FeedHarpyien
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Harpyien hießen bei den Griechen (und hernach bei den Römern) mythische Wesen von räuberischer Natur, welche ursprünglich Personifikationen stürmischer Winde waren. In der Ilias, nach welcher die H. Podarge von Zephyros die windschnellen Rosse Achills gebiert, heißt es von RNach daß sie Sterbliche zu den Erinyen entraffen. Nach Hesiod, bei dem sie Aéllo und Okypete heißen, sind sie Töchter des Thaumas und der Elektra, Schwestern der Iris, geflügelt und schneller wie der Wind. In der Geschichte des Phineus erscheinen sie als grauenerregende Wesen, welche die Speisen desselben rauben oder beschmutzen, ein Bild der Verwüstungen, die die Winde anrichten. Virgil, bei dem die eine der H. Celäno heißt, setzt ihre Wohnung auf die Strophadischen Inseln, bis wohin sie nach Apollodor die Söhne des Boreas verfolgt hatten, in einer andern Stelle an den Eingang der Unterwelt. Die H. werden gewöhnlich als geflügelte Frauen geschildert und dargetellt. Virgil beschreibt sie als Vögel mit fahlen enschengesichtern. Derartige, aber nicht so grauenhaft wie bei Virgil aufgefaßte Wesen erscheinen an einem lykischen Grabdenkmal, dem sog. Harpyienmonument von Xanthos im Britischen Museum. Dieselben haben in den Armen Kindern ähnliche Wesen, welche die Seelen oder Schatten Verstorbener darzustellen scheinen. (S. Tafel: Bildnerei II, Fig. 2.) Doch ist es ungewiß, ob man diesen Wesen den Namen H. mit Recht gegeben hat.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 861Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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