Guadalquivir (arab. Wäd-al-Kebir, d. h. der Große Fluß), der Baetis der Alten, unter den fünf Hauptströmen Spaniens der kürzeste, aber nach dem Ebro der wichtigste, weil er einen langen und, durch die Zuflüsse aus dem Hochlande von Granada verstärkt, einen sehr wasserreichen Unterlauf hat und daher besser als alle andern Flüsse des Landes sich für die Schiffahrt eignet. Der G. entspringt in 481 m Höhe über dem Meere, an dem Nordwestabhange der Sierra del Pozo und fließt zwischen dieser und der Sierra de Cazorla in der Provinz Jaen in einem wilden Gebirgsthal erst nach NNO., dann nach N., wendet sich aber nahe bei dem Wallfahrtsort Nuestra Senhora de Fuensanta nach W. und tritt bald darauf aus dem Gebirge in das obere Guadalquivirbecken (248 m) ein. In diesem fließt er, verstärkt durch den Guadiana-Menor (links) und Guadalimar (rechts), die ihm beide an Länge und Wasserfülle überlegen sind, als ein stattlicher Strom über Andujar bis Montoro, wo er die Vorberge der centralen Sierra Morena in einem zickzackförmig gebildeten Prickt raun mit schäumenden Stromschnellen durchbricht, zunächst westwärts, dann über Cordova (104 m) bis Cantillana gegen WSW. und nun über Sevilla und Cöria bis zur Mündung in südsüdwestl. Richtung. Etwa 8 km unterhalb Coöria teilt sich der G. in zwei Arme, von denen der eine sich weiterhin abermals spaltet, die sich aber, nachdem sie die herdenreichen Isla-Mayor (140 qkm) und Isla-Menor (55 qm) gebildet, bei Tablazo wieder vereinigen. Der westl. Arm heißt Brazo de la Torre, der östliche Brazo del Este, der mittlere, zwar schmalste, aber allein für große Schiffe fahrbare, Brazo del Medio. Der 22 km svor der Mündung wieder vereinigte G. hat nun bei einer Breite von fast 3 km ein majestätisches Ansehen. Kurz vor San-Lücar de Barrameda, 27 km im N. von Cadiz, wendet er sich plötzlich nach W. und ergießt sich unterhalb dieser Stadt in einer 4 Em breiten Mündung in den Golf von Cadiz. Während des Verlaufs in seinem obern Becken ist er zwar stellenweise schon ansehnlich breit, aber meis sehr seicht, versandet und bis Cordova so reißend, daß hier an eine Schiffbarmachung wohl nicht zu denken ist. Auch bis Sevilla ist er, obgleich ruhiger, doch noch so versandet, daß er der Schiffahrt nicht dienen kann. Größere Schiffe gelangen jetzt nur bis Sevilla, einst bis Cordova. Die direkte Länge des G. beträgt 330, seine Stromentwickelung 602 km und sein Flußgebiet 55892 qkmm. Die wichtigsten Nebenflüsse sind rechts der Guadalimar (s. d.), der Jändula, Guadiato, Bembégar, Viar, Ribera de Huelva und Guadimar. Links fließen dem G. zu der Guadiana-Menor, der aus der Vereinigung des Rio Barbata oder Guardal und Färdes entsteht, der Guadalbullon, der Guadajoz, der bedeutende Genil, an dem Granada liegt, der Corbones und Guadaira, welche die Ebene von Sevilla bewässern. Bei dem starken Gefälle des G. in seinem Oberlaufe und dem Wasserreichtum seiner Zuflüsse verursacht der G. oft bedeutende überschwemmungen, wenn bei heftigem Westwind das Meer in die Mündung hineindrängt, wodurch bis Sevilla hinauf das Wasser bis 6müber seine gewöhnliche Höhe steigt.