FeedGrimsel (die)
ErdkundeBrockhaus 1882

Grimsel (die), ein Paß am östl. Ende der Berner Alpen (s. Alpen 17) auf der Grenze der schweiz. Kantone Bern und Wallis und der Wasserscheide zwischen Aare und Rhöne gelegen, verbindet das bernische Hasli (s. d.) mit dem Oberwallis. Der Weg über die G., von Meiringen (600 m) im Hasli bis Innertkirchen (626 m) Poststraße, von da bis Guttannen (1049 m) Fahrstraße (1883 im Bau), dann Saumweg, erfordert bis Obergestelen (1369 m) im Wallis einen Marsch von etwa 10 Stunden und ist, seiner großartig wilden Landschaftsbilder wegen, einer der begangensten Touristenwege der Schweizer Alpen. Bei Meiringen überschreitet die Straße die Aare, zieht sich südöstlich über den Querriegel des Kirchet (788 m), den der Fluß in der «Finstern Schluchto durchsetzt, und senkt sich in vielen Windungen in den Thalkessel von Hasli im Grund hinab, wo die Aare bei Innertkirchen rechts das Gadmerwasser aufnimmt; dann steigt der Weg dem Laufe der Aare entgegen durch malerische Felspartien, Weiden und Wald zu dem ärmlichen Dorfe Guttannen empor, berührt den großartigen Handeckfall und erreicht über die vom Gletscher geschliffenen Granitblöcke und Platten der Bösen Seite und der Hehlen Platte den steinigen, baumlosen Kessel des Räthrichsbodens und durch großartige Feldwildnisse endlich den Grimselgrund, einen öden, rauhen Bergkessel mit einem kleinen See, an dessen Ufer (1874 m über dem Meere) das Grimselspital oder Hospiz steht. Dasselbe, ein düsteres steinernes Gebäude, war ursprünglich eine fromme Stiftung der Landschaft Hasli und wie die Hospize auf dem St. Gotthard und St. Bernhard zur Zufluchtstätte der Wanderer bei bösem Wetter bestimmt; jetzt ist es ein stark besuchter Gasthof und Ausgangspunkt für Gletscherwanderungen in den Berner und Urner Alpen. Vom Spital aus zieh sich der Weg in vielen Windungen südlich den Bergkamm hinauf und gabelt sich, bevor er die Höhe erreicht hat, in zwei Äste: der eine Weg steigt links an dem düstern Totensee vorbei zu der Paßhöhe der Hauseck (2182 m, 22 EKm südöstlich von Meiringen) und senkt sich über die steile, mit Alpenrosen bewachsene Maienwand zum Rhönegletscher hinab; der andere, der eigentliche Grimselweg, zieht sich rechts zur Paßhöhe der G. (2164m), von welcher das aussichtsreiche Kleine Sidelhorn (2766 m) leicht in etwa zwei Stunden bestiegen wird, und über die Grimselalp nach Obergestelen im Rhönethal; beide Wege münden in die Furkastraße. Im J. 1799 war die G. der Schauplatz hartnäckiger Kämpfe zwischen den Franzosen und den Osterreichern, bis es den erstern unter Führung des Wirts Fahner von Guttannen elang, die österr. Stellungen auf der G. über das Rägeltsgrätlt zu umgehen und dadurch die Gegner zum Rückzug zu zwingen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 427Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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