FeedHindersin (Gust. Eduard von)
GeschichteBrockhaus 1882

Hindersin (Gust. Eduard von), preuß. General der Infanterie und Generalinspekteur der Artillerie, geb. zu Wernigerode am Harz 18. Juli 1804, trat 1820 in die 3. Artilleriebrigade, wurde 1825 in derselben Secondelieutenant, 1830—37 zur Allgemeinen Kriegsschule als Abteilungsadjutant und zur Topograph. Abteilung des Großen Generalstabes kommandiert, hierauf 1842 als Hauptmann in den Generalstab des 1. Armeekorps versetzt und 1846 zum Major im Großen Generalstabe befördert. Dort leitete H. die Topographische Abteilung, bis er im Sommer 1849 bei Eröffnung des Feldzugs gegen die bad. Insurgenten dem unter Befehl des Generals von Peucker vereinigten Bundeskorps zuerst als Generalstabsoffizier, bald danach aber als Chef des Generalstabes beigegeben wurde. Bei Ladenburg wurde er, während er von der Höhe des Stadtturms aus die feindlichen Streitkräfte beobachtete, von den Insurgenten gefangen genommen und nach Rastatt gebracht, vor Übergabe dieses Platzes aber wieder in Freiheit gesetzt. Nach Beendigung des Feldzugs wurde H. zum Generalstabe des 6. Korps nach Breslau, dann 1850 zum 6. und 1854 als Oberstlieutenant und Kommandeur zum 2. Artillerieregiment versetzt. Noch in demselben Jahre zum Obersten und 1858 zum Inspekteur der 3. Aunterteile861 und zum Generalmajor ernannt, erfolgte 1861 seine Beförderung zum Generallieutenant und 1864 die Ernennung zum Inspekteur der 2. Artillerie-Inspektion in Berlin. Im Kriege gegen Dänemark wurde H. die Oberleitung des Artillerie- und Genieangriffs gegen die Düppelstellung übertragen. In Anerkennung seiner Dienste wurde H. in den Adelstand erhoben. Bereits im April 1864 zum zweiten Generalinspekteur der Artillerie ernannt, wurde H. noch im Dezember desselben Jahres alleiniger Generalinspekteur dieser Waffe zu einer Zeit, in welcher die durchgreifendsten Bewaffnungs-, Organisations⸗ und Ausbildungsfragen die preuß. Artillerie bewegten. Noch ehe die von H. angebahnten Fortschritte in Betreff des Artilleriematerials zur Durchführung gelangt waren, brach der Deutsche Krieg von 1866 aus, welchem H. im Hauptquartier des Königs beiwohnte. Nach dem Frieden entwickelte er eine sehr erfolgreiche Thätigkeit zur Abstellung der im Kriege hervorgetretenen Mängel und errichtete insbesondere die Artillerieschießschule, wirkte auch für schleunige Beseitigung der glatten Feldgeschütze und deren Ersatz durch gezogene Hinterlader. H. wurde 1866 zum General der Infanterie, 1868 zum Mitgliede der Landesverteidigungskommission ernannt und befand sich während des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870 bis 1871 wiederum als erster Artilleriegeneral im Hauptquartier des Kaisers, nahm teil an den Schlachten bei Gravelotte, Sedan und an der Belagerung und Beschießung von Paris. H. starb zu Berlin 25. Jan. 1872.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 247Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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