Harlem oder Haarlem, Stadt in der niederl. Provinz Nordholland, 17 km im W. von Amsterdam, an der Eisenbahn Rotterdam-Amsterdam, die hier nach Uitgeest abzweigt, unweit des frühern, nach ihr benannten Harlemer Meers (s. d.), am Spaarne oder 7 der durch sie hindurchfließt und durch Kanäle mit Amsterdam und Leiden in Verbindung steht, hat (1883) 42082 E. und ist der Sitz des Gouverneurs der Provinz Nordholland, eines röm.⸗katholischen und eines jansenistischen Bischofs, eines Bezirks⸗, Kantonal⸗ und Handelserichts, mehrerer Provinzialbehörden und wissenschafllicher Gesellschaften. Die sehr reinlichen, von vielen Kanälen durchschnittenen Straßen sind ast durchgehends mit Bäumen besetzt. Auf dem karkte befindet sich seit 1856 das 4 m hohe eherne Standbild des hier geborenen Coster (s. d.), des vermeintlichen Inen 5 der Buchdruckerkunst. Unter den 15 Kirchen, darunter neun katholische, fünf reformierte und eine lutherische, zeichnet sich die Kathedrale oder die reform. Groote Kerk (St. Bavo) aus, welche zu Ende des 15. Jahrh. erbaut wurde. Dieselbe hat einen 1516 aufgeführten, 80 m hohen, durchsichtigen Glockenturm mit Spielwerk und eine weltberühmte, 1735—38 aufgestellte 6501 mit 4 Klaviaturen, 8000 Metallpfeifen und 68 Registern. Bemerkenswert ist auch der Prinzen-Pre jetzt Versammlungsort der Abgeordneten der rovinz Nordholland, mit der Stadtbibliothek und einer Zeichenschule, das Stadtgefängnis, das alte Rathaus, früher Palast des Grafen von Holland, mit einer Gemäldesammlung und einer kostbaren Sammlung der ältesten Druckwerke. Nächst der 1752 gestifteten Akademie der Wissenschaften mit ihrem reichen Naturalienkabinett, einem Gymnasium, einer klinischen Schule, sowie dem berühmten königl. Schullehrerseminar sind noch zu erwähnen: die Teylersche lur Al welche eine Armenanstalt, eine Gesellschaft für Theologie, Naturkunde und Kunst, eine bedeutende Sammlung physik. Instrumente, eine schöne Bibliothek, andere reiche Sammlungen und eine Sternwarte umfaßt, und die Societät zur Verbesserung der Fabriken. Ferner besitzt die Stadt eine Menge Wohlthätigkeitsanstalten für alte Leute (Hotjes), zwei Schauspielhäuser, zwei Privatgemäldesammlungen, die angeblich älteste Buchdruckerei der Niederlande, mit reicher Bibliothek und Schriftgießerei. H. war früher eine durch Industrie sehr blühende Stadt. Doch ihre sonst so berühmten Fabriken in Seide, Leinwand, Zwirn u. s. w. sind herabgekommen, ihr Blumenhandel aber noch sehr bedeutend. Von einiger Wichtigkeit sind noch die Rotfärberei, Baumwollbleicherei und Druckerei, Baumwollspinnerei, Maschinenweberei und Kautschukfabrikation. „Die Stadt war schon um die Mitte des egen 9olein wohlhabender Ort, der an den Kriegen Hollands mit den Westfriesen bedeutenden Anteil nahm. Sie wurde 1492 durch die insurgierten nordholländ. Bauern, das Käse⸗ oder Brotvolk barerl. eingenommen, bald nachher aber von dem aiserl. Statthalter, dem Herzog Albrecht von Sachsen, wieder erobert, aller 1al. Dei beraubt und mit drückenden Steuern belegt. Bei dem Aufstand der Niederlande im 16. Jahrh. trat H. 1572 auf die Seite der Verbündeten, mußte sich aber 13. Juli 1573 nach einer siebenmonatlichen Belagerung, Lufuhru welcher Männer und Weiber (letztere unter Anführung der kühnen Witwe Kenau Hasselaer) gleiche Proben von Ausdauer, Mut und Tapferkeit ben, an Albas Sohn, Friedrich, ergeben, der ierauf eine furchtbare Rache nahm. Nachdem 1577 der Prinz von Oranien die Stadt wieder genommen, blieb sie seitdem dauernd mit den Niederlanden vereint. Ihre höchste Blüte erreichte sie im 17. Jahrh.; allmählich aber fing ihr Wohlstand an zu sinken. Keine niederländ. Stadt hat in ihren Umgebungen mehr Pracht und Reichtum aufzuweisen als H. Ein reizender Aufenthaltsort ist der große Harlemer Busch oder das Harlemmer 5040 (Holz) mit prächtigen Buchenalleen, Parks, Gesellschaftshäusern u. s. w. Unweit im Nordwesten liegt dort das Overveen und nördlicher das parkähnliche Dorf Bloemendaal (Blumenthah), beide an der Rückseite der Nordseedünen und berühmt durch ihre Blumengärten oder Blumenschulen.