FeedHalsband
Sitten & ModeBrockhaus 1882

Halsband, Halsgeschmeide, Halskette, ein Schmuck, der allen Zeiten und fast allen Völkern angehört, so den Agyptern, wo die Frauen Kettchen und Schnüre mit mannigfachen Anhängseln, oft von kostbarster und geschmackvollster Arbeit (schöne Beispiele z. B. von der Königin Aah-Hotep im Museum zu Bulak) trugen, und den Männern goldene Halsketten auch als besondere Gnadenbezeigung von den Pharaonen Uddischen wurden. Gleiches findet sich bei den chaldäischen und assyr. Königen, Würdenträgern, Priestern und Frauen; bei kultlichen Handlungen legte der assyr. König ein H. an, das mit symbolischen Figuren geschmückt war. Perser, Hebräer und Araber huldigten für Männer und Frauen dem gleichen Geschmack an derartigem Schmuck. Bei den jüd. Frauen findet er sich in angereihten Perlen, Korallen, durchbohrten Edelsteinen oder Metallkügelchen, oder auch in kettenartig gearbeitetem Metall mit anhängenden kleinen Monden, Sonnen, Amuletten u. s. w. In Griechenland erhöhte man den Wert dieses Frauenschmucks (einer einfachen Kette oder feinen Reifens) durch Besatz mit kostbaren Edelsteinen; Perlenhalsbänder sollen hier erst zu Alexanders d. Gr. Zeit üblich geworden sein. Die Etrusker zählten starke goldene Ketten zu den Hauptartikeln auch des männlichen Schmucks, desgleichen Amulette in Form verschließbarer Kapseln (Bullen). Außerordentlich groß war in dieser Richtung der Luxus der Römer, bei denen für die Männer Ketten (torques) und für die Frauen Halsbänder Lir, wort letztere oft von übertriebenster Kostbareit, vorkamen. Auf der berühmten Aldobrandinischen Hochzeit erscheint die Salbenspenderin mit einem goldenen H., an welchem ringsum, wie es scheint, Pappelblättern ähnlich geformte Angehänge befestigt sind. Durch Edelsteine, besonders aber durch Perlen erreichten die Halsbänder und die kettenförmigen Geschmeide Klou Sens nicht selten den Wert bis zu einer Million Sesterzien und darüber. Die e Negung zeigen bei den Byzantinern die gleiche Neigung, besonders bildeten bei den Frauen an eine Halskette befestigte Bildchen, die oft bis tief in den Busen reichten, einen sehr beliebten Putz. Die prähistor. Zeiten diesseit der Alpen geben in zahlreichen Funden, besonders aus den Gräbern, Kunde von der Gewohnheit, Gehänge von Tierzähnen, Muscheln u. s. w., gewundene oder glatte Halsringe von Gold, Bronze, Eisen und später von Silber, aneinandergereihte Perlen von Bernstein, Glas, Thon u. s. w. zu tragen. Später wurden die Halsgeschmeide auch mit dlahen Münzen, sog. Goldbrakteaten, Klapperblechen, Glöckchen u. dgl. ausgestattet. Filigran, Schmelz, Cganbe Glas und Gestein erhöhten mitunter die Schönheit des Schmucks. In der fränk., karoling. und frühroman. Periode bildete sich die Form solcher Zieraten immer feiner aus. In der got. Periode, die anfänglich sparsam im Gebrauch derselben war, wurden im 14. Jahrh. Hals und Brust mit Perlen und Metallbändern aller Art geschmückt. In Böhmen trugen um 1367 die Reichen ein silbernes und die Armen ein zinnernes H. 1 16. Jahrh. ist die Form des H. sehr mannigfach, besteht oft aus einem breiten Bande mit kunstreich zusammengefügten Gliedern, und Perlenschnüre legen sich weit und lang um Nacken und Brust. Die Frauenbilder Cranachs geben davon eine Anschauung. Die ganze Geschicklichkeit des Kunsthandwerks der Renaissancezeit kommt in solchen Geschmeiden der Frauen (auch die Männer trugen vielfach Halsketten) zur Erscheinung, und die zuströmenden Schätze der Neuen Welt ermöglichen darin den übertriebensten Luxus, welchen wiederholte Gesetze und Verordnungen nicht einudämmen vermochten. Als Heinrich IV. von Frankreich sssich mit Maria Medicis vermählte, schenkte er ihr unter vielen andern Kleinodien ein H. von 200000 Kronen Wert. Solche Schmucksachen, mehr oder weniger kostbar, finden sich in fürstl. oder adeligen Inventarien häufig verzeichnet, aber der Luxus verbreitete sich auch in den niedern Ständen. Das 16. Jahrh. ist die eigentliche Blütezeit dafr. Schon im 17. Jahrh. schränkte er sich ein, eine Perlenschnur mit einem Kreuzchen daran erschien als Halsschmuck schon hinlänglich, und seitdem ist bis in die neuere Zeit der Geschmack in dieser Hinsicht der Übertreibung abhold geblieben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 743Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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