FeedHartmann (Jul. von)
GeschichteBrockhaus 1882

Hartmann (Jul. von), preuß. General der Kavallerie, geb. 2. März 1817 zu Hannover, wo sein Vater, Sir Georg Julius von H., einer der eifrigsten Kämpfer in der Deutschen Legion und dem Heere des Herzogs von Wellington, damals Oberst, später Generallieutenant und Kommandeur der hannov. Artilleriebrigade war. H. trat 1834 in Aschersleben in das „% 10. Husarenregiment ein, wurde 1835 zum Offizier ernannt und war später zur Allgemeinen Kriegsschule (1839—42), zum Topographischen Bureau (1844 47) und zum Großen Generalstabe (1. April 1847) kommandiert. Als Hauptmann nahm er 1849 am Feldzuge in Baden im Generalstabe und insbesondere an den Gefechten von Kirchheim-Bolanden, Wiesenthal, Neudorf, Durlach und Kuppenheim teil. Bis zum April 1850 befand sich H. im Auftrage des preuß. Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten in Schleswig-Holstein. Im Okt. 1850 trat er als Generalstabsoffizier zu dem bei Kreuznach versammelten Korps und Febr. 1851 zum Stabe des Generals von Wrangel. Nach mehrjähriger Dienstleistung bei diesem wie im Großen Generalstabe, während welcher H. 1853 zum Major befördert und 1853—55 als Lehrer der Taktik an der Vereinigten Artillerie⸗ und Ingenieurschule thätig war, folgten nun Jahre des Truppendienstes beim 3. Ulanen⸗, dem Gardekürassier⸗ und dem 2. Dragonerregiment, das H. als Oberstlieutenant bis 1858 befehligte. Nach Ernenrol des Generals von Bonin zum Kriegsminister erfolgte H.s Berufung als Chef der Abteilung für Armeeangelegenheiten in das Allgemeine Kriegsdepartement. Im Juni 1860 wurde er Chef des Generalstabes beim 6. Armeekorps. Am 1. Juli 1860 zum Obersten befördert, erhielt er Jan. 1863 das Kommando der 9. Kavalleriebrigade, an deren Spitze er bis zum Mai 1864 den Befehl über den 1. und 2. Militärgrenzbezirk gegen die poln. Insurgenten an der preuß.⸗russ. Grenze führte⸗ Am 18. April 1865 wurde H. zum Generalmajor befördert und zum ersten Kommandanten von Koblenz und Ehrenbreitstein ernannt, und übernahm während des Deutschen Kriegs von 1866 auf drei Monate den Befehl über die Kavalleriedivision der preuß. Zweiten Armee, mit der H. an den Kämpfen von Königgrätz, Tobitschau und Rockeinitz teilnahm. Nach Beendigung des Feldzugs kehrte er nach Koblenz zurück, wurde April 1867 Generallieutenant und Mai 1867 militärischer Bevollmächtigter in München. Am 21. April 1868 erhielt H. das Kommando der 2. Division in Danzig und beim Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870 und 1871 den Befehl über die 1. Kavalleriedivision. Diese führte der General in den Schlachten bei Colombey —Nouilly und Gravelotte und dann bis Ende September vor Metz. Nachdem er vorübergehend die Einschließungstruppen vor Diedenhofen befehligt, rückte H. Ende Oktober unter dem Prinzen Friedrich Karl nach der Loire ab, nahm 28. Nov. an der Schlacht bei Beaune la Rolande teil, deckte während der Kämpfe bei Orleans den linken Flügel der Armee und wurde dann in Eilmärschen nach dem rechten Flügel gegen Vendöme geworfen; 15. Dez. führte H. selbständig ein hartnäckiges Rekognoszierungsgefecht bei Coulommiers. Dem 10. Korps zugeteilt, führte H. die Gefechte bei Villechauve und Chäteau⸗-⸗Renault und besetzte 19. Jan. 1871 Tours. Die Division rückte nach Abschluß der Friedenspräliminarien zur Südarmee nach Dijon und später nach Vesoul ab, wo sie Ende Mai aufgelöst und H. zum Gouverneur von Straßburg ernannt wurde. Am 2. Sept. 1873 wurde H. zum General der Kavallerie befördert und 12. Mai 1875 zur Disposition gestellt. H. starb zu Baden-Baden 30. April 1878. Er veröffentlichte 1858 die Memoiren seines 7. Juni 1856 zu Hannover verstorbenen Vaters, sowie 1876 in der Deutschen Rundschauꝰ» Der Deutsch-Französische Krieg, ein kritischer Versuche (späterhin unter dem Titel Kritische Versucher [Berl. 1878] in 3 Heften, deren letztes den Russisch-Türkischen Krieg behandelt, sowie als Buch erschienen) und in den „Zeitfragen des Nach seinem Tode erschien: Lebenserinnerungen. Briefe und Aufsätze des Generals der Kavallerie IJulius von H.v (2 Bde., Berl. 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 871Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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