FeedLeverrier (Urbain Jean Joseph)
HimmelskundeBrockhaus 1882

Leverrier (Urbain Jean Joseph), einer der bedeutendsten Astronomen des 19. Jahrh., geb. zu St.⸗Lö 11. März 1811, erhielt seine Bildung erst auf dem Collége seiner Vaterstadt, dann auf der Polytechnischen Schule zu Caen. Hierauf kam er nach Paris in das College Louis-le-Grand und gewann den mathem. Preis, sowie die Aufnahme in die Polytechnische Schule zu Paris. Er wurde Ingenieur bei der Tabaksregie, dann Lehrer am Collége Stanislas in Paris, hierauf Repetent an der Volytechnischen Schule, 1846 Professor der Mécanique céleste bei der Faculté des sciences und 1854 Direktor der kaiserl. Sternwarte in Paris. Inzwischen war L. 1846 zum Mitglied der pariser Akademie erwählt worden; 1849 trat er als Abgeordneter seines Geburtsdepartements Manche in die Gesetzgebende Versammlung; 1852 wurde er Senator und Mitglied des Conseil supérieur de FPinstruction publique. Im Jan. 1870 mußte L. als Direktor zurücktreten und Delaunay erhielt die Stelle, doch wurde er im Febr. 1873 nach Delaunays Tode von Thiers wieder eingesetzt. In dieser Stellung starb L. 23. Sept. 1877 zu Paris. Seine ersten Schriften waren chem. Inhalts, wie „Sur les combinations du phosphore, etc.o (1835 u. 1837). — J. 1839 legte er der pariser Akademie seine erste Abhandlung über die Veränderungen der Bahnelemente der sieben Hauptplaneten vor. Er beschäftigte sich 1845 mit der Bewegung des Merkur und auf Anraten Aragos mit der Bewegung des Uranus und fand, daß die Bewegung dieses letzten Planeten nur durch die Annahme eines noch unsichtbaren und unbekannten Planeten erklärt werden könnte. Eine Abhandlung darüber wurde der pariser Akademie im Aug. 1846 vorgelegt, und L. forderte den damaligen Observator der berliner Sternwarte, Galle, auf, diesen unbekannten Planeten an einem bestimmten Orte aufzusuchen. Galle entdeckte 23. Sept. 1846 den neuen, von L. berechneten Planeten, dem einige den Namen «Leverrierv geben wollten, der schließlich aber den Namen Neptun (s. d.) erhalten hat. L. hat die pariser Sternwarte neu eingerichtet und für dieselbe eine Menge neuer und großer Instrumente angeschafft. Von der Thätigkeit der Anstalt geben über 20 Bände Annalen Rechenschaft. Besonders bemerkenswert sind die in denselben Annalen gegebenen neuen Tafeln der Sonne und der Planeten Merkur, Venus, Mars, upiter, Saturn und Uranus, welche die Grundage unserer jetzigen Kenntnis der Planetenbewegungen bilden. Unter seiner Leitung wurden zuerst telegr. Witterungsdepeschen eingeführt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 41Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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