FeedFischer (Heinr.)
HeilkundeBrockhaus 1882

Fischer (Heinr.), namhafter Zoolog und Mineralog, geb. zu Freiburg i. Br. 19. Dez. 1817 als Sohn eines Regierungsbeamten, absolvierte das Gymnasium und die philos. Kurse auf der Universität seiner Vaterstadt und widmete sich dann nach einem Aufenthalt an dem karlsruher Polytechnikum ebenfalls in Freiburg bis 1842 dem Studium der Medizin. Von einem Besuch der wiener Fachanstalten zurückgekehrt, habilitierte er sich 1846 mit einer Schrift über die Käferschuppen für Zoologie, Zootomie und Mineralogie in der mediz. und philos. Fakultät zu Freiburg, wo er neben dieser Thätigkeit als Privatdocent und als Assistent am zoolog. Museum auch zehn Jahre hindurch ärztliche Praxis ausübte. Seine ersten Publikationen in dieser Zeit bewegten sich vorherrschend auf zoologischem, speziell entomolog. Gebiet, auf welchem die für die Heuschreckenkunde als bahnbrechend anerkannte Monographie 4«Orthoptera europaea (mit 18 Tafeln, Lpz. 1853) sein Hauptwerk ist. Im J. 1854 erfolgte seine Ernennung zum außerord. Professor der Mineralogie und Direktor des mineralog.⸗geolog. Museums in Freiburg, 1859 wurde er ord. Professor daselbst. Anfangs bezogen sich seine mineralog. Studien auf Mineral- und Gesteinsvorkommnisse seiner Heimat (unter anderm über Eusynchit, über die triklinoedrischen Feldspate in den krystallinischen Gesteinen des Schwarzwaldes (1857 — 60], Prehnit, Datolith, Schorlomit, hegauer Trachyte und Phonolithe, der Sil 1864 stellte er unter dem Titel „(Clavis der Silicater Tabellen zum Bestimmen sämtlicher kieselsaurer Verbindungen zusammen. Als das Mikroskop ein zum der und unerläßliches Hilfsmittel beim Studium der Mineralien und Gesteine zu werden begann, war F. einer der ersten, die sich der neuen Untersuchungsmethode hingaben; er verfaßte den gediegenen und wertvollen „Chronolog. überblick über die allmähliche Einführung der Mikroskopie in das Studium der Mineralogie, Petrographie und Paläontologiev (Freiburg 1868) und erbrachte dann für zahlreiche Mineralien, welche ein auffallend kompliziertes oder schwankendes Analysenresultat ergeben oder selten krystallisiert gefunden werden, den Nachweis, daß sie keine homogene Substanz, sondern mikroskopische Gemenge mehrerer Mineralkörper darstellen, woraus sich die Notwendigkeit ergab, manche alte vermeintliche Mineralart auszumerzen (4Kritische mikroskopisch-mineralog. Studien v, Freiburg i. Br. 1869, nebst zwei Fortsetzungen 1871 und 1873). Im Anfang der siebziger Jahre gründete er mit dem Anatomen Ecker das prähistor.⸗ethnogr. Museum in Freiburg und wandte sich mit besonderer Vorliebe der nbeiken, „Eteinamu ischen Untersuchung von Steinbeilen, Steinamuletten und ⸗Idolen aller Völker der Erde zu, Gegenständen, welche bis dahin bloß als archäol. und histor. Objekte betrachtet wurden; er bestrebte sich namentlich, auf Grund der mineralog., chem. und physik. Beschaffenheit derselben ihre Herkunft zu erforschen und vom Standpunkt des Mineralogen aus die über ihre Anfertigung bestehenden Vorstellungen zu berichtigen. Außer zahlreichen kleinern Abhandlungen und Referaten veröffentlichte F. auf diesem Gebiete das größere Werk Nephrit und Jadeit, nach ihren mineralog. Eigenschaften, sowie nach ihrer urgeschichtlichen und ethnogr. Bedeutung» (Stuttg. 1875). * neuester Zeit beschäftigte er sich mit der mikroskopischen Struktur der Steinkohlen und wies nach, daß dieselben wechselnde, oft bedeutende Mengen von rötlichen und gelblichen harzartigen Körnern und Cylindern enthalten. ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 843Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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