FeedHangematte oder Hängematte
VerkehrBrockhaus 1882

Hangematte oder Hängematte, in der Seesprache eine Art Bett der Matrosen, welches aus einem 2mnlangen und Im breiten, mit einer Leine eingefaßten Stück Segeltuch besteht und an seinen schmalen Enden durch viele dünne Leinen, die 1 in einem Ringe vereinen, zwischen den Balken des Verdecks aufgehängt wird. Dem in diesem Tuche Liegenden werden so die Schwankungen des Schiffs durch das sich immer herstellende Gleichgewicht weniger fühlbar gemacht. t uirbiin aber werden sie auf Kriegsschiffen benutzt, um bei dem ohnehin sehr beschränkten Raume und der großen Mannschaft Platz zu gewinnen, den feste Bettstellen sehr beengen würden. Nur für Offiziere, Deckoffiziere und Kranke werden die letztern geliefert. Die Hängematten werden in Zwischenräumen von 0,5 m nebeneinander aufgehängt, sodaß, wenn sie sämtlich besetzt sind, die Schlafenden eng aneinander gepreßt liegen. Da jedoch die Mannschaften in zwei sich einstundlich ablösende Wachen geteilt sind, hat man die Einrichtung getroffen, daß ihre Hängematten stets wechseln. Der schlafende Mann hat deshalb an jeder Seite stets eine leere H. neben sich und gewinnt dadurch den doppelten Raum, d. h. 1 m. Die H. werden bei Tage zusammengeschnürt und in einem um die obere Verschanzung des Schiffs laufenden Kasten, die Finknetzen, verstaut. Bei ——— Wetter liegen sie offen, sodaß sie Luft und icht haben, bei schlechtem deckt man sie mit geteertem Segeltuch, den Finknetzkleidern, zu. Es gehört zu dem guten Aussehen eines Kriegsschiffs, daß die mit einer Roßhaarmatrahe und einer wollenen Decke ausgestatteten H. in den Finknetzen gleichmäßig gerollt und gepackt sind, sehr rein gehalten werden und als möglichst weiße Linie oben den Rumpf des Schiffs abschließen. In frühern Zeiten bildeten die Finknetzen mit den H. im Gefecht einen wirksamen Schutz der Mannschaften gegen Kleingewehr⸗ und Kartätschfeuer des Feindes und auch wohl gegen dessen Vollkugeln; in neuerer Zeit ist jedoch die Durchschlagskraft der Geschosse so gewachsen, daß jener Zweck nur noch unvollkommen erreicht wird. In warmen Ländern, namentlich in Ost- und Westindien, hat man auch auf dem Lande H., welche zu Hause an besonders dazu zugerichteten Pfählen, auf Reisen aber meist zwischen Baumästen aufgehängt werden und vor dem kriechenden Ungeziefer sichern. Sie sind häufig aus gefärbten Grasleinen gewebte Netze und werden auch als Sänfte benutzt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 815Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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