FeedGothenburg (schwed. Göteborg)
ErdkundeBrockhaus 1882

Gothenburg (schwed. Göteborg), Seestadt, Bischofssitz und Hauptort der schwed. Provinz Göteborgs⸗ und Bohus-Län in Westgothland, an dem östl. Mündungsarme der Götaelf 2 den hier von Osten her die Flüßchen Mölndalsä und Säfweä münden) und der Insel Hisingen gegenüber in romantischer Gegend gelegen,‚ ist von hübschen Promenaden und Villen umgeben und wird durch die 456 km lange Westbahn mit Stockholm, durch die 466 km lange „Bergslagsbanan mit den großen Minendistrikten, sowie durch den Götakanal (s. d.) für Seefahrzeuge mit der Ostsee verbunden. Der Ort ist die am schönsten gebaute und nach Stockholm die größte, volkreichste und bedeutendste Stadt Schwedens. Regelmäßig und großartig in der Anlage, geschmackvoll in den einzelnen Bauwerken, von holländ. Reinlichkeit, macht sie einen sehr günstigen Eindruck. Jede bedeutendere Straße ist von einem Schiffahrtskanal durchschnitten und 20 Brücken überspannen diese Kanäle. Den großen Marktplatz ziert seit 1854 die Statue Gustav Adolfs. Die Stadt 920 einen Dom (1802 neu gebaut), eine Garnisonsirche, die neue got. Hagakirche, die Paulikirche, die got. St. Johanniskirche, eine katholische, eine englische und seit 1745 eine deutsche Kirche. Andere bedeutendere Gebäude sind die Residenz des Landeshauptmanns, wo König Karl X. 3 85 des Reichstags 1660 starb, das Rathaus, das Zeughaus, die Börse, das Zollamt, das Artillerie-Etablissement, die großen Magazine, die Post, die neue befGt be Wasserleitung, das Theater, der Bahnhof. G. besitzt ein 1648 gestiftetes Göymnasium mit Bibliothek, eine Societät der Wissenschaften, ein Museum, eine höhere technische Schule (das Chalmersche Institut), eine Navigationsschule, ein Handelsinstitut, mehrere Banken, Wohlthätigkeits- und Krankenanstalten. Die Zahl der Einwohner, unter denen sich seit alter Zeit aus Spekulationsgeist viele Fremde, besonders Engländer und Deutsche, angesiedelt haben, belief sich 1805 auf 12490, 1865 dagegen auf 43 346 und 1882 auf 81 203. handel und Schiffahrt sind die Hauptnahrungszweige. Die Handelsflotte der Stadt zählt (Ende 1881) 247 Schiffe von 81956 t, davon 66 Dampfschiffe; 1881 liefen in den Hafen ein: 1376 Segel- und 2860 Dampfschiffe von 855926 t, und aus: 1387 Segel⸗ und 2877 Dampfschiffe von 748751 t. Wegen der günstigen Lage und des trefflichen, fen immer eisfreien Hafens nimmt die Stadt den ersten Rang unter den schwed. Handelsplätzen ein. Mit Malmö, Stockholm, Kristiania, Kopenhagen, Frederiksharn, Hamburg, Rotterdam, Amsterdam, Antwerpen, Havre, London, Liverpool, Leith, Hartlepool und Hull steht G. im regelmäßigen Dampfschiffahrtsverkehr. Außer dem Handel sind auch von Bedeutung die Manufakturen von Segeltuch, Tauwerk und Leder, die Schiffswerfte und mechan. Werkstätten, darunter bedeutende für Tischlerarbeiten. Auch fabriziert man Tabak, Zucker, Porter, Papier, Essig und unterhält Baumwollspinnerei und Kattundruckerei. Der Gesamtwert der Fabrikate betrug 1881 an 16 Mill. Kronen (18 Mill. Mark). Die Fischerei, namentlich der Heringsfang von G. und von Göteborgs-⸗ und Bohus-Län überhaupt, war früher außerordentlich wichtig und hebt sich seit neuester Zeit wieder. Ehemals war G. stark befestigt, aber 1807 wurden die Werke geschleift. Von der alten wichtigen Festung Gamla⸗(Alt⸗)Elfsborg, die man 1660 schleifte, ist kaum noch eine Spur vorhanden. Der Eingang zum Hafen wird scheinbar verteidigt durch die 1646 —54 auf einer Felseninsel erbaute Festung Neu⸗ oder Nya-Elfsorg. Schon Gustav Wasa erkannte die Wichtigkeit eines Hafenplatzes in dieser Gegend und suchte die 2 km nördlich gelegene alte Stadt Nya-Lödöse in Aufnahme zu bringen, die später als Gamlestaden (Altstadt) zu G. gerechnet ward. Karl IX. legte 1603 ein G. auf Hisingen, im Kirchspiel Lundby, an, das aber 1612 die Dänen eroberten und zerstörten. Gustav Adolf gründete dann 1618 G. an der jetzigen Stelle, und durch seine wie seiner Nachfolger Privilegien blühte die Stadt rasch empor, ungeachtet zahlreicher Feuersbrünste. Im Sommer 1676 wurde die Stadt von dem +½ Statthalter Güldenlöwe belagert. Im dän. Kriege 1788 ward G. abermals von Norwegen aus bedroht, vom König Gustav III. aber gerettet. Die 1731 hier errichtete und 1746 erneuerte Ostindische Kompagnie löste sich 1817 auf. Goethe-Stiftung, eine 1849 bei der Feier von Goethes 100. Geburtstag zu Weimar gegründete Stiftung, welche in zweijährigem Turnus abwechelnd das beste Produkt der schönen Litteratur, alerei, Skulptur und Musik mit einem Preise von 3000 Mark krönen will.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 231Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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