FeedGravelines
VerkehrBrockhaus 1882

Gravelines (vläm. Gravelinghe, hochdeutsch Gravelingen, d.h. Grafengraben, weil dort Graf Theodorich von Flandern einen Kanal graben ließ), feste Seestadt zweiter Klasse im franz. Norddepartement, Arrondissement Dünkirchen, 18 kmim WSW. von Dünkirchen, 2 Kmvon der Mündung der kanalisierten mittlern Aa, Station der Linien Calais-G.⸗ Dünkirchen und G.⸗Watten der Französischen Nordostbahn, hat einen kleinen, nur zur Zeit der Flut mittels eines durch die Dünen führenden Kanals zugänglichen Handels- und Fischerhafen mit einem Leuchtturm auf dem kleinen Fort Philipp, einen schönen Markt, große Magazine, eine Kirche aus dem 16. Jahrh. und ein modernes Stadthaus. Die Stadt zählt (1876) 4182 (als Gemeinde 7833) E., welche Schiffbau, Ausrüstung zum Herings- und andern Fischfang, sowie Fischsalzerei betreiben, auch Salzraffinerie, Segel- und Leinenfabrikation, Dampfschneide- und Dampfmehlmühlen unterhalten. Außerdem besteht Handel mit eigenen und Landesprodukten, namentlich mit Apfeln, Gemüsen und Eiern nach London, Einfuhr von Salz, Baumaterialien, Fässern, Holz und Holzstäben aus Skandinavien. — Der Ort wurde 1160 vom Grafen Theodorich von Flandern angelegt, 1383 von den Engländern unter dem Bischof von Norwich erobert und verheert und gelangte 1405 an den Herzog von Burgund. Die Friedensunterhandlungen mit England fanden hier 28. Juni bis 10. Sept. 1439 statt. Berühmtheit erlangte G. durch den denkwürdigen Sieg der Spanier unter Egmond über die Franzosen unter Marschall Thermes 13. Juli 1558. Die Stadt wurde 1644 von den Franzosen, 1652 nach 69tägiger Belagerung vom Erzherzog Leopold, 1658 abermals von den Franzosen erobert. Nachdem es im Pyrenäischen Frieden an Frankreich gekommen, ließ es Ludwig XIV. durch Vauban neu befestigen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 313Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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