FeedEngel (Joh. Jak.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Engel (Joh. Jak.), vorzüglicher deutscher Pro⸗ ö saist, geb. 11. Sept. 1741 zu Parchim, wo sein Vater Pastor war, studierte seit 1758 teils in Rostock, teils in Bützow und Leipzig, folgte 1776 dem Rufe als Professor an das Joachimsthalsche Gymnasium zu Berlin, wo er auch bald Mitglied der Akademie der Wissenschaften, dann Lehrer des nachmaligen Königs Friedrich Wilhelm III. und hierauf 1787 Oberdirektor des berliner Theaters wurde, welche Stelle er aber 1794 niederlegte, und wendete sich dann nach Schwerin. Beim Regierungsantritt seines ehemaligen Zöglings, 1758, kehrte er auf dessen Einladung nach Berlin zurück und machte sich seitdem um die Akademie der Wissenschaften in mancher Rücksicht verdient. E. starb bei einem Besuch in seinem Geburtsorte 28. Juni 1802. Die ästhetische Kritik und die Theorie der Kunst verdanken ihm viel. Sein 60 IN 2 für die Welt (2 Bde., Lpz. 1775 —77; 2. Aufl. 1787; 3. Bd., Berl. 1800; neue Aufl. in 2 Bdn., 1801), in Erzählungen, Gesprächen, Briesen und Abhandlungen bestehend, wie sein« Fürstenspiegelo (Berl. 1798; 2. Aufl. 1802) weisen ihm einen bedeutenden Platz unter den populären philos. Schriftstellern Deutschlands an; seine Anfangsgründe einer Theorie der Dichtungsarten (Berl. u. Stettin 1783; 2. Aufl., Berl. 1804) gehören zu den ersten glücklichern Versuchen der eutschen in dieser Art; seine «Lobrede auf Friedrich II.» (Berl. 1781) wurde lange als ein Muster in dieser Gattung gepriesen; seine «Ideen zu einer Mimiko (2 Bde., Berl. 1785—86; neue Aufl., Erfurt w1882), mit erläuternden Kupfern von Meil, zeigen, obgleich eine Zeit lang überschätzt, doch vielen psychol. Scharfsinn, freilich auch eine gewisse prosaische Beschränktheit. Seine dramatischen Schriften: «Der dankbare Sohn» (Lpz. 1771) und „Der Edelknabey (Lpz. 1774), sind im ganzen nur unbedeutend. In seinem trefflichen, r. von Schiller 1795 in den «Horen » veröffentlichten Roman „Herr Lorenz Starke (Berl. 1801) setzte er zugleich seinem Großvater Brasch, einem reichen Kaufmann und Ratsherrn in Parchim, ein bleibendes Denkmal. Eine Sammlung seiner «Sämtlichen Schriften » erschien in 12 Bänden (Berl. 1801—6 neue Ausg., Frankf. 1857). Engel (Joseph), ausgezeichneter Anatom, geb. 29. Jan. 1816 zu Wien, studierte daselbst Medizin und wurde 1840 Assistent bei der Lehrkanzel der pathol. Anatomie, welche Stellung er bis 1844 behielt. Hierauf ging er als Professor der deskriptiven Anatomie an die Universität Zürich, folgte aber w1849 einem Rufe als Professor der pathol. Anatomie nach Prag; 1854 erhielt er die Professur der deskriptiven Anatomie an der neuorganisierten mediz.⸗chirurgischen Josephsakademie zu Wien, die er 1856 mit dem Lehrstuhl der pathol. und topogr. Anatomie vertauschte. E. hat die Anatomie in allen ihren Zweigen und Anwendungen wesentlich gefördert. In der pathol. Anatomie anfänglich ein unbedingter An änger der Lehren der Wiener Schule, sagte er sich doch bald von derselben los und war fortan bestrebk, die Anatomie durch Aufstellung einer wissenschaftli— Ein Terminologie und Charakteristik der anatom. igenschaften gesunder und kranker Organe zu einer wissenschaftlichen Physiographie zu erheben. Von seinen Schriften I. Ma zunächst hierher: «Entwurf einer patho H1— Propädeutite (Wien 1815), 4Spezielle pathol. Anatomie v (Wien 1856) und Lehrbuch der pathol. Anatomies (Bd. 1, Wien 1865). Ferner sind außer den « Untersuchungen über Schädelformeno (Wien 1850) und «Das Knochengerüst des menschlichen Antlitzeso (Wien 1850) hervorzuheben: «Kompendium der topogr. Anatomiev (Wien 1859), „Anleitung zur Beurteilung des Leichenbefundess (Wien 1846), „Sektionsbeschreibungen»(Wien 1861) und „Darstellung der Leichenerscheinungen »(Wien 1854). Außerdem hat E. in verschiedenen mediz. Zeitschriften zahlreiche Beiträge zur mikroskopischen Anatomie, Physiologie und Entwickelungsgeschichte, 3. B. über die Entwickelung der Knochen, Haare, Federn, über Tierknospen und Zellen und deren Wachstumsgesetz, über Beckenformen, Rückgratsverkrümmungen, Organgewichte u. s. w. veröffentlicht. Nach der 1874 erfolgten Auflösung der mediz.⸗chirurgischen Josephsakademie trat er in den unfreiwilligen Ruhestand.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 134Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6