seine künstlerische Ausbildung verdankte er Italien; sein Stil hat mit dem florentinischen die meiste Verwandtschaft. Aber durchaus kein sklavischer Nachahmer, wußte G. durch geistreiche Verbindung des florentin. Renaissancestils mit nationaler Auffassung einen ihm eigentümlich angehörenden zu schaffen. Seine Figuren sind von großer Anmut, die sie auch durch die bei ihm, wie bei allen Franzosen und Italienern seiner Zeit, sich findenden überschlanken Verhältnisse, nicht verlieren. Obwohl er sich in den Gewändern am meisten vom antiken Stil entfernt und diese oft auf eine für Malerei mehr als für Bildhauerei geeignete Art angeordnet sind, so weiß er sie doch zierlich anzulegen; der Faltenwurf ist glücklich und . gut zu den Umrissen der Figuren. Geschicklichkeit der Technik, Feinheit der 5.handlung, zumal des flachen Reliefs, Zartheit der Vollendung sind Vorzüge, die G. in hohem Grade besaß. Sein Meisterwerk ist im Louvre, im Saal der Hundert Schweizer. Die vier Karyatiden, die hier die Musikantentribüne tragen, sind ein treffliches Muster monumentaler Skulptur. Die Marmorstatue der ruhenden Diana, ursprünglich zu einem Brunnen im Schlosse Anet gehörend, jetzt im Louvre, hat in der Stellung etwas Gezwungenes. (S. Tafel: Bildnerei VI, Fig. 2.) In dem feinen Kopfe dieser Statue mit flachliegenden Augen von halbgeschlossenem, erotischem Ausdruck glaubte man früher ohne Grund das Porträt der Diana von Poitiers, der Geliebten Heinrichs II., zu erkennen. Ganz vorzüglich bewährt sich der Meister an den Reliefs der Fontaine des Innocents, von denen drei in das Museum des Louvre versetzt sind. Die Seenymphen und die auf „Delphinen reitenden Liebesgötter erinnern an die zierlichsten Figuren der Farnesina. Die Sage, daß G. am Morgen der Bartholomäusnacht 1572 erschossen worden, als er im Louvre auf seinem Gerüst arbeitete, ist unverbürgt. Vgl. Oeuvre de Jean G.o, im Umriß gestochen von Reveil und mit erklärendem Text (90 Platten, Par. 1844).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 247Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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