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ErdkundeBrockhaus 1882

Guatemala, ursprünglich Quauhtematlan, d. h. Ort der Holzhaufen, oder herkommend von den Wasser ausbricht, heißt die bevölkertste und reichste unter den fünf Republiken von Centralamerika (s. d.), welche aus dem ehemaligen Generalkapitanat Guatemala hervorgegangen sind. Der Staat grenzt im N. an die mexik. Staaten Campéche und Hucatan, im O. an Balize oder Britisch-Honduras, an die Hondurasbai und die Staaten Honduras und San-Salvador, im S. an die Südsee, im W. an die mexik. Staaten Chiavas und Tabasco und Te ein Areal von 121140 qkm. Der größere eil des Staatsgebiets ist eine 1300 m hohe granitische, prachtvolle, gesunde Hochebene und in der porphyrischen und 1er 20 chen Sierra Madre Gebirgsland in größter Abwechselung von Stufen, Plateaus und Hochthälern, letztere ausgezeichnet durch ihre landschaftliche Schönheit, Fruchtbarkeit und gesundes Klima. Dem Nordwesten des Departements G. gehören die unter dem Namen Los Altos de Guatemala bekannten Alpenlandschaften an. Die höchsten Erhebungen des Landes liegen auf dem Südwestrande, der eine Reihe teils erloschener, teils noch thätiger Vulkane trägt. Der höchste dieser Vulkane, krmreih der Kulminationspunkt von ganz Centralamerika, ist der Volcan de Agua (s. d.), der sich bis zu 4419 meerhebt, während sein thätiger Nachbar, der Volcan de Fuego, 4259m emporsteigt; der Tajumulco, der 1863 einen Ausbruch hatte, ist 3539 m hoch. Fast ebenso hoch sind die Vulkane Sapotitlan und der von Amatitlan und der Atitlan, 3570 m hoch, der Acatenanga 4250 m hoch. G. ist durchgängig sehr gut bewässert, obwohl große schiffbare Flüsse wegen der Konfiguration des Landes nicht zur Entwickelung kommen. Außer dem 590 km langen Usumacinta, der dem Staate größtenteils nur als Grenzfluß angehört und gegen Norden in den Golf von Campache fällt, sind die dem Golf von Honduras zufließenden Ströme Polochic, 178 km lang, und Motagua oder Rio Grande, 252 km lang, die bedeutendsten. Die zur Südsee gehenden Flüsse sind sehr zahlreich, aber nur kurze Küstenflüsse. Die bedeutendsten Seen sind die Laguna Dulce, der von Amatitlan, der von Atitlan, die Laguna Lacandon und die e de Peten (1600 m Höhe) mit 40 Inseln, letztere sämtlich mit zahlreichen merkwürdigen Denkmälern altertümlicher Bauwerke. Das Klima von G. ist durchgängig gesund; nur in der heißen schmalen Küstenebene an der Südsee und vorzüglich an der Hondurasbai sind Fieber häufig. Die mittlere Temperatur auf dem Plateau ist 18° C., die Extreme sind 31 und 3,75; im Mittel fallen 1385 mm Regen. n den Altos sind Schnee und Frost nicht selten. nfolge der Entwaldung verschlechtert sich das Klima sehr. Mannigfaltig wie das Klima sind auch die Produkte des in den unbebauten Teilen noch mit schönen Wäldern bedeckten Landes. Die Küstenstriche liefern reichlich Mahagoni-, Färbe- und andere Hölzer. Auf den höhern Plateaus werden Weizen und alle Baum⸗ und Gartenfrüchte der gemäßigten Zone in Menge erzeugt. Die mittlern und niedrigern Landesteile erzeugen Cochenille, Tabak, Kaffee, Kakao, Vanille, Ipecacuanha, Koloquinten, Baumwolle, Indigo, Zucker. In den Berggegenden ist Wolle das Hauptprodukt, die im Lande verarbeitet wird. Zahlreich sind die prächtigsten Vögel und von Ungeziefer die Sandflöhe, Ameisen, Tausendfüße, Skorpione und Garapaten. An Mineralschätzen scheint das Land nicht reich zu sein. (Vgl. die Karte: Mexiko und Centralamerika.) Die Bevölkerung G.s beträgt (1881) 1252497, worunter über 800000 Indianer. Die Weißen sind meist Pflanzer, die Ladinos Handwerker und kleine Kaufleute, und die Indianer bilden die ackerbauende Bevölkerung; einige der größern Städte sind auch ganz von Indianern bewohnt, welche ihre Muttersprache reden und sich nur äußerlich nach dem Gesetz, der Religion und den üblichen Gebräuchen richten. Im Norden wohnen ununterworfene Indianer, wie die Lacandones. Alle Indianer mit ihren 26 Dialekten stammen von den Quitsch6, Mayas und Nahuatl, also von den Azteken, Tolteken und Mayas. Der Landbau bildet den Hauptzweig der Gewerbthätigkeit. Hauptprodukt und Hauptstapelartikel ist der Kaffee und die Cochenille, welche namentlich gegenwärtig den Reichtum des Staats bilden. Die Viehzucht ist in G. von keiner besondern Bedeutung. Auch der Handel des Staats steht nicht im Verhältnis zu seinem Produktenreichtum und seiner Einwohnerzahl. Der Stapelplatz für den Handel ist die Hauptstadt. Für den auswärtigen Handel sind die Haupthäfen: Mzabal für die atlantische und (viel belebter) San-José de G.an der Südseeküste. Der Wert der Einfuhr belief sich 1882 auf 2652000, der der Ausfuhr auf 3719000 Doll.; die wichtigsten Ausfuhrprodukte waren: Kaffee (für 3132716 Doll.), Cochenille (11869 Doll.), Wachstuch (224 890 Doll.), Häute (116 663 Doll.), Indigo und Wollzeug (22935 Doll.). Die erste Eisenbahn des Landes, von San-José nach Escuintla, wurde 18. Juni 1880 eröffnet, die Länge der Telegraphenlinien beträgt D.r 3114 km. Die Staatseinnahmen 1882 betrugen 6607 679, die Ausgaben 6607750, die Staatsschuld 6487069 Doll. Die geistige Kultur des Landes ist, obgleich darin G. unter den fünf Staaten Centralamerikas noch den ersten Rang einnimmt, eine sehr untergeordnete. Die Elementarschulen Detn (1878) 35315 Zöglinge. Es besteht eine Militärschule, eine Normalschule und ein ausgedehntes Nationalinstitut. Die röm.⸗kath. Kirche war bis 1873 die allein anerkannte. Nach der Verfassung vom 19. Okt. 1851 wird der Präsident aus einer Generalversammlung, bestehend aus der Repräsentantenkammer, dem Erzbischof, den Mitgliedern des Obergerichtshofs und dem Staatsrat, auf vier Jahre gewählt. Der Staatsrat besteht aus den Staatssekretären (Ministern), 8 von der Kammer erwählten Räten und 24 Mitgliedern. Die Repräsentantenkammer zählt 52 Deputierte, welche die Mitglieder des Staatsrats auf vier Jahre wählen und auch auf vier Jahre gewählt werden. Die Wahlen geschehen durch allgemeines Stimmrecht. Das stehende Heer beträgt 2180, die Miliz etwa 33000 Mann. Das Staatsgebiet zerfällt in 20 Depaxtements oder Corregimientos. Die Hauptstadt der Republik, früher des Generalkapitanats, dann der Vereinigten Bundesstaaten von Centralamerika, Santiago de Guatemala oder Guatemala la Nueva (Neu-G.), Sitz der Regierung und des Obergerichtshofs, liegt 1606 m über der Südsee und 133 km von derselben entfernt. Der Ort ist im ganzen gut gebaut, regelmäßig und hat eine Menge großartiger Gebäude. Die Vorstädte jedoch, fast nur von Indianern und Ladinos bewohnt, sind zum Teil eng und schlecht. Bemerkenswert sind die Kathedrale, wegen ihres reinen Baustils zu den schönsten Kirchen Amerikas gehörig, der erzbischöfl Palast und das erzbischöfl. Kollegium, der Regierungspalast, die ehemalige Audiencia, die Rechenkammer, die Münze u. s. w. Außerdem besitzt die Stadt 24 aus der span. Zeit stammende, ansehnliche Kirchen und Klöster, das Universitätsgebäude, das Kollegium von Trinidad, das Hospital San-Juan de Dios, das 1858 erbaute Theater und einen Cirkus für Stierkämpfe. Unter den (1881) 58456 E. sind etwa 1000 Weiße, meist span. Kreolen und wenige Fremde, 20000 Ladinos oder Mischlinge, die übrigen Indianer. Als Konzentrationsvunkt des Handels zählt G. neben vielen einheimischen auch fremde Handelshäuser, darunter mhrere sehr reiche spanische und einige deutsche. Die Unterrichtsanstalten des Orts sind die ersten in ganz Mittelamerika. Obenan steht die 1676 gegründete Universität San-Carlos. Santiago de G. ist die dritte Hauptstadt dieses Namens im Lande. Die erste, Ciu dad vieja oder Almalonga, gründete 1524 der Eroberer des Landes, Petro de Alvarado, am Jakobitage. Dieselbe ward zur Hauptstadt des Generalkapitanats bestimmt, aber, zwischen den Vulkanen Fuego und Agua gelegen, durch einen Wasserausbruch des letztern schon 11. Sept. 1541 fast gänzlich zerstört, und zählt jetzt (1880) 2901 E. Die 1542 nur 9 km nordöstlicher am Rio Pensativo gegründete und zum Hauptort des Generalkapitanats bestimmte Stadt Santiago de Caballeros de Guatemala, jetzt Guatemala la Antigua (Alt-G.) oder bloß La Antigua genannt und Hauptstadt des Depart. Zacatepeques, wurde 1774 ebenfalls durch die siedenden Wasser und Lavaströme jener Vulkane furchtbar verheert, sodaß man sie als Regierungssitz aufgab. Sie war eine der größten und schönsten Städte Amerikas, mit mehr als 60000 E. Ein Teil der Bevölkerung baute sich indes an der verhängnisvollen Stelle wieder an, und die Stadt ist jetzt wieder ein wohlhabender Ort von 6427 E. Die Auflösung der 1824 gegründeten centralamerik. Föderation und die Konstituierung einer souveränen und unabhängigen Regierung in G. 17. April 1839 wurde hauptsächlich durch den Indianer Rafael Carrera bewirkt, dem es bei der allgemeinen hen war, Din mit dem Präsidenten Mo⸗ — 0 gelungen war, durch Koalition mit der klerikalen Partei und der alten Landesaristokratie die antiföderalistische oder Centralistenpartei zu stürzen. Doch überließ er die Präsidentschaft dem von ihm geleiteten Mariano Rivera Paz und übernahm als Chef der bewaffneten Macht die Aufgabe, die Regierung sowohl gegen die aufständischen Versuche der gestürzten Partei im Inlande wie gegen die Angriffe von außen zu verteidigen. Erst Anfang 1840 trat Carrera selbst die Präsidentschaft an. Derselbe behauptete sich gegen seine Feinde im Innern und nach außen bis zu seinem Tode mit diktatorischer Gewalt in der Macht, ein in Centralamerika unerhörtes Beispiel, und suchte durch musterhafte Finanzverwaltung das materielle Wohl des Staats zu fördern, wie er denn auch seine Macht in ganz Centralamerika geltend zu machen wußte. Nach Carreras Tode, der 14. April 1865 erfolgte, wählte man in G. Vincente Cerna zum Präsidenten, der 24. Mai sein Amt antrat. Im Mai 1871 wurde dieser durch Granados gestürzt, der energisch gegen die Jesuiten vorging und sie sowohl wie den Erzbischof von G. verbannte und auch im übrigen den Wohlstand des Landes durch bessere Finanzverwaltung und Aufhebung von Handelsbeschränkungen zu heben suchte. Sein Nachfolger, Rufino Barrios (gewählt 9. Mai 1873, wiedergewählt auf sechs Jahre 15. März 1880), hob alle Klöster auf, zog das Eigentum der Kirche ein und verkündete allgemeine Religionsfreiheit. Vgl. Baily, «Central America (Lond. 1850); Fuentes y Guzman, Historia de G.5 (Madr. 1882); Lemale, Guia geografica de la republica de G. (Guatemala 1882) Bastian, «Steinskulpturen aus G.v (Berl. 1882). Gnatimozin, letzter König von Mexiko, Neffe und Schwiegersohn Montezumas, wurde nach dem Tode Cuitlahuacs (Okt. 1520) König und war ein entschiedener Feind der Spanier. Bei der Eroberung der Hauptstadt 13. Aug. 1521 wurde er gefangen und anfänglich rücksichtsvoll behandelt, später aber gefoltert, um von ihm das Geständnis zu erpressen, wo er seine Schätze verborgen. Auf Cortez' Zug nach Honduras wurde er beschuldigt, an einer Verschwörung gegen das Leben des Feldherrn teilgenommen zu haben, und 15. Febr. 1525 aufgehängt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 591Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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