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ErdkundeBrockhaus 1882

Hambach, großes, schöngelegenes Pfarrdorf im Bezirksamte Neustadt — Hardt in der bayr. Pfalz mit balb 2155 meist kath. E. Auf einem Hügel oberhalb des Dorfs Anen sich die uralte Kestenburg mit prachtvoller Aussicht auf die Rheinebene von Worms bis Straßburg. Auf den Fundamenten eines röm. Kastells er aut, gehörte die Burg bis zur Französischen Revolution zum Fürstbistum Speier. Durch Markgraf Albrecht von Brandenburg wurde sie 1552 zerstört. Von hier aus soll Heinrich IV. seine Bußfahrt nach Canossa angetreten haben. Bekannt ist das Hambacher Schloß durch das Fest, welches 27. Mai 1832 dort gefeiert wurde. In der Pfalz herrschte damals große, durch Mißtrauen gegen die bayr. Regierung genährte Unzufriedenheit. Noch waren auch die franz. Sympathien lebhaft. Durch die Julirevolution erhielt die oppositionelle Bewegung neuen Anstoß, an ihrer Spitze standen Siebenpfeiffer, Wirth, die Advokaten Schüler und Geib. Obwohl viel Unklares mit unterlief, steuerten doch alle immer mehr der Republik zu. Wirth war ein deutschgesinnter Mann, die übrigen Führer schielten meist nach Frankreich. Eine Volksversammlung, auf Pfingsten nach dem Hambacher Schlosse berufen, sollte für die Republik Propaganda machen. Geen 20000 Menschen, darunter auch Polen und Ren osen, kamen dort zusammen. Reden für utschlands Wiedergeburt, d. i. die Republik, für die Polen, gegen Fürsten und Fürstenknechte wurden gehalten. Unter der schwarzrotgoldenen Fahne wehte die polnische. Zu offener Empörung wagte man nicht zu schreiten, obwohl der Ruf nach Wafsen laut ward. Das Fest verlief trotz der aufreizenden Reden ohne Störung. Die Bedeutung des Hambacher Festes liegt nicht sowohl darin, daß es den deutschen Einheitsgedanken gefördert hatte, als daß damals zum ersten male eine republikanische Partei in Deutschland öffentlich hervortrat. Die deutsch-nationale, konstitutionelle Partei, Rotteck 4. a., mißbilligten die Demonstration ganz entschieden. Die Feier gab dem Bundestage die willkommene Veranlassung zu den Beschlüssen vom 28. Juni 1832, welche die Preß⸗ und Versammlungsfreiheit völlig unterdrückten. Die Leiter des Hambacher Festes flüchteten ins Ausland, nur Wirth blieb und wurde zu einer . Zahr daran von wei Jahren verurteilt. Als das Jahr darauf die Feier wiederholt werden sollte, hielt bayr. Militär die Ruine besetzt, und es kam zu einigen Verwundungen. Die ganze Bewegung verlief resultatlos. Die Pfalz machte 1842 das Schloß, jetzt Maxburg genannt, dem Kronprinzen, spätern Könige Max II., zum Hochzeitsgeschenke; es sollte zur Sommeraesdenz umgebaut werden, doch wurden die Arbeiten nach einiger Zeit wieder eingestellt. Vgl. Remling, Die Ma e de (Mannheim 1844); Wirth, „Das Nationalfest er Deutschen zu H. v Reustadt 1833); Miller, «Die neuesten Ereignisse in Rheinbayern» (Weißenburg 1833).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 748Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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