Hamlet, ein sagenhafter dän. Prinz, der in alten Chroniken und besonders bei Saxo Grammaticus erwähnt wird, ist durch Shakspeares tiefsinnige Tragödie allbekannt geworden. Er soll 500 v. Chr. gelebt haben, nach einigen auf Seeland, wo man selbst noch den Bach zeigt, in welchen sich Ophelia gestürzt, nach andern in Jütland. Auch die Namen der in dieser Sage auftretenden Personen lauten sehr verschieden. Der Gang der Ereignisse ist so ziemlich derselbe wie bei Shakspeare, doch ist der Schluß ein anderer. Der Sage nach vermählt sich H. mit der schott. Prinzessin Hermutrude, unterliegt aber als jütländ. Unterkönig dem Dänenkönige Viglet auf einer Heide in Jütland, welche später die Hamletsheide genannt wurde, worauf Hermutrude ihr Versprechen, mit H. jedes Schicksal und selbst seinen Tod teilen, bricht und sich mit dem Dänenkönige Viglet vermählt. Mit diesem Stoffe, der schon vor . Daßn⸗ (vielleicht von Thomas Kyd) auf die engl. Bühne gebracht worden zu sein scheint, Gal der große Dichter mit enialer Willkür frei geschaltet, um eine Tragödie herzustellen, welche, allenfalls mit Ausnahme des roh skizzirten Faustus v von Marlowe, die erste war, in der philos. Fragen und metaphysische Spekulationen zur Sprache kamen. Der erhabene Geist Shakspeares hat sich hier in einem Grade wie in keiner andern seiner Tragödien der modernen Skepde und der tiefern Räthsel bemächtigt, welche in er menschlichen Natur verborgen liegen. Daher hat sich auch die Kritik vorzugsweise mit dieser Tragödie beschäftigt, ohne mit ihr, in der so vieles als bloße Andeutung und unaufgelöster Bruch erscheint, fertig geworden zu sein. Namentlich ist es der Charakter H.s, welcher die Kunst der Ausleger in Anspruch nimmt. Ihm ist jene sinn⸗ und geistreiche, wenn auch nicht in jedem Punkte haltbare kritische Auseinandersetzung in Goethes Wilhelm Meistergewidmet, wodurch die kritische Betrachtung dichterischer Werke und Charaktere zuerst in die höhere Phase einer mehr philos.⸗psychol. Entwickelung und ästhetisch schönen Darstellung trat. Seitdem bildet H. bis auf den heutigen Tag in höherm Maße als irgendein anderes Stück von Shakspeare den Ge-Rommer ästhetisch-kritischer Untersuchungen und ommentare, und zwar mehr noch in Deutschland als in England selbst. Vgl. Werder, Vorlesungen über Shakspeares H.» (Berl. 1875); Struve, 45. Eine Charakterstudie⸗ (Weim. 1876); Baumgart, „Die Hamlet-Tragödie und ihre Kritiko (Königsb. 1877); Zinzow, Die Hamlet-Sage an und mit verwandten Sagen erläuterte (Halle 1877); Moltke, Shakspeares Hamlet-Quellen » (Lpz. 1881).