Halligen heißen an der deutschen Nordseeküste die unbedeicht gebliebenen oder durch Zerstörung der alihe bei Sturmfluten wieder in den ursprünglichen Zustand versetzten Marschdistrikte; insbesondere aber an der Westküste Schleswigs die im sog. Wattenmeer belegenen 14 kleinen flachen und nur spärlich bewohnten Eilande, welche, ohne Dünen noch Deiche, schutzlos dem Angriff der Meereswogen preisgegeben sind. Eine solche H. ein flaches Grasfeld, kaum 1m höher als der tand der gewöhnlichen Flut, und wird daher sehr oft und besonders in den Wintermonaten wohl Dentend an einem Tage überschwemmt. Die beeutendsten dieser H. sind noch nicht 30 qkm groß, die kleinern, oft nur von einer Familie bewohnten, kaum 1000 mlang und breit. Die kleinsten und unbewohnten dienen nur dazu, ein wenig kurzes und feines Heu zu gewinnen. Dieses Heu wird in Diemen zusammengehäuft und mit einem an beiden Seiten mit Steinen belasteten Flechtwerk von Stroh überdeckt, wodurch der Vorrat eine solche Festigkeit erhält, daß nur mit eisernen Spaten das zum jedesmaligen Gebrauch Nötige abgestochen werden kann. Auf künstlichen Erderhöhungen oder Werften stehen die einzelnen, auf und durch Pfahlwerk befestigten, mit Stroh gedeckten Wohnungen, die selten mehr Raum auf der sich schräg absenkenden Höhe lassen, als zu einem schmalen Gange um die Hütten erforderlich ist. Vier H.: Oland, Langeneß, Hooge und Gröde, haben noch eigene Kirchen. Da keine Quellen vorkommen, so wird das Regenwasser in sog. Fathingen gesammelt. Man trifft auf fast allen H. keinen Fleck Gartenland, keinen Baum, Strauch, überall nur das fahle Grün der schmutziggrau überschlickten Stellen oder von stehenden Lachen unterbrochene Grasfelder, die den Schafen spärliche Nahrung gewähren. Letztere Fiche de einzige Reichtum der Bewohner, da die Fische diejenige Meeresstrecke, die bei der Ebbe stundenweit ihren Schlammboden aufdeckt, meiden. Dennoch liebt diese Bevölkerung ihre ärmliche Heimat, und der aus der Sturmflut Gerettete baut sich immer wieder da an, wo er vor kurzem alles verlor. Vgl. Biernatzkis Novelle „Die H.» (Altona 1836; 3. Aufl., Lpz. 1852) und Johansen, «Halligenbuch. Eine untergehende Inselwelto (Schlesw. 1866).