FeedHäckel (Ernst Heinr.)
HeilkundeBrockhaus 1882

Häckel (Ernst Heinr.), ausgezeichneter Naturforscher, geb. 16. Febr. 1834 zu Potsdam, besuchte das Gymnasium in Merseburg und widmete sich seit Ostern 1852 zu Berlin und Würzburg naturwissenschaftlichen und mediz. Studien. Nachdem er behufs des Studiums der niedern Tierklassen wissenschaftliche Reisen nach Helgoland und nach Nizza gemacht, promovierte er 1857 zu Berlin und legte, nach einem längern Aufenthalt in Wien, 1858 das mediz. Staatsexamen ab. Er nahm dann seine vergleichend-anatom. und histolog. Studien wieder auf und unternahm 1859—60 eine wissenschaftliche Reise durch Italien und Sicilien. Als hauptsächlichste Frucht derselben erschien das Prachtwerk über Die Radiolariend (Berl. 1862, mit Atlas). Inzwischen hatte sich H. im Frühjahr 1861 30 Jena für vergleichende Anatomie habilitiert, übernahm aber bald das Fach der allgemeinen und speziellen Zoologie. Im J. 1862 erhielt er eine außerord. und Ostern 1865 eine ord. Professur, nachdem in Jena ein eigener Lehrstuhl der Zoologie errichtet worden war. Außer über allgemeine und spezielle Zoologie erstrecken sich seine Vorlesungen auch über vergleichende Anatomie, Entwickelungsgeschichte, Histologie, Paläontologie und andere von ihm als mit der Zoologie innig verbunden betrachtete Disciplinen. Seine Forschungen betreffen größtenteils das Gebiet der niedern Seetiere und vor allem jene tiefsten und dunkelsten Regionen, in denen das Leben mit den einfachsten und unvollkommensten Organismenformen (von H. als Protisten zu einem eigenen neutralen organischen Naturreich zusammengefaßt) beginnt. Das Material zu diesen Untersuchungen sammelte H. auf Reisen nach den Küstenebieten der Nordsee und des Mittelmeers. Als rüchte derselben erschienen die Ronographien Zur Entwickelungsgeschichte der Siphonophoren» Utr. 1869) und über die Moneren in seinen «Biologischen Studien v (Bd. 1, Lpz. 1870). Diese Arbeiten nebst einer großen Anzahl anderer Aufsätze in Fachzeitschriften bildeten die Basis für H.s allgemeine, in das Gebiet der Naturphilosophie fallende Hauptarbeiten und insbesondere für die Leistungen im Gebiete des Darwinismus und der Entwickelungstheorie überhaupt, deren Förderung er als das wesentlichste Ziel seiner wissenschaftlichen Bestrebungen ansieht. Unter den deutschen Naturforschern hat sich H. zuerst offen und unbedingt zu Gunsten der Darwinschen Theorie ausgesprochen. In seiner dreibändigen Monographie der Kalkschwämme versuchte er auf Grund vollständigster Spezialforschung edie analytische Lösung des Problems von der Entstehung der Arteno zu geben. Auf Grund der Vorlesungen, welche er im Winter 1867—68 in Jena hielt, entstand die Natürliche Schöpfungsgeschichten (Berl. 1868; 7. Aufl. 1875), die in viele Sprachen übersetzt wurde. Die spezielle Anwendung der Entwickelungslehre auf den Ursprung des Menschen enthält die «Anthropogeniey Epz. 1874; 3. Aufl. 1879). Sein eigentliches Hauptwerk aber ist die Generelle Morphologie der Organismeno (2 Bde., Berl. 1866). Von H.s populären Schriften sind sonst noch die Vorträge: «K«über Arbeitsteilung im Natur⸗ und Menschenlebend (Berl. 1869), «Uber die Entstehung und den Stammbaum des Menschengeschlechtso (Berl. 1870), Das Leben in den Rorale Meerestiefeno (Berl. 1870) und die Arab. Koralleno (Berl. 1876) hervorzuheben. Das Material zur letzten Arbeit lieferte ihm eine Exkursion nach den Korallenbänken des Roten Meers (1873), für welche ihm der Chedive von Agypten ein Kriegsschiff zur Verfügung gestellt hatte. päter hat H. sich vorzugsweise der vergleichenden Keimesgeschichte zugewendet und in seiner Gasträa-Theorier ein umfassendes Entwickelungsgesetz für das ganze Tierreich aufgestellt. Diese Lehre bekämpften Michaelis, His, Semper u. a. Lei erschien: Das System der Medusen. Erster eil einer Monographie der mdie Hah (Jena 1880, mit Farbendrucktafeln), worin die Zahl der Formen dieser Tierklasse um das Dreifache vermehrt wird. Im Winter 1881/82 reiste H., um die Urwälder der Tropen natedrie über Bombay nach Ceylon, wo er vier Monate blieb. Einen Bericht darüber geben seine „Ind. Reisebriefes (Berl. 1883).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 687Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Heilkunde 6