FeedHartmann (Jak., Freiherr von)
GeschichteBrockhaus 1882

Hartmann (Jak., Freiherr von), bayr. General der Infanterie, geb. 4. Febr. 1795 zu Maikammer in der Pfalz, wurde in den franz. Militärinstituten zu Bonn und St.⸗Cyr erzogen und trat 1811 als Lieutenant in das 1. Regiment des Großherzogtums Berg. Bei der Entwaffnung der Truppen des Rheinbundes 1814 kam H. in das franz. 27. Infanterieregiment und nahm an den Feldzügen 1814—15 gegen die Verbündeten teil, wobei er März 1814 den von Montargis gegen Orleans anrückenden Kosaken mit Erfolg einen Hinterhalt legte, 1815 aber, am Tage von Belle-Alliance, bei Planchenoit den Adler des Regiments rettete. Nach dem zweiten Pariser Frieden trat H. aus franz. Diensten und wenige Monate später als Oberlieutenant 1816 in das bayr. 10. Infanterieregiment ein. Er wurde 1818 zum Topographischen Bureau, 1822 zum Pionierkorps und 1824 in den Generalstab versetzt, aus welchem er 1827 als Hauptmann zum Kriegsministerium übertrat. Nach seiner Beförderung zum Major wurde H. 1842 Adjutant des Kronprinzen, 1848 als Generalmajor Flügeladjutant des Königs und 1849 Brigadekommandeur, als welchem ihm 1854 eine Mission in das Lager von Boulogne zuteil wurde. H. unterbreitete 1860 den deutschen Fürsten eine Denkschrift über die Streitmacht, Angriffs⸗ und Verteidigungsanstalten Frankreichs, eine Arbeit, die ebenso vortrefflich war wie ein 1846 ausgearbeiteter Entwurf ur bayr. Heeresreorganisation und ein aus 1853 nammender zu einem neuen Infanteriereglement von ihm. Im J. 1861 zum Generallieutenant befördert, führte er 1866 die 4. Infanteriedivision, mit welcher er 4. Juli selbständig das Gefecht bei Roßdorf gegen die preuß. Brigade des Generals von Wrangel lieferte, dessen Ausgang zwar unglücklich war, aber für die Tapferkeit H.s glänzendes Zeugnis ablegte. Am Gefecht von Kissingen nahm H., obwohl seine Division nur 12 Km vom Schlachtfelde stand, nicht teil, weil das Oberkommando ihn zu spät herbeirief, dagegen war er bei der Beschießung von Würzburg 27. Juli mit beteiligt und lieferte tags zuvor bei den Hettstädter Höhen ein Reitergefecht. Im J. 1867 zum Inhaber des 14. Infanterieregiments ernannt und 1869 zum General der Infanterie befördert, führte H. in dem Feldzuge 1870—71 gegen Frankreich das 2. bayr. Armeekorps. Am 4. Aug. erstürmte H. Weißenburg und veranlaßte zwei Tage darauf durch sein energisches Vorgehen auf dem rechten Flügel des deutschen Heers den Beginn der vom Oberkommando erst für den nächsten Tag beabsichtigten siegreichen Schlacht bei Wörth, in welcher H. Fröschweiler, den Bahnhof von Reichshofen und endlich Niederbronn nahm. Am 14. zwang H. die Festung Marsal zur übergabe und in der Schlacht bei Sedan 1. Sept. nahm eine seiner Divisionen das Dorf Balan, während die andere bis an den Fuß des Glacis der Festung vordrang, deren Citadelle H.s Korpsartillerie beschoß; 16., 17. und namentlich 19. Sept. errang er bei Corbeil und Petit-Bicétre die ersten Erfolge vor Paris und eroberte das durch vier Divisionen unter General Ducrot verteidigte Plateau Moulin de la Tour (Chätillon). Der König von Bayern erhob ihn 1871 in den erblichen Freiherrenstand. Nach Beendigung des Kriegs Eeorn H. das Generalkommando des 2. bayr. Armeekorps in Würzburg und starb 23. Febr. 1873. Ihm zu Ehren führt durch königl. Armeebefehl vom 20. Febr. 1884 ab das Fort II vor Ingolstadt den Namen Fort Hartmann.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 870Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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