Leventina (Valle), deutsch Livinenthal, heißt das Thal des Ticino im schweiz. Kanton Tessin, von der Vereinigung der beiden Quellflüsse unweit Airolo bis zur Mündung des Brenno bei Biasca. Das Thal ist 36 m lang, an der Sohle höchstens 1 kmebreit, nach SO. gerichtet und wird rechts von der östl. Hauptkette der Tessiner-Alpen mit dem Campo Tencca (3075 m), der Cima Bianca (2620m) u. s. w., links von einem Ausläufer der Gotthardgruppe umschlossen, der sich von Val Piora bis Biasca vorschiebt und im Pizzo Lucomagno (2778 m) gipfelt. Durch die Schluchten Stretto di Stalvedro, Dazio grande und Biaschina, welche der Ticino in Wasserfällen und Stromschnellen durchbricht, zerfällt die L. in die Thalstufen von Airolo (1167 m), Ambri (981m), Faido (724 m) und Giornico (404 m), von denen die beiden obern nordisch alpinen Charakter tragen, während in den untern die Rebe und die Edelkastanie gedeihen. Die wichtigsten Ortschaften des schönen, von vielen Wasserfällen geschmückten Thals sind Airolo, Waen und Giornico, alle an der Gotthardbahn gelegen. Der Bezirk Leventina, welcher außer dem eigentlichen Levinenthal auch das Bedrettothal und Seitenthäler Val Piora, Val Piumogna, Val Chironico u. s. w. umfaßt, zählt 1880) auf 442 cEm 15093 meist kath. und ual. E., deren Haupterwerbsquelle, die Alpenwirtschaft, in den untern Stufen mit Feld⸗, Wein⸗ und Obstbau und Seidenzucht verbunden ist. Hauptort ist Faido. Im Mittelalter gehörte die L. zu Mailand und kam, nachdem sie schon 1331 und 1402 vorübergehend von den Urnern besetzt worden war, 1441 an Uri, dessen Vögte zu Faido residierten und 1755 einen Aufstandsversuch der Liviner blutig unterdrückten. Erst beim Umsturz der alten Eidgenossenschaft 1798 wurde die L. frei und kam an den Kanton Bellinzona der Helvetischen Republik und von diesem 1803 durch die Mediationsäte an den neugeschaffenen Kanton Tessin. Lever hieß in der franz. Hofetikette des 17. und 18. Jahrh. die Morgenaudienz, die der König nach (dem Aufstehen in seinem Schlafzimmer erteilte.