FeedHausschwamm
PflanzenreichBrockhaus 1882

Hausschwamm (Holzschwamm, Thränenschwamm), ein gefährlicher Pilz, welcher nicht nur alles Bauholz, sondern ganze Häuser zu zerstören vermag und außerdem der Gesundheit der Menschen durch seine Ausdünstungen höchst nachteilig ist, gehört der Ordnung der Hymenomyceten an. Sein besonderer Name ist Merulius destruens (auch lacrimans). Er unterscheidet sich von der verwandten Gattung der Löcherpilze (Po-Iyporus) dadurch, daß auf der obern Fläche des dünnen, fleischigen, ungestielten Hutes sich statt der Löcher vieleckige Falten (daher auch Faltenschwamm) befinden, welche auf kleinen au Haner. die mikroskopischen Sporen tragen. Sein Mycelium überzieht unter gewissen Entwickelungsbedingungen alles Holzwerk mit außerordentlicher Schnelligkeit und Hahru⸗ durch das Aufsaugen der ihm notwendigen Nahrung die physische und chem. Beschaffenheit des Holzes vollständig. Diese Bedingungen, unter denen sich der H. am raschesten entwickelt, sind Mawtißtoit Abschluß und Stagnation der Luft, Mangel an Licht und eine gewisse ärme. Man findet ihn daher am häufigsten unter den Dielen und Lagerhölzern der Erdgeschosse, an Grundschwellen von Fachwerkswänden, in Kellern mit Holzeinbauten und überall da, wo Holzwerk in unmittelbarer Berührung mit dem feuchten Erdboden steht. Zuerst entstehen kleine weiße Punkte, die allmählich zu schleimigen Flecken oder zartwelligen Anflügen zusammenfließen und dann sich zu einem silberweißen, spinnwebartigen Gespinst ausbilden. Im weitern Verlaufe wird dasselbe dicker, faseriger oder blätterig, aschgrau und seidenartig glänzend oder violett sich färbend; dabei breiten sich die feinen Myceliumfäden an den Rändern immer 900 aus, durchdringen alle Spalten und Ritzen, selbst die Fugen des Mauerwerks, um alles benachbarte Holzwerk zu erfassen. In der Tiefe unter dem Einfluß der Luft tritt der Schwamm in viel derbern, dickern, faserigen oder strahlig geschichteten Massen auf, aus deren Rändern eine übel riechende und übel schmeckende Flüssigkeit tropfenweise heraussickert. An der dem Lichte ausgesetzten Oberfläche von Holzwerk erscheint der Schwamm unter der Form dicker, schüsselförmiger Gebilde mit weißflaumigen Rändern, aus denen bei feuchter Luft ebensolche Tropfen hervordringen. Diese bei Berührung erst rot, dann braun, zuletzt schwarz werdende, sehr feuchte Form bildet den Fruchtträger von fleischig-lederartiger Beschaffenheit und oft bunter Färbung mit dem aus trichterförmigen eckigen Düerärresn bestehenden Hymenium auf seiner Oberfläche, aus dem sich die bei ihrer Reife zimtbraun gefärbten Sporen entwickeln. An den von ausgesogenen Stellen des Holzes stirbt der Schwamm ab; das zerstörte Holz erscheint durch zahlreiche Querrisse geborsten und zerbröckelt, es ist dunkelbraun gefärbt, trocken und leicht zerreibbar und sieht wie halb verkohlt aus. Bei dem mit Olfarbe angestrichenen Holze erkennt man den H. an einzelnen zerstreuten schwarzen Punkten, sowie an dem Bersten und Werfen der Sberfläche, mitunter aber erst durch das Nachgeben beim Auftreten oder Aufdrücken oder durch den Bruch von Dielenbrettern. Der H. ist, wenn er sich einmal eingenistet hat, sehr schwer zu vertreiben. Zunächst muß alles von ihm ergriffene Holzwerk weggenommen und mit dem ihm umgebenden Erdreich, Schutt u. s. w. beseitigt werden. Die wenigsten der für die Vertilgung des H. in Vorschlag mancher künstlichen Mittel erreichen ihren Zweck; manche, wie z. B. Quecksilbersublimat, sind nur mit größter Vorsicht oder, wie starke Säuren, nur verdünnt anzuwenden. Die geeignetsten Mittel zur Verhütung des H. sind: sorgfältige Auswahl des Holzes, rechtzeitiges Fällen, nicht zu rasche Verwendung, gute Austrocknung, Abhaltung humosen Erdreichs, Schuttes u. s. w. vom Holze, Umfüttern mit trockenem Material, Freilassen des Holzwerks, beziehungsweise Vermeiden des Einmauerns, Entfernung der Feuchtigkeit aus dem Grunde, namentlich aber eine kräftige Ventilation des Holzwerks. Außerdem verhüte man, nicht ganz gut ausgetrocnete Hölzer, Dielen u. s. w. zu zeitig mit deckenden Anstrichen und überzügen zu versehen. Verschieden vom H. ist der Mauerschwamm oder Mauerfraß (s. d.). Vgl. Dorn, „Der Gebäudeschwamm 5 (2. Aufl., Weim. 1870); Zerener, 4Beiträge zur Kenntnis und zur Vertreibung des H.y (Magdeb. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 911Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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