Guanaxuato oder Guanajuato, einer der Centralstaaten Mexikos, auf der Hochebene Anahuac, zählte im J. 1880 auf 28462 qkm 788 202 E., unter denen 152000 eingeborene Indianer, 300000 von europ. Abkunft und 121800 Mischlinge sind. Der südwestl. Teil gehört zu der fruchtbaren Ebene Baxio, der nordöstliche wird von zwei durch 1600 —2200 m hohe Plateaus getrennte Gebirgsketten in Nordsüdrichtung durchzogen, der Sierra Gorda im Norden und der Sierra de G. in der Mitte des Landes. Letztere ist die höhere und erhebt sich im Gigante bis zu 3075 m. Der Hauptfluß des Landes ist der aus dem Rio de Lerma und Rio Laja entstehende Rio Grande de Santiago, der in den Chapalasee fällt. Das Klima läßt stellenweise den Anbau der meisten tropischen Gewächse zu, doch baut man hauptsächlich Mais, Weizen, Frijoles (Bohnen) und Gerste, sowie die Garten⸗ und Baumfrüchte der gemäßigten Zonen. Chilicolorado oder roter Pfeffer wird in Menge ausgeführt, auch Wein gedeiht, und die Olivenkultur hat man versucht weiter autende Bielz In manchen Gegenden treibt man bedeutende Viehzucht. Der Hauptreichtum G.s besteht aber in seinen zahlreichen Silberminen. Der reichste Minendistrikt ist der der Hauptstadt, auf dessen weltberühmtem, in einer Länge von 12000 m bearbeitetem Hauptgang Veta Madre de Guanaxuato, der merkwürdigsten Silberader der Welt, in einem Halbkreise von NW. nach SO. Hovas⸗ die Gruben Valenciana (die berühmteste), ayas, Serena, Mellado u. a. bearbeitet werden. Seit dem Anfang der Revolution kamen die Minen in r Erst 1823 trat wieder einige, bald reichlich lohnende Thätigkeit ein, und seit 1825 steigerte sich der Betrieb durch die reichen Mittel der engl. Bergbaugesellschaften. Im J. 1876 schätzte man die Jahresproduktion zu 1619 500 Frs. in Gold und 21509 880 Frs. in Silber. Außer den edeln Metallen finden sich Eisen, Kupfer und Blei, im Norden auch Salpeter, im Süden Soda, an verschiedenen Orten warme und Schwefelquellen. Für Selen-Wismut (Guanajuatit) ist Lum der einzige bekannte Fundort. Neben dem Bergbau und der Landwirtschaft sind verhältnismäßig auch die Manufakturen von Bedeutung, die jetzt ihre Hauptsitze in Salamanca, Salvatierra (für Baumwolle) und Celaya (für Kasimire, Tuche und Decken) haben. Außer der Textilindustrie sind auch erwähnenswert die Fabrikation von Leder, Fayence- und Topfwaren, in der Hauptstadt von Gold⸗ und Silberwaren. Die Hauptstadt Guanaxuato oder Santa-Fede Guanaxuato, 260km im NW. von Mexiko, 2044m über dem Meere zu beiden Seiten der tiefen, von einem Bergstrom Guanaxuato durchflossenen Schlucht Canada de Marfil nehhen und von steilen Bergen und Porphyrfelsen umgeben, wurde 1554gegründet und 1741 zur Ciudad erhoben. Sie hat, da sie ihren Ursprung den Erzgruben verdankt, ganz den Charakter einer Bergstadt, steile, unregelmäßige Bergstraßen, und gewährt ein malerisches Bild. Unter den zum Teil prächtigen öffentlichen Gebäuden sind die Kathedrale, die Jesuitenkirche, das 1812 errichtete Münzgebäude, der Regierungspalast und das Theater bemerkenswert. Die Stadt besitzt eine sog. Universität, ein Gymnasium, mehrere Mittelschulen, acht Klöster und eine Kaserne. Im Westen derselben liegen mehr als 100 Grubengebäude. Vor der Revolution, welche 1810 in dem gegen Südosten gelegenen Dorfe Dolores Hidalgo unter dem Priester Hidalgo ausbrach und in ihrer ersten Zeit vorzugsweise im Staate G. wütete, zählte die Stadt nebst den Vorstädten und den benachbarten Minen gegen 100 000, im J. 1880 aber nur 56 112 E.