Faido, deutsch Pfaid, Hauptort des Bezirks Leventina (Livinen) des schweiz. Kantons Tessin, liegt 717 müber dem Meere, 19 km nordwestlich von Biasca, ud dem linken Ufer des Ticino an der Gotthardstraße und ⸗Bahn. Der Flecken, dessen Häuser ein eigentümliches Gemisch schweizerisch-alpiner und ital. Bauart darbieten, besitzt eine schmucke moderne Kirche, ein Kapuzinerkloster und ein stattliches, 1772 erbautes Gerichtshaus (Pretorio), in welchem vor 1798 die urnerischen Landvögte der Leventina residierten, und zählt (1880) 1326 E., meist ital. Zunge und kath. Konfession, deren Haupterwerbsquellen der Ackerbau, die Alpenwirtschaft und die Seidenzucht sind. Die bemerkenswertesten Punkte der Umgebung, welche die Milde und lppigkeit der ital. Voralpen mit der wilden Großartigkeit der Hochalpen vereinigt, sind die Schlucht von Dazio grande, die sich 1½ Em oberhalb F. öffnet, und dem Flecken gerade gegenüber, auf dem rechten Ufer des Ticino, der schöne Wasserfall, mit welchem die Piumogna aus ihrer vom Piz Campo Tencia (3075 m) beherrschten Schlucht in das Hauptthal heraustritt. aienee, s. Fayence. ailly (Pierre Louis Charles Achille de), franz. General, geb. 21. Jan. 1810 zu Rozoy-sur-Serre Depart. Aisne), trat aus der Militärschule zu St.= Cyr 10. Okt. 1828 als Unterlieutenant in das 35. Infanterieregiment und wohnte 1830 der Einnahme von Algier mit Auszeichnung bei, wofür er zum Lieutenant befördert wurde. Im J. 1837 wurde er Kapitän und diente bis 1841 als Capitaine-adjutant-major im 7. Jägerbataillon, worauf er bei Ludwig Philipp Ordonnanzoffizier, 1843 Bataillonskommandant, 1848 Oberstlieutenant und Kommandant der Militärvorbereitungsschule zu Toulouse wurde. Dort blieb er bis 1850. Nachdem er als Oberst des 20. Infanterieregiments in Algerien sich ausgezeichnet hatte, wurde er beim Ausbruch des Krimkriegs Brigadegeneral, that sich in der Schlacht an der Alma hervor und wurde als Platzkommandant nach Konstantinopel gesandt. Vom 5. Dez. 1854 ab führte er die 2. Brigade der 2. Division der Orientarmee, leitete 7. Juni 1855 den Sturm auf die Weißen Werke von Sewastopol und zeichnete sich 10. Juni beim Angriff auf den Redan aus. Seit 29. Aug. Kommandeur der Garde-Voltigeurbrigade, nahm er am Sturme auf den Malakow teil, wurde Divisionsgeneral und besetzte mit der 4. Division des 2. Armeekorps im Okt. 1855 Eupatoria. Nach der Rückkehr nach Frankreich wählte ihn der Kaiser zum Adjutanten. Im Aug. 1859 erhielt F. den Befehl über die 3. Division des 4. Armeekorps der Armee von Italien. In der Schlacht von Solferino entwickelte er gegen den Feind große Ausdauer. Später stand F. als Präsident an der Spitze des Komitee der dean der und beteiligte sich in hervorragender Weise an der Armeereorganisation unter Marschall Niel und der Einführung des Chassepotgewehrs. Im Okt. 1867 führte er das zum Schutze des Papstes bestimmte Expeditionskorps nach Rom und schlug die Freischaren Garibaldis bei Mentana 4. Nov. 1867. Im Okt. 1869 übernahm F. das Oberkommando in Nancy. Beim Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870—71 erhielt Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VI. er den Befehl über das 5. Armeekorps mit dem Hauptauartier in Bitsch, blieb während der Schlachten von Spicheren und Wörth völlig unthätig, deckte jedoch mit einer Division nach der Schlacht bei Wörth den Rückzug des 1. Korps (Mac-Mahon) und führte sein Korps nach Chälons zurück. Bei dem Vormarsch der neugebildeten Armee unter Marschall Mac-Mahon durch die Ardennen wurde F. 30. Aug. 1870 im Lager von Beaumont vom 4. preuß. Armeekorps überfallen und konnte sich erst hinter diesem Orte, wo er von zwei andern Korps aufgenommen wurde, formieren. Seine Niederlage hielt vorzugsweise den Marsch Mac-Mahons auf und gewährte der Dritten deutschen Armee die zur Umgehung des franz. Heeres erforderliche Zeit. Nach der Schlacht bei Sedan 1. Sept. geriet F. infolge der Kapitulation in deutsche Kriegsgefangenschaft. F. wurde wegen seiner Unthätigkeit während der Schlacht von Wörth, sowie seiner Unvorsichtigkeit bei Beaumont heftig angegriffen und suchte sich in der Schrift MMarches et opérations du 5˙ne Corpso (Brüss. 1871) gegen diese Anschuldigungen zu verteidigen. Nach Wiederherstellung des Friedens ist F. nicht mehr im aktiven Dienste verwendet worden.