Lincoln (Abraham), der 16. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, geb. 12. Febr. 1809 in einem Blockhause in Hardin-County im Staate Kentucky, stammte von pennsylvanischen Quäkern ab, welche eine Farm besaßen. L.s Vater Thomas zog, als L. acht Jahre alt, nach Spencer-County in Indiana, wo er bis 1830 blieb. Hier verlebte L. seine Jugend als Ackerknecht, Bootsmann, Holzacker und Ladengehülfe. Im J. 1830 ließ sich die Familie in Macon-County in Illinois nieder. Beim Ausbruch eines Indianerkriegs organisierte L. 1832 eine Kompagnie Freiwilliger und diente als Kapitän in dem kurzen Feldzuge gegen Black-Hawk. Nach seiner Rückkehr eröffnete er einen Kramladen in Neu-Salem, fallierte aber bald und beschloß nun, Advokat zu werden. Im J. 1836 ließ er sich, dürftig vorbereitet, als solcher in der Staatshauptstadt Springfield nieder, wo er sich rasch einen großen Ruf als Verteidiger und in Jurysachen erwarb. Schon 1834 wurde er von den Whigs in die Staatslegislatur gewählt, der er bis 1840 angehörte. Im J. 1847 trat er für Mittel-Illinois in den Kongreß, und hier zeichnete er sich als Verteidiger der Freibodenpolitik und des Wilmot-Proviso aus. Von den im Mai 1860 in Chicago zusammengetretenen Republikanern des ganzen Landes wurde L. zum Präsidentschafts-Kandidaten ernannt und auch 6. Nov. 1860 wirklich gewählt. Alle freien Staaten stimmten für L., mit Ausnahme von New-Jersey, dessen Votum geteilt war. Den Sklavenstaaten diente dieser Umstand als Vorwand, aus dem Bunde auszutreten und den schon vorbereiteten Burgerkrieg zu beginnen. L. reiste 11. Febr. 1861 von Springfield nach Washington ab und mußte bei Nacht verkleidet durch Baltimore eilen, um einem dort auf ihn beabsichtigten Mordanfalle zu entgehen. In seiner 4. März 1861 gehaltenen Antrittsrede suchte er vergeblich den Süden von seinen guten Absichten zu überzeugen. Als 13. April die Streitkräfte von Südcarolina das im Hafen von Charleston gelegene Fort Sumter angriffen, erließ L. 15. April seinen ersten Aufruf für 75000 Freiwillige, und es begann der vierjährige Bürgerkrieg. Indessen faßte L. noch bis Ende 1862 den Konflikt nicht in seiner prinzipiellen Bedeutung, als Kampf der Freiheit gegen die Sklaverei auf. Nachdem ihn aber die Ereignisse und bessere Einsicht zur Proklamierung der Freiheit der Sklaven gezwungen, schritt er konsequent fort und führte den Krieg im Geiste der Freiheit und bis zur gewaltsamen Niederwerfung der Rebellion weiter. Im J. 1864 von neuem zum Präsidentschafts-Kandidaten ernannt, erhielt er diesmal die Stimmen sämtlicher 25 an den Wahlen teilnehmenden Staaten, mit Ausnahme von New-Jersey, Delaware und Kentucky, und trat 4. März 1865 seinen zweiten Amtstermin an. Nachdem 3. April Richmond gefallen, hielt L. tags darauf seinen Einzug daselbst; 9. April ergab sich auch Lee, der südl. Obergeneral. Der Sieg war hiermit glorreich aluckuche und L. hatte begründete Aussicht auf eine glücklichere und ruhigere Zukunft, als ihn 14. April 1865 abends 9½ Uhr der Schauspieler J. Booth, einfanatischer Südländer, während der Vorstellung in Fords Theater in Washington durch einen Pistolenschuß ermordete. Seine Leiche wurde in großartigem Trauerzuge nach Springfield in Illinois gebracht, wo sie 4. Mai auf einem von der Nation angekauften Grundstücke beigesetzt wurde. L. war von tadelloser Reinheit des Charakters, großer persönlicher Anspruchslosigkeit und seltener Redlichkeit des Wollens. Ihm wurde zu Washington 14. April 1876 eine Statue errichtet, deren Kosten durch Subskription von Farbigen der Vereinigten Staaten aufgebracht worden war. Vgl. H. J. Raymond, Life and public services of Abraham L., together with his statepaperso (Neuyork 1866); J. G. Holland, XLife of Abraham L.v» (Springfield 1865); Corsby, „Das Leben Abraham L.s» (aus dem Englischen von Eben, Philad. 1865); W. H. Lamon, «Life of Abraham I. (Boston 1872); Jounault, «Abraham L., sa jeunesse et sa vie politiques (Par. 1875); Power, Abraham L.v (Lond. 1875); Canisius, Abraham L.v (2. Aufl., Berl. 1882).