Haff, ein im gewöhnlichen Sprachgebrauche veraltetes Wort, bedeutet im Dänischen et Hav, das Meer oder einen ansehnlichen Teil desselben und kommt im Deutschen nur noch als Eigenname dreier, der südl. Ostseeküste eigentümlichen Formen der Strommündungen vor. Es sind meerbusenförmige, aber teils durch benachbarte Inseln, teils durch schmale, sandige Landzungen oder Nerunen (hochdeutsch Niederungen, ähnlich dem schwed. Nerike, d. i. Niederreich, oder wenn es aus dem Altpreußischen abzuleiten ist, von den Wellen ausgeworfenes Land v) von dem Meere fast ganz ser schiedene Mündungsgolfe, die als solche Flußwasser enthalten, mithin als Teile der dazugehörigen Hauptströme, nicht als Meerbusen betrachtet werden können und durch + größere Abgeschlossenheit sich auch von der Mündungsform des Astuar und Liman (s. d.) unterscheiden. Sie gehören alle drei zum preuß. Staate. Das Pommersche oder Stettiner Haff, in seinem östl. Teile das Große, in dem westlichen das Kleine H. genannt, ist 986 akm groß, nimmt die Oder und einige kleinere Flüsse, wie die ücker, auf und ergießt sich zwischen dem Festlande und den Inseln Usedom und Wollin durch die Peene, Swine und Divenow in die Ostsee. Das Frische Haff, zwischen Elbing, Pillau und Königsberg, ist 843,1 ꝗkm groß, nimmt zwei Mündungsarme der Weichsel, nämlich die Nogat und die Alte Weichsel, sowie die Elbing, die Passarge, den Frisching und den Pregel auf und wird durch die 60 Km lange, sehr schmale Frische Nerung von der Ostsee getrennt, mit welcher es nur durch das 4 m tiefe Gatt (Seegatt) oder Pillauer Tief in Verbindung steht. Das Kurische Haff, welches hinter der 90 km langen Kurischen Nerung liegt, 1661,5 Akm groß ist und die Memel oder den Niemen in zwei Armen, Ruß und Gilge, 1— die Deime, einen nördl. Arm des Pregel, aufnimmt, mündet bei Memel durch das Memeler Tief in die Ostsee aus. Geringe Tiefe und bei heftigem Winde sehr gefährliche Wellenbewegungen behindern die Schiffahrt auf diesen Gewässern für große Seeschiffe sehr.