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Sagen & MythenBrockhaus 1882

Gorgo heißt in der griech. Mythologie ein weibliches Ungetüm, dessen grauenvolles Haupt schon Homer erwähnt, in der Ilias als auf der Agis befindlich, in der Odyssee als in der Unterwelt weilend. Während aber bei Homer, wie auch bei Euripides, demzufolge sie von der Erde geboren und von Athena erlegt wurde, nur von einer G. die Rede ist, kommt bei Hesiod schon die Dreizahl der Gorgonen vor, Stheino oder Stheno, Curyale und Medusa, Töchter des Phorkys und der Keto, deren Aufenthalt er jenseit des westl. Oceans versetzt; nach Spätern, wie Herodot und andern, ist ihr Wohnsitz Libyen. Sie werden dargestellt als geflügelte Wesen mit übermäßig großem Kopfe, die Zunge herausgestreckt, die Zähne fletschend, oft mit Schlangen am Kopfe oder Leib oder Händen. Apollodor beschreibt sie als geflügelte Jungfrauen mit ehernen Klauen und Eberzähnen, und außerdem mit Schlangen um den Kopf. Von ihnen war Medusa, vorzugsweise G. genannt, die furchtbarste, deren schlangenhaariges Haupt auf der Agis der Athena sich befunden und versteinernde Kraft gehabt haben soll. Medusa war allein unter den drei Schwestern sterblich, weshalb ihr auch Perseus den Kopf abschlagen lonnte. Aus ihrem früher von Poseidon befruchteten Blute entsprangen, als ihr Perseus den Kopf abschlug, Chrysaor und Pegasos. Dieser Kopf spielt in der Mythe die bedeutendste Rolle; er versteinerte alles, was ihn erblickte oder berührte. Er wurde unzähligemal gebildet, lange in der beschriebenen abschreckend häßlichen Gestalt, später, nachdem schon Pindar die Medusa als schön geschildert hatte, als schönes, aber grauenvolles Gesicht regelmäßig mit Flügeln oben am Kopf und Schlangen in den Haaren und um Wangen und Kinn. Über die Deutung der Mythe sind schon von den Alten verschiedene Ansichten aufgestellt worden. Roscher hat in „Die Gorgonen und Verwandtes v (Lpz. 1879) zu erweisen gesucht, daß der G. Medusa nicht, wie die meisten annehmen, die Anschauung des Mondlichts zu Grunde liege, sondern daß die

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 202Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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