Linienschiff nannte man früher ein Schiff, welches befähigt war, sich vermöge der Anzahl seiner Geschütze und der Stärke seiner Bemannung in die Schlachtlinie zu stellen. Selten nur wurde ein L. einem Convoi, wozu man lieber Fregatten erwählte, mitgegeben, häufig dagegen war es auf Hauptstationen beschäftigt. Ein L. mußte gut segeln, steuern und wenden, namentlich aber die Kanonen der untersten Batterie, welche die schwersten waren, auch noch bei stürmischem Wetter gebrauchen können. Man hatte L. von 60—100 Kanonen, bei verschiedenen Nationen in verschiedene Rangordnungen geteilt. Sie hatten entweder zwei oder drei volle Batterien unter Deck, während das oberste Deck nur vorn und hinten mit Geschützen besetzt war, und man nannte sie nach diesen Einrichtungen Zwei⸗ und Dreidecker. Ihre Besatzungen betrugen 600—1000 Mann, indem man damals für jede Kanone 10 Mann rechnete. Einzelne L. bei den verschiedenen Nationen führten auch 120 Kanonen mit 1200 Mann Besatzung. Durch die Panzerschiffe, die aus statischen Gründen höchstens mit zwei Batterien übereinander, d. h. als Fregatten gebaut werden können, wurden die L. aus ihrer frühern Stellung verdrängt. Man baut deshalb keine L. mehr.