FeedEbro (lat. Idérus)
ErdkundeBrockhaus 1882

Ebro (lat. Idérus), ein Hauptstrom Spaniens, entspringt in der altcastil. Provinz Santander auf der Hochterrasse oberhalb von Reinosa in 847 m Höhe, auf dem Manantial de Fontibre, nicht weit von der Quelle des Duerozuflusses Pisuerga. Abweichend von den übrigen in westl. Richtung dem Atlantischen Ocean zueilenden span. Hauptflüssen, läuft der E. in südöstl. Richtung durch Altceastilien, Navarra, Aragonien und Catalonien und ergießt sich in das Mittelmeer. Seine Länge beträgt 757,4 km und sein Stromgebiet 99 922 à4km. Zunächst durchfurcht er als rascher und heller Gebirgsstrom die hohen nördl. Plateaus des altcastil. Tafellandes, biegt nach einem östl. Laufe von 30 kmenach Süden um, wodurch er sich dem Pisuerga bis auf 18 Km nähert, wendet sich dann auf fernere 80 Km ostwärts und tritt, nachdem er die Engpässe von Horadada und Montes-Claros durchbrochen, als ein stattlicher Fluß in das obere Ebrobassin, ein 3800 AKm großes Plateau des iber. Stufenlandes. Nachdem er dasselbe bis unterhalb Logroßo in trägem Laufe len den scwiedurchbricht er in neuen Stromschnellen den schwieer Conchas de Ilaro, in den Obarenesbergen. Oberhalb Tudela tritt er in das untere Ebrobassin, die 20000 akm große Tieflandsmulde Niederaragoniens, einst ein Binnenmeer, jetzt größtenteils ein dürres, monotones Steppengebiet. Hier bildet der Fluß große Schlingen und teilt sich bei Saragossa (184 m Höhe) durch Sandbänke in mehrere im Sommer sehr seichte Arme. Von Caspe (96 m Höhe) geht er in Windungen nach Nordosten. Bei Mequinenza (51 m Höhe), wo er durch Aufnahme des Segre erst wieder beträchtlich wird, biegt er plötzlich gegen Süden und durchbricht in gewundenem Laufe den Gebirgswall der nordvalencian. Terrasse, die ihn zuvor zu einer östl. Richtung gezwungen. Erst nach dem Austritt aus dem Gebirge, dicht oberhalb Tortosa, wird sein Lauf wieder ruhig, und breit dahinströmend windet er sich durch die reizende Huerta de Tortosa bis Amposta. Es beginnt nun das sonnverbrannte, öde, fast ganz aus Flugsand und Sumpf bestehende, 24 Em ins Meer sich erstreckende, fast 40000 ha große Ebrodelta, welches der Fluß in zwei versandeten Armen durchschneidet. Die Breite des E, im Verhältnis zum Laufe im ganzen gering, wechselt außerordentlich, und ebenso ungleich ist seine Tiefe. Seeschiffe können selbst bei hohem Wasserstande nur bis Tortosa gelangen. Die große Verschiedenheit des Gefälles, die zahlreichen Sandbänke des Bettes, der Verlust des Wassers an die Menge abgeleiteter Bewässerungsgräben und Kanäle in seinem untern Bassin machen es erklärlich, daß der Fluß in seinem untern Laufe ebenso wenig regelmäßig schiffbar ist wie in seinem obern Bassin. Das meiste Wasser entzieht ihm, nach Aufnahme der Arga, Ego und Aragon, der Kaiserkanal (Canal imperial) oder Kanalvon Aragonien, welchen Karl V. begann. Derselbe beginnt rechts vom E., 5 km unterhalb von dem in 238 m Höhe gelegenen Tudela mit einem großartigen Schleusenwerk, nimmt aus dem E. in jeder Sekunde 14 ebm Wasser, überschreitet auf imposanten Brücken mehrere Abgründe, Thäler und Flüsse und endet beim Kloster Monte-Terero 8 km unterhalb Saragossa, da seine Weiterführung bis Sästago der Terrainschwierigkeiten wegen unterblieben ist. Links begleitet den C. der wenig bedeutende Kanal von Täuste. Außer der Schiffahrt dient der prächtige Kanal auch zur Bewässerung einer ausgedehnten Landfläche. Von Amposta geht südwärts durch das Delta nach dem Hafen Los Alfaques der 14 Kmlange Neue Kanal nach San-Carlos de la Rapita, der eine für Seeschiffe praktikable Wasserstraße herstellt. Die namhasftesten Nebenflüsse des E. sind rechts der Xalon (Jalon) und Guadalope, links der Aragon, Gällego und Segre.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 715Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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