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ErdkundeBrockhaus 1882

Michoacän, eine der westl. Provinzen Mexikos, 1824 aus der ehemaligen Intendanz Valladolid gebildet, zwischen Xalisco, Guanaxuato und Queretaro im N., Mexiko im O., Guerrero und der Südsee im S., Colima und Xalisco im W., zählt (1883) auf 63642 qkm 648857 C. Das Land gehört größtenteils den im ganzen fruchtbaren Westabfällen des Plateau von Anahuac an. Im Norden und Osten erhebt sich das Plateau zu fast 2000 m, trägt aber auch Schneegipfel. Auf einer etwa 110 km vom Ocean entfernten Ebene, am Westabhange des Tafellandes, erhebt sich 1222 m über das Meer der Vulkankegel Jorullo, der in der Nacht des 29. Sept. 1759 plötzlich 480 m emporgetrieben wurde. überhaupt ist das Land reich an vulkanischen Gesteinsbildungen und alten ausgebrannten Kratern. Unter den zahlreichen Seen zeichnet sich der fast im Mittelpunkt des Landes in 2164m Höhe gelegene See von Patzcuaro mit fünf Inseln wegen seiner landschaftlichen Reize und seines Reichtums an Forellen aus. Der Boden ist im allgemeinen sehr fruchtbar, namentlich haben die gemäßigten Landstriche ein außerordentlich gesundes Klima und bieten einen schönen Wechsel anmutiger, wohlbevölkerter Thääler dar. Mais und Weizen sind hier die wichtigsten Cerealien. Hanf und Flachs wachsen ohne Pflege, auch Baumwolle, Zuckerrohr und Indigo gedeihen. Die Bergabhänge sind mit herrlichen Waldungen bedeckt. Die Weiße Jalape hat von dem Lande ihren Namen Mechoaeänwurzel. Die Schafwolle von M. gilt für die schönste Mexikos. Das Mineralreich liefert Gold, Silber, Kupfer, Blei, Eisen und Salz; doch wird hauptsächlich nur auf Silber gebaut. Die Industrie beschränkt sich hauptsächlich auf den Bergbau. Der Handel ist bloß nach Mexiko gerichtet und durch den Mangel an fahrbaren Straßen sehr erschwert. Häfen und schiffbare Flüsse fehlen gänzlich. Die einheimischen Indianer verfertigen schöne Arbeiten aus bunten Federn. Die Bevölkerung besteht größtenteils aus Indianern, welche drei tämmen: den Tarasken, den Otomiten und den aztekisch sprechenden Chichimeken, angehören. Das Land M. bildete bei der Ankunft der Spanier ein indian. Königreich, welches dieselben unter Christoval de Olid 1524 eroberten und in die Intendanz Valladolid verwandelten. Hauptstadt ist Morelia.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 700Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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