Grundbau (Fundament) ist der Inbegriff aller derjenigen Bauarbeiten, welche dazu dienen, einem Bauwerke festen Stand auf dem Grundboden zu sichern. Er richtet sich nach der größern oder Beringern Tragfähigkeit des Bodens, dessen Beschaffenheit mithin vor der Bauausführung untersucht werden muß, und nach der Last des Bauwerks selbst. Diese Untersuchung erfolgt für geringe Tiefen durch Aufgrabung oder Schürfung oder durch das Visitiereisen, bei größerer Tiefe aber und am sichersten durch den Erdbohrer oder durch das Graben von Brunnen, durch welche letztern Mittel man Aufschluß nicht nur über die Beschaffenheit, sondern auch über die Mächtigkeit (Stärke) der durchbrochenen Bodenschichten erhält. Der Baugrund ist nun entweder fest und findet sich unmittelbar an der Oberfläche (Obergrund) vor, oder ist erst in einiger Tiefe unterhalb weicher Bodenschichten zu erreichen (Untergrund); oder er ist nachgebend, unfest oder preßbar. Bei vorhandenem festen Obergrund von genügender Mächtigkeit (Felsen, Kies und Lehmboden von 1,5 bis 3mStärke) sind keine weitern Vorbereitungen nötig, als daß man die Sohle der Baugrube (den Grundgraben) gehörig ebnet und die Grundmauern nach Befinden verbreitert. Diese Verbreiterung erfolgt in rechtwinkeligen (Fig. 1) oder abgeschrägten (Fig. 2) Absätzen auf beiden Seiten der Mauern von 10bis 20em Breite. Die unterste breiteste Schicht nennt man das Bankett. Kann bei festem Untergrunde der oberhalb befindliche nachebende Grundboden, sofern er nur von geringer ächtigkeit ist, verbessert werden, so Onttebz dies entweder durch Verdichtung desselben mittels eingerammter Kiesschichten (Rammbeton, Fig. 3), eingeschlagener hölzerner Füllpfähle eingelastenet steinerner Pfeiler, in geeignetem alle auch durch Entwässerung oder durch vollständige Beseitigung und Ersatz desselben durch Kiesschichten, Steinschotter, Betonschlag oder Sand. Findet sich erst in größerer Tiefe fester Untergrund vor, so handelt es sich um die üÜbertragung der Last des Gebäudes durch die weichen Bodenschichten hindurch auf den tiefer liegenden festen Baugrund. Dies geschieht durch einzelne steinerne Pfeiler, die oberhalb durch Bogen verbunden werden (Fig. 4), durch steinerne Röhren (Senkbrunnen), die nach Befinden ausgemauert werden (Fig. 5), durch eingeschraubte hohle gußeiserne oder massiv schmiedeeiserne Pfähle (Fig. 6), durch versenkte eiserne, mit Beton ausgegossene Röhren Far )Doder endlich durch eingerammte hölzerne Pfähle (Pfahlrost, Fig. 9). Die Gründung r nachgebendem Baugrund von geringerer Tiefe erfordert entweder die Verbreiterung der Basis durch umgekehrte Gewölbe (Erdbögen, Fig. 8), welche zwischen einzelne Pfeiler eingesetzt werden, oder durch die Grundmauern breit überragende Schreurgste (Fig. 10), oder sich weit ausbreitende abgeböschte Stein⸗, Kies⸗, Beton- oder Sandschüttungen (Fig. 13 u. 14). Bei größerer Tiefe des unfesten Bodens wendet man Senkbrunnen (s. unten), eingerammte Holzpfähle (Fig. 12) oder durch Ausfüllen von Rammlöchern mit Sand ebildete Sandpfähle (Fig. 11) an. In den meisten Fällen wirkt der Druck des Bauwerks senkrecht auf den Grundboden und wird daher der G. mit seiner Sohle wagrecht und eben Werund Bei geböschten Futtermauern, Gewölbe⸗ und Brückenwiderlagspfeilern, Ankerpfeilern bei Hängebrücken u. s. w. findet jedoch eine lbertragung des Drucks in schiefer Richtung auf den Grundboden statt und muß demzufolge die Gründungsbasis normal zu jener Druckrichtung, also geneigt und unter Umständen mit Verzahnungen oder Abtreppungen versehen, ausgeführt werden. (Vgl. Fig. 15, 16 u. 17.) folgt. Die Beseitigung durch erstere beiden Mittel erfolgt mit Hilfe von um die Baugrube angelegten, möglichst wasserdichten Fange-oder Kastendämmen, das Auspressen des Wassers vermittelst eiserner nach oben geschlossener und nach und nach versenkter Kammern (pneumatische Gründung), die zum Aufenthalt der Arbeiter, Lösung des Bodens, Einbringen von Material u. s. w. dienen. Bisweilen genügt für die Ausführung des G. die Anwendung einzelner kleiner Senkbrunnen, die man ausbaggert und versenkt, über Wasser allmählich aufmauert, oder die Gründung mittels Senkkästen, welche anfänglich auf dem Wasser schwimmen und durch die Last der Aufmauerung allmählich auf den Baugrund niedersinken. Ein drittes Mittel, um die so kostspielige Wasserförderung zu vermeiden oder u reduzieren, ist die Anwendung von zwischen Rundwänden in Schlotten versenkten Betonlagen, die hierdurch zunächst vor Ausspülung des hydraulischen Bindemittels gesichert, unter Wasser nach und nach erhärten und eine sehr breite und widerstandsfähige Basis bilden. Endlich hat man bei Ausführung-des G. noch für möglichst lange Erhaltung zu sorgen. Sie erfolgt durch Schutz vor Unter⸗ oder Ausspülung des Mauerwerks im Wasser durch hölzerne oder eiserne Spundwände, durch fangdammartige antrosten oder der Flußbetten (Sturzbetten); bei Pfahlrosten oder Holzsubstruktionen im allgemeinen durch Anordnung des Holzwerks stets unter dem tiefsten Wasserstande, durch Teeranstrich bei eisernen Spund⸗ und Schraubenpfählen; im Trockenen aber durch Anlage der Grundsohle unterhalb der Frosttiefe (bei unserm Klima etwa 60 bis 75 em). Zu allen Grundbauten ist stets nur das widerstandsfähigste, beste Material zu wählen und im Trockenen als Bindemittel nur hydraulischer Kalk, bei Wasserbauten Cement oder Traßmörtel, oder reiner Cement zu verwenden. Bei Inangriffnahme des G. von öffentlichen Gebäuden findet oft eine besondere Feierlichkeit, die Grundsteinlegung, statt. Der Grundstein, welcher von irgendeinem Eckstein des Fundaments gebildet wird, wird an Ort und Stelle versenkt, in gehörige Lage gebracht und erhält nun von den vornehmsten der anwesenden oder dazu erwählten Personen unter Ausrufung von Denksprüchen, Wünschen oder Gebeten drei Hammerschläge, sowie eine Lage Mörtel. Das Innere des ausgehöhlten Grundsteins wird häufig mit einem verlöteten metallenen Kasten ausgefüllt, welcher die auf den Bau bezüglichen Urkunden, Inschriften, Münzen u. s. w. enthält und aufbewahren soll. Für größere Ingenieurbauwerke (Quaimauern, Docks, Schleusen, Schächte, Brückenpfeiler u. s. w.) werden bisweilen Gründungen unter Wasser notwendig, die zu den schwierigsten Arbeiten zählen. (Vgl. Brunnen und Fundierung.) Die wichtigsten derselben sind folgende: Bei der pneumatischen Gründung wird ein unten offener Kasten C (s. umstehende Fig. 18), der Caisson, in die Tiefe gesenkt, in den man das Mauerwerk Mvon oben her, also im Trockenen, allmählich aufbringt. Um das Eindringen des Wassers in den Caisson von unten hintanzuhalten, wird mittels einer Zuleitungsröhre L verdichtete Luft in den Caisson eingeführt, welche unteretwas höherm Druck steht als das eindringende Wasser, mithin in bereitstehende Schiffe gebracht. Die Schleuse 8 vermittelt zugleich das Ein⸗ und Aussteigen der Arbeiter. Das Gerüst G dient zur Aufnahme der Baumaterialien, der fahrbare Kran K zum Versetzen der Bausteine, die Hängestangen H zur Regulierung der Stellung des Caissons. Hat der Caisson die tragfähige Schicht Perreicht, so wird er mit Beton oder in anderer Weise mit Mauerwerk ausgefüllt. Das Verfahren hat vielfache Veränderungen erfahren; man hat den Caisson auch aus Holz, in Stein u. s. w. hergestellt, die Rettere und die Schleusen verschiedenartig gestaltet. Erreicht in losem Boden der Caisson eine Tiefe von mehr als etwa 30 m unter dem Wasserspiegel, so hört das Verfahren auf, praktisch durchführbar zu werden, da der Luftdruck im Arbeitsraum mehr als vier Atmosphären erreicht, welchen Druck der menschliche Organismus nicht mehr für die Dauer auszuhalten vermag. Man hat in solchen Fällen vorgeschlagen, von der Sohle des Caissons aus Pfähle in die Tiefe zu treiben u. s. w. In der neuesten Zeit (1883) hat der Bergbau-Ingenieur Poetsch in Aschersleben durch das sog. Gefrierverfahren eine Methode geboten, die eine große Zukunft hat und eine der bedeutsamsten deutschen Whenert. auf dem Gebiete der Bautechnik repräsentiert. Es besteht darin, daß eine zu durchbrechende, unter hohem Wasserdruck stehende Schicht, z. B. Schwimmsand, durch ein System von vorher eingesteckten Röhren, in denen fürchtetsten Schichten wird hierdurch mögli Fundierung von Brückenpfeilern, die Aus von Tunnels in Schwimmsandschichten we erleichtert. Der G. mittels Senkbrunnen, die M wonach man röhrenförmige Körper in di bringt, indem man im Innern der Röhre das Material hebt, ist lange bekannt, er kam 1825 im großen Maßstab durch Brunel beim Bau des Zn. 1849 zuerst für die Pfeiler der Themsebrücke zu Windsor in Anwendung und erfreut sich heute großer Verbreitung. Ein Beispiel zeigt Fig. 20. Das ringförmige Mauerwerk M ruht auf einem hölzernen oder eisernen Brunnenkranz. Mittels einer Baggervorrichtung, hier eine ind. Baggerschaufel B, wird das Material aus der Röhre emporgehoben. Der mit Schienen künstlich beschwerte Körper sinkt hierbei in die Tiefe, das weitere Mauerwerk wird oben allmählich aufgeführt. Hat man den entsprechenden Baugrund erreicht, so wird der Innenraum mit Beton ausgefüllt und hierdurch ein massiver Mauerwerkskörper geschaffen, der z. B. als Brückenpfeiler oder, reihenweise angeordnet, einer Quaimauer u. s. w. als Fundament dient. Die Tiefen, welche man mit 5 MRai Brunnen erreicht hat, überschreiten selten das Maß von 8 munter Niedrigwasser, doch sollen die Brunnen der Jumnabrücke in Indien 22 bis 25 mtief unter Niedrigwasser sich befinden. Um den Brunnenkranz sicher legen zu können, hat man mitunter an der Stelle, wo der Pfeiler erbaut werden soll, eine künstliche dund une chüttet. Diese 3. Diu ist vielfach in England und Deutschland (3z. B. Brücken der berliner Stadtbahn) zur Anwendung gelangt. Vgl. «Handbuch der Ingenieurwissenschaftenv (Bd. 1, Lpz. 1879).