Elm oder Elmwald, eine breite Platte auf der Nordseite des Harzes, welche sich etwa 7 km parallel mit der Achse von Schöningen im SO. von Abbenrode, zwischen Braunschweig und Königslutter, etwa 22 km weit erstreckt und höchstens 8 km Breite hat. Dieser Rücken aus horizontalen Muschelkalkschichten hat beim 165 m hohen Brunsleberfelde eine Einsenkung, durch welche die alte Straße von Schöppenstedt nach Helmstedt führt; —— erhebt er sich bis zu 290 mhohen Kuppen. Der Kuksberg bei Luklum erreicht 292 m ache Die an Wasser und Bewohnern arme Hochäche bedeckt prachtvoller Buchenwald. Elm, Pfarrdorf im schweiz. Kanton Glarus, liegt 982 m über dem Meere, 16 km südsüdöstlich von Glarus in der Oberstufe des Sernf⸗- oder Kleinthals, welches hier einen breiten, von den Firn- und Felshäuptern der Sardonagruppe (Piz Segnes 3102 m), des Vorab 3021 m, des Hausstocks 3152 m und der Freiberge (Kärpf 2797 m) umschlossenen Thalkessel bildet, und ist mit der Station Schwanden der Nordostbahnlinie Glarus-Linththal durch eine 13 Em lange Poststraße, mit dem bündnerischen Vorderrheinthal durch die rauhen Bergpfade über den Panixerpaß (2407 m) und den Segnespaß (2635 m) verbunden. Früher ein stilles idyllisches Alpendorf, vom Verkehr abgelegen, erst in neuerer Zeit seiner großartigen Bergumgebung wegen von Touristen häusiger besucht, ist E. in weitern Kreisen durch den furchtbaren Bergsturz bekannt geworden, der 11. Sept. 1881 einen Teil des Dorfs begrub. Vor der Katastrophe bestand die Gemeinde E. aus dem Pfarrdorfe am linken Ufer des Sernf und zahlreichen über den Thalgrund und die Bergterrassen zerstreuten Weilern und Höfen, von denen Unterthal und Eschen auf der rechten Waridor Müsli auf der linken unterhalb des Pfarrdorfs lagen, und zählte (1880) in 118 bewohnten Häusern 1028 meist reform. E. (76 Katholiken), deren Haupterwerbsquellen die Alpenwirtschaft, der Ackerbau und die Arbeit in dem der Gemeinde gehörenden Schieferbruche oder «Plattenbergo waren. Dieser Bruch, seit 1868 im Betrieb, lag etwa 300 müber Unterthal, fast 1 kKm südöstlich von der Kirche, am Nordabfall des Tschingel—⸗ waldes, der als äußerster Ausläufer des Mittagbchs 2417 m bis zur Mündung des Unterthalachs in den Sernf vorspringt. Der bauwürdige Tafelschiefer, von einer mächtigen Schicht wilder, d. h. unbrauchbarer 1* überlagert, wurde im Tagebau ausgebeutet. Nachdem schon mehrmals die unterhöhlte Schieferdecke teilweise a dine Tarwar, bildete sich 1876 über dem Bruch eine klaffende Spalte, der Große Chlagg v, die 1880 und 1881 immer weiter und länger sich öffnete, bis sie endlich fast den ganzen Abhang quer durchsetzte. Daß hier eine ung unvermeidlich war, wußte man, glaubte jedoch, dieselbe werde wie gewöhnlich allmählich durch Abbröckelung der gelockerten Felsmassen erfolgen. Die außerordentlich starken Regen der letzten August⸗ und der ersten Septembertage 1881 führten aber die Katastrophe plötzlich und in ungeahnter Größe und 0t. Hatten ieit herbei. Schon vom 7. bis 10. Sept. hatten mehrere Steinschläge stattgefunden, am 11. vormittags wurde die Bewegung stärker und nachmittags um 5 Uhr 15 Min. trat der erste große Sturz ein, welcher, ohne Menschenleben zu kosten den Plattenberg und die am Bergfuße gelegenen Scher fermagazine bedeckte; 17 Minuten später folgte der zweite, größere Sturz, verschuttete den Weiler Unterthal und tötete 10—13 Menschen. Alle übrigen Opfer der Katastrophe wurden von dem Hauptsturz erschlagen und begraben, der um 5 Uhr 36 Min. eintrat. Durch die vorangegangenen Stürze ihrer letzten apder beraubt, brach die ungeheuere Schieferwand über dem Plattenberg mit einem mal zusammen, die berstenden Felsmassen prallten auf die kleine Bergterrasse des ruchs, wurden von dieser als dichte Stein⸗ und Staubwolke in ungeheuerm Bogen über die Trümmer der beiden ersten Wand hinaus an die nördlich gegenüberliegende Wand des Dünibergs geschleudert und ergossen sich endlich, von diesem nach Nordwesten abgelenkt, als mächtiger kompakter Trümmerstrom, die Weiler Eschen und Müsli verschüttend, pfeilschnell durch den fast ebenen Thalgrund hinaus, bis die zunehmende Reibung, 1 km unterhalb der Kirche, den Strom zum Stillstehen brachte. Der Winddruck, der dem Hauptsturz unmittelbar vorausging, war so stark, daß mehrere Menschen vom Boden aufgehoben und streckenweise davongetragen wurden, die Wucht des Sturzes so furchtbar, daß der Trümmerstrom wie eine Brandungswelle am Düniberg 100 m hoch über Unterthal hinaufschlug. Ein schauerliches Dröhnen, Krachen und Knirschen der berstenden, aneinander schlagenden selsmassen, eine dichte schwarzgraue Staubwolke und ein intensiver em Etur: Geruch begleiteten die Katastrophe, die vom Sturz bis zum Stillstande des Trümmerstroms höchstens zwei Minuten dauerte. Die verwüstete Fläche, Abriß⸗, Weg⸗ und Ablagerungsgebiet zusammen, mißt 89,5 ha, die Masse der herabgestürzten Felsmassen wird auf 10 Mill. ebm, die mittlere Sturzhöhe 0 450 m geschätzt. Der Trümmerstrom, vom Bergfuß bis ans Ende fast 1500 m lang, 4—500 m breit, ist 10—20 m, im Unterthal bis 40 m mächtig und enthält zahlreiche Blöcke von über 1000 ebm Inhalt und Über 3000 t Gewicht. Von den 115 Menschen, die von dem Bergsturz getötet wurden, waren 78 Erwachsene und 37 Kinder. Die angesichts der vielen Vorzeichen der Gefahr große Zahl der Opfer erklärt sich daraus, daß nach dem ersten Sturze viele Männer des Pfarrdorfs nach Unterthal zur Hilfe eilten und dort von dem folgenden Sturze erschlagen wurden; andere wurden auf der Flucht, zum Teil hoch oben am Düuniberg von den Felstrümmern ereilt, in Eschen und im tüsli endlich glaubte man sich weit ab von jeder Gefahr. An Gebäuden wurden 83 worunter 22 Wohnhäuser. Sehr beträchtlich ist auch der Schaden an verlorenem Ackerland, zerstörtem Walde, weggerissenen Brücken, Straßen, Dämmen u. s. w. Dem 1 und seinen uflüssen, die vom Trümmerwall aufgestaut den halgrund zu versumpfen drohen, müssen neue Betten gegraben werden. Im Gemei beträgt der materielle Schaden, den Staat, emeinde und Private erlitten haben, etwa 1400 000 Frs., wovon etwa 1 Mill. Frs. durch Liebesgaben gedeckt worden sind. Die Gefahr für E. ist aber noch nicht vorüber; innerhalb des vom „Großen Chlaggo abespaltenen Abrißgebietes ist ein verwitterter Felstock, der Risikopf, stehen geblieben und droht das bisher verschonte Pfarrdorf zu verschütten. Nach einem mißlungenen Versuche, denselben durch Beschießung zum Einsturz zu + wurde der Felskopf unter Beobachtung gestellt, und man glaubt annehmen zu dürfen, derselbe werde ohne Gefährdung des Ffarrdorfs allmählich abbröckeln. Nächst den Bergstürzen von Biasca (1512), MPworne (1584), Plurs (1618), Goldau (1806) ist derjenige von E. der größte und verderblichste der Schweizeralpen in der neuern Zeit. Vgl. Buß und Heim, Der Bergsturz von E.» (Zür. 1881).