Gottsched (Joh. Christoph), ein um die deutsche Litteratur und Sprache hochverdienter Gelehrter, eb. 2. Febr. 1700 zu Juditten bei Königsberg in Preusen, erhielt durch seinen Vater, einen Prediger, den ersten Unterricht und bezog bereits 1714 die Universität zu Königsberg, wo er das theol. Studium, für welches er bestimmt war, sehr bald mit dem der Philosophie, der schönen Wissenschaften und Sprachen vertauschte, übrigens auch Gedichte und einige Abhandlungen philos. Inhalts drucken ließ und 1723 Magister wurde. Um dem Militärdienste in Preußen zu entgehen, flüchtete er 1724 nach Leipzig, wo der berühmte Gelehrte J. B. Mencke ihm die Erziehung seines Sohnes anvertraute. Im J. 1725 begann er Vorlesungen über die schönen Wissenschaften zu halten, in denen er den damaligen, —— 1— den Lohensteinschen Schwulst verderbten Geschmack bekämpfte und dafür die Alten und deren vermeintliche Nachfolger, die Franosen, als Muster empfahl. Die damals sehr einlußreiche Poetische Gesellschaft zu Leipzig, welche ihn 1726 zu ihrem Senior wählte, wurde im folgenden Jahre von ihm in die noch gegenwärtig, wenn auch unter andern Formen bestehende Deutsche Gesellschaft verwandelt; doch sagte er sich später von derselben los und stiftete dafür eine neue, welche er die Gesellschaft der freien Künste nannte. G. wurde 1730 außerord. Professor der Philosophie und Dichtkunst, 1734 ord. Professor der Logik und Metaphysik und starb als Decemvir der Universität und als Senior der philos. Fakultät und des Großen Fürstenkollegiums 12. Dez. 1766. G. galt und gilt zum Teil noch als Repräsentant aller und jeder Pedanterie; doch hat er große Verdienste um die deutsche Litteratur gehabt. Die Poesie war durch Hofmannswaldau und Lohenstein einerseits und Chr. Weise andererseits und deren Nachfolger bis zum übermaß von ungesunder übertreibung und geschmackloser Roheit gebracht worden; die deutsche Prosa war in einen Wust der unerträglichsten Unarten und allertei.. ausgeartet, wogegen ihr Aufputz von allerlei Phrasen und Worten aus fremden Sprachen, besonders der französischen, nur um se seltsamer abstach. Aus den Mustern der Alten Geschmacksregeln abzuleiten oder auf die Erzeugnisse der ältern deutschen Litteratur als bedeutsame litterarhistor. Quellen zurückzugehen, fiel kaum jemand mehr ein. Zu einer Radikalkur für diese übelstände war niemand geeigneter als ein so vollkommen nüchterner, phantasieloser, aber mit scharfem Verstand und kritischem Bewußtsein ausgestatteter Gelehrter wie G., dessen eigentliches Verdienst darin bestand, wenn auch den Geschmack selbst nicht wesentlich zu veredeln und zu verbessern, doch die hauptsächlichsten Hindernisse hinwegzuräumen, welche sich der Verbreitung eines edlern und feinern Geschmacks in Deutschland entgegenstellten. Man hat öfters bedauert, auch wohl lächerlich gemacht, daß G. 1737 in Gemeinschaft mit der von ihm protegierten Schauspielerin Frau Karoline Neuber durch eine förmlich feierliche Handlung den Hanswurst von der Bühne vertrieb. Allein es galt vor allem, die Bühne aus ihrem erbarmenswerten Zustande, in welchem sie nur für die Hefe des Volks genießbar war, dadurch einer bessern Zukunft entgegenzuführen, daß man sie wenigstens von ihrem alten Schmutz säuberte und das Prinzip des Anstandes für sie geltend machte. Mit Glück bekämpfte er auch das damals wuchernde geschmacklose Opernwesen, gegen welches das höhere recitierende Drama lange Zeit nicht aufkommen lonnte. Ebenso erfolgreich zeigte sich der Eifer, womit er neben Thomasius und Wolf, dessen Anhänger G. in Sachen der Philosophie war, für den Gebrauch der deutschen Sprache das Wort führte und für die Ausbildung und Reinhaltung der hochdeutschen Schriftsprache und für ihre Verbreitung im kath. Süddeutschland wirkte. Unterstützt wurde seine Thätigkeit durch die umfassendsten litterari⸗ *— Verbindungen, die ihm an fast allen deutschen niversitäten, vielen Höfen u. s. w. unmittelbaren Einfluß verschafften. Zugleich riefen seine Einseitigkeiten den notwendigen Gegensatz hervor, indem zuerst die Schweizer Bodmer und Breitinger gegen seine Parteilichkeit für die franz. Regelmäßigkeit und Korrektheit besonders durch die Empfehlung engl. Dichter, namentlich Miltons, zu Felde zogen. So geschah es freilich, daß bei dem Schwunge, den die deutsche Dichtkunst und Kritik nahmen, der in seiner Einseitigkeit verharrende G. fortwährende Niederlagen erlitt, und daß seine Autorität noch vor seinem Tode fast gänzlich gebrochen war. Eine gewisse litterarhistor. Bedeutsamkeit wird man G.s Zeitschriften: «Die vernünftigen Tadlerinnen (2 Bde., 1725 fg.), „Beiträge zur kritischen Historie der Bde. 26r Sprache, Poesie und Beredsamkeito (8 Bde., Lpz. 1732—44), Neuer Büchersaal der schönen Wissenschaften und freien Künste v (10 Bde., Lpz. 1745—54) und „Das Neueste aus der anmutigen Gelehrsamkeite (12 Bde., Lpz. 1751 —62), nicht absprechen können. Von seinen verschiedenen Sammelwerken ist der Nötige Vorrat zur Geschichte der deutschen dramatischen Dichtkunst von 1450 an » (2 Bde., Lpz. 1757—65) noch jetzt unentbehrlich; «Die deutsche Schaubühne nach den Regeln und Exempeln der Alten » (6 Bde., Ipz. 1741—45; neue Aufl. 1746—50) enthält an übersetzungen und Originalarbeiten das Bedeutendste, was während Ges litterarischer Diktatur für das deutsche Drama geleistet wurde, und führte mehrere tüchtige Kräfte, z. B. J. E. Schlegel, in die Offentlichkeit ein. Von wesentlicher Bedentung und ihrer Zeit nicht geringem Werte waren G.s verschiedene Lehrbücher: „Versuch einer kritischen Dichtkunst v (Lpz. 1730; 4. Aufl. 1751), „Ausführliche Redekunste (Lpz. 1728; 5. Aufl. 1759), Deutsche Sprachkunsto (Lpz. 1748; 6. Aufl. 1776), Handlexikon der schönen Wissenschaften und freien Künsten (Lpz. 1760), welches später durch Sulzers Werk verdrängt wurde. Außerdem gab er ⸗Reden » (Lpz. 1749), 4Gedichten (Epz. 1736; neue Aufl., 2 Bde., 1751), zahlreiche Übersetzungen, z. B. Bayles „Wörterbuch » (Lpz. 1741—44), und ältere und neuere Werke anderer Verfasser heraus. Am meisten schadete er sich durch seine eigenen poetischen Versuche, unter denen namentlich das Trauerspiel „Der sterbende Catoo, welches 10 Auflagen erlebte, als abschreckendes Beispiel der wässerigsten und poesielosesten Korrektheit gelten kann. Vgl. Danzel, (G. und seine Zeite (Lpz. 1848). Seine erste Gattin, Luise Adelgunde Victoria, geborene Kulmus, geb. zu Danzig 11. April 1713, seit 1729 mit G. in Briefwechsel, verheiratet seit 1735, gest. zu Leipzig 26. Juni 1762, sand ihm in seinen litterarisch-kritischen Bestrebungen wesentlich bei und war überhaupt eine durch Geist und Gelehrsamkeit ausgezeichnete Frau. Ihre kleinern Gedichte wurden nach ihrem Tode 1763 von ihrem Manne mit einer Widmung an die Kaiserin Katharina und einer Lebensbeschreibung der Verstorbenen herausgegeben. Ihre Bearbeitungen aus fremden Sprachen, ihre Trauerspiele, hierunter Hauswan und ihre Jenaligen worunter sich Die Hausfranzösino durch gefälligen Dialog bemerkbar macht, haben weniger Wert, als ihre von ihrer Freundin, Frau von Runkel, herausgegebenen „Briefe (3 Bde., Dresd. 1771—72). Sie trug viel dazu bei, die G.sche Geschmacksrichtung auch in der Frauenwelt auszubreiten. Gottschee, ein Landstrich von 705 qkm im österr. Herzogtum Krain, seit 1623 eine Grafschaft, ging 1641 an die Grafen von Auersperg über, denen Kaiser Leopold I. auch die gleichnamige Stadt schenkte: durch Johann Weikhard von Auersperg, der 1653 in den Reichsfürstenstand erhoben wurde, zum Fideikommiß gemacht, wurde es 1791 vom Kaiser Leopold II. zum Herzogtum erhoben und zugleich dem regierenden Fürsten von Auersperg Titel und Rang eines Herzogs von G. erteilt. Die Mehrzahl der Bevölkerung der G. bilden die Gottscheer, ein deutscher Stamm von 25000 Seelen. Ihre Herkunft ließ sich bisher nicht mit Sicherheit feststellen, sowenig wie die Zeit der ersten Besiedelung ihres Ländchens; erstmals erscheint der Name G. in einer Urkunde von 1363; kurz vorher wurden in der Umgegend durch Graf Otto von Ortenburg, der in Ortenegg bei Reifnitz residierte, 300 Familien aus Franken und Thüringen angesiedelt, welche Karl IV. zur Bestrafung eines Aufruhrs Landes verwiesen hatte. Die Nachkommen dieser Deutschen haben sich auf ihren Hochflächen, obwohl sie ringsum von Slawen eingeschlossen sind, bis auf die neueste Zeit herab ziemlich unvermischt erhalten und ihren Dialekt, der im allgemeinen den Charakter der bayr.⸗-österr. Oberlechmundart mit einem starken Zusatze von Schwaben zeigt, bewahrt. Sie verfertigen grobe Holzwaren, treiben namentlich Hausierhandel mit Südfrüchten und wandern oft jahrelang in der Fremde herum, ehe sie wieder in ihre Heimat zurückkehren. In neuester Zeit hat der Hausierhandel größtenteils aufgehört, weshalb sich die Gottscheer dem Handel mit Speck selbstgemästeter Schweine und der Erzeugung feinerer Holzwaren zuwenden. Hauptort ist die Stadt Gottschee, am Rinschebach gelegen, mit einem von dem Grafen Joh. Weikhard von Auersperg 1650 erbauten Schlosse; sie zählt (1880) 1332, als Gemeinde 3042 C., ist Sitz der polit. Behörden der Bezirkshauptmannschaft G. und hat ein k. k. Gymnasium, eine Fachschule für Holzindustrie und eine Glasfabrik.