Limosin, s. Limousin. „Limosinen oder Limousinen nennt man die in der franz. Stadt Limoges gefertigten Emailarbeiten. (S. Email.) Man unterscheidet zwei Arten der limosiner Emailarbeiten; die erste gehört dem 13. und 14. Jahrh. an, beginnt aber schon im 12.; die andere gehört vorzugsweise dem 16. an geht aber in das 17. Jahrh. hinüber. Die erstere und ältere Art, die man früher im Gegensatz geger byzant. Email als in Limoges entstanden betrachtete, wurde schon früher in den Rheinlanden, besonders in Köln und Trier, geübt, von wo sie wahrscheinlich nach Limoges kam. Die byzant. Art ist Cloisonné-Email oder Zellenschmelz, welches die Vertiefungen oder Zellen zur Aufnahme des farbigen Glasflusses mit aufgelöteten Metallfäden (gewöhnlich von Gold auf Goldplatte) herstellt, das köln-limosiner Email aber ist Email champlevé oder Grubenschmelz, d. h. die Vertiefungen sind aus dicker Metallplatte, und zwar von Kupfer, mit dem Grabstichel ausgehoben, und die Linien, welche die Emailfarben zu trennen und Contouren und Innenlinien der Zeichnung zu bilden haben, sind stehen geblieben und danach vergoldet. Zuweilen aber bedienen sich die kölner und limosiner Emailkünstler auch der aufgelöteten Cloisons in Verbindung mit ihrem eigentlichen Grubenschmelz, das ohnehin noch verschiedene Varianten bietet. Dieses limosiner Email wurde zu kirchlichem Geräte aller Art angewendet, für Reliquiarien, Tragaltäre, Antependien, Crucifixe u. s. w. Im 14. Jahrh. wurde es verdrängt durch die ital. Art des transluciden Emails auf Reliefplatten von Silber. Mit dem Ende des 15. Jahrh. erhob sich in Limoges die zweite, ganz neue und verschiedene Art des Emails, welche dieser Stadt allein, wie es scheint, eigentümlich blieb. Man bezeichnet sie als «gemaltes Email o. Eine dünne Kupfertafel wird auf einer Seite mit einer schwarzen Emailschicht überzogen; nachdem sie gebrannt, wird auf die Fläche gemalt mit Emailfarben, und diese Farben werden, wiederum eingebrannt, in die Emailschicht eingeschmolzen. Die Rückseite erhält ebenfalls eine Emailschicht, nur aus dem Grunde, damit die Kupfertafel sich nicht wirft. Man nennt sie Contre-Email. Dies ist das Wesentliche. Es gibt aber mannigfache Varianten, die meist nach und nach auftreten und die verschiedenen Perioden bestimmen. Man unterscheidet gewöhnlich deren vier: die erste Periode vor der Blüte, bis gegen 1550; die Gegenstände, meist kleine Platten mit religiösen Gegenständen, sind sehr farbig, zum Teil in Verbindung mit translucidem Email und geschmückt mit perlartigen Emailtupfen, Pailletten genannt, die Zeichnung oft ungenügend. Die zweite Periode, die Blütezeit, um 1550 bis gegen 1580, hat uns noch sehr zahlreiche Gegenstände hinterlassen; es sind Teller, große Schüsseln, Kannen, Schalen, bildartige Tafeln u. s. w. mit mehr weltlichen und mytholog. als religiösen Gegenständen. Die Zeichnung ist vollkommener, die Ausführung aber nur en grisaille auf schwarzem Grunde, oder nur die Fleischteile mit hellem Rot ausgeführt, dagegen mit Gold gehöht und auf Rand und Rückseiten mit schwungvollen Goldornamenten verziert. Diese Gegenstände sind heute außerordentli gesucht und gezahlt. Die dritte Periode nach 1580 und um 1600 ist die der Miniaturen, meist kleine Gegenstände mit sehr feiner, miniaturartiger Ausführung, aber sehr farbig, besonders mit Blau und Grün, sowie mit Gold und mit reichlicher Hinzufügung transluciden Emails, das mit Silber⸗ und Goldfolie leuchtet. Die vierte Art, die mehr zum Grisaille zurückehrt, aber doch Farbe und als Eigentümlichkeit mit Weiß gehöhte Reliefornamente hinzufügt, wird schon als Decadence betrachtet. Sie starb im 17. Jahrh. aus oder machte vielmehr andern Emailarbeiten Platz, die nicht mehr unter den Namen Limoges fallen. Die limosiner Emailkunst des 16. Jahrh. zählt viele berühmte Namen, die man auch vollständig ausgeschrieben oder mit Monogrammen auf ihren Werken findet. Sie malten ihre eigenen Zeichnungen oder benutzten fremde Kompositionen, italienische wie deutsche, die sie den Kupferstichen entlehnten. Auch die Werke Dürers benutzten sie häufig. Die Namen der limosiner Künstler wiederholen sich, sodaß die Emailmalerei förmlich in den Familien erblich blieb. So gibt es für die erste Periode mehrere Penicaud, danach für die zweite und dritte mehrere Limousin, insbesondere des Vornamens Leonard, die Familie der Courteys und de Court; einen vor allen berühmten Namen hatte Pierre Reymond. Die Miniaturart kannte auch eine Malerin Susanne de Court. Dem Verfall dieser Kunstgattung gehört die Familie Laudin an. Vgl. Bucher, «Geschichte der technischen Künster (Bd. 1, Stuttg. 1875); M. Ardant, «Emailleurs Limosinso (Limoges 1858-60).