Greenwich (spr. Grinnitsch), Stadt und Parlamentsborough in der engl. Grafschaft Kent, am südl. Ufer der Themse und an der Nord-Kent-Bahn, 7,5 km unterhalb London, zu welchem es jetzt als Vorstadt gerechnet wird, zählt (1881) 46 623 E. Der Ort ist besonders wegen seiner Sternwarte und des großen Hospitals für verstümmelte oder durch Alter invalid gewordene Seeleute berühmt geworden. Das Gebäude, in welchem bis 1865 das Hospital sich befand, wurde von Karl II. 1667 als königl. Palast angelegt, erst von Wilhelm III. 1694 zum Seehospital bestimmt und darauf von den Königinnen Maria, Wilhelms III. Gemahlin, und Anna weiter ausgebaut. Durch eine 270 m lange Terrasse von der Themse getrennt, ganz von Sandstein aufgeführt, mit vier Säulenportalen, besteht es aus vier abgesonderten viereckigen Höfen und Palast-Quarrés, welche die Namen der Regenten ber ie unter denen sie gebaut wurden. Die Anzahl hier unterhaltenen Matroseninvaliden im Hause UIn-Pensioners), ursprünglich auf 300 bestimmt, stieg später allmählich auf 3000, die der Invaliden außer dem Hause (Out-Pensioners) auf 32000. Mit dem Hauptgebäude, das mit seinen zwei Domen, seinen Kolonnaden, seiner großen Galerie von Seegemälden, seinem schönen Park mit Wiesen und alten Linden einzig in seiner Art ist, stehen ein Krankenhaus, das Schulgebäude und das Waisenhaus für Matrosenkinder (Royal Naval Asylum) in Verbindung. Letzteres, 1801 gestiftet, unterhält 800 Kinder. Die über 2700000 Mark betragenden Einkünfte dieser großartigen Anstalten flossen teils aus wohlthätigen Stiftungen, teils aus Staatsmitteln und dem Ertrage der konfiszierten Ländereien des Grafen von Derwentwater. Infolge man-Abe von der bisherigen Verwaltung unzertrennlichen Übelstände wurde jedoch das Hospital für Seeleute 1865 durch Parlamentsverordnung geschlossen und die Einkünfte in einen Pensionsfonds verwandelt, der seitdem einer größern Anzahl von Invaliden zugute gekommen ist als früher und dessen Wohlthaten die Pensionäre nicht mehr in jener allgemeinen Versorgungsanstalt, sondern im Kreise ihrer Angehörigen und Freunde genießen. In den von den Invaliden verlassenen Räumlichkeiten wurde 1870 eine See-Akademie (Royal Naval College) für Seekadetten und Seeoffiziere eingerichtet. Die 1675 von Karl II. im Park zu G. unter 28 38“ nördl. Br. erbaute Nationalsternwarte ist mit den ausgezeichnetsten Instrumenten ausgerüstet und steht unter der Verwaltung des Admiralitätskollegiums. über dieselbe ziehen die Engländer und nach ihrem Vorgange die Seekarten überhaupt ihren Meridian, d. h. sie rechnen von dem Punkt aus, wo das Mittagsfernrohr des greenwicher Observatoriums steht, die geogr. Längen der Erdoberfläche (O G. = 17.39“ 51“ östlich von Ferro = 2 20“ westlich von Paris). Auf dem freien Platze vor dem Hospital steht die Marmorstatue Georgs II. von Rysbrack. Außer der von Wren 1718 erbauten Hauptkirche —. G. auch Kirchen für Dissidenten, ein litterarisches Institut, eine Freischule, zwei Spitäler, sowie das Seamen's-Hospital für Seeleute aller Nationen, 1865 vom Dreadnought, einem in der Themse liegenden alten Kriegsschiffe, hierher verlegt. Bedeutende Schiffswerfte, Maschinenfabrikation, Seilerbahnen und Eisengießerei beschäftigen viele Hände. Eine Wasserleitung versieht die Stadt mit gutem Wasser und zahlreiche Landhäuser beleben die Umgebung. Der Park von G. bildet einen Lieblingsausflug der niedern londoner Mittelklassen, während die großen Hotels an der Themse wegen ihrer luxuriösen Fischdiners von den Reichen frequentiert werden. Südlich vom Park liegt der zu G. gehörige Ort Blackheath mit einem litterarischen Institut und mehrern milden Stiftungen (Morden's College für verarmte Kaufleute). Die Nord-Kent-Bahn führt von London mit einem langen, auf 878 Bogen ruhenden Viadukt über die Straßen und Häuser der südöstl. Vorstädte hinweg nach G.