Flotte ist eine zu einem bestimmten Zwecke versammelte größere Anzahl von Kriegsschiffen, die von einem gemeinschaftlichen Befehlshaber, einem Admiral, Vize- oder Kontreadmiral oder Commodore geführt werden. Allgemein bezeichnet man jedoch auch die Gesamtheit der Schiffe eines Staates mit F. und unterscheidet dann Kriegs⸗ und Handels- oder Kauffahrteiflotte. In frühern Zeiten knüpfte sich für eine Abteilung — der Name 5 an eine bestimmte Zahl von Schlachtschiffen und zwar nicht unter neun. Eine Abteilun geringerer Zahl nannte man Geschwader, jedoch wird jetzt die Unterscheidung nicht mehr so genau festgehalten. Taktische Organisationen erhielten die Kriegsflotten seit dem Ende des 15. Jahrh., wenn dieselben auch noch sehr mangelhaft waren, weil die F. bis zum 17. Jahrh. nicht oder nur zum kleinen Teil aus eigentlichen Kriegsschiffen, sondern aus bewaffneten Handelsschiffen bestanden, welche für den gerade vorliegenden Seezug mit ihren Besatzungen gemietet wurden oder gestellt werden mußten und nach beendetem Kriege wieder Handelszwecken dienten. Erst Heinrich VIII. von England (ae 1547) schuf eine ständige Kriegsmarine, jedoch blieb dieselbe vorderhand noch klein, und von den 179 Segeln, welche Elisabeth 1588 der span. Armada entgegenstellte, gehörten nur 34 der königl. Marine an, alle übrigen waren bewaffnete Handelsschiffe. Eine eigentliche Seetaktik begann sich erst seit der Mitte des 17. Jahrh. herauszubilden. Zur bessern Führung und Beweglichkeit der F. teilte man dieselben in drei Hauptteile, Vorhut, Centrum und Nachhut. Ein Admiral befehligte das Ganze und speziell das Centrum, ein Vizeadmiral die Vorhut und ein Kontreadmiral die Nachhut. Da indessen bei großen F. die Zahl der Schiffe sich, z. B. in den holländ.⸗engl. Kriegen im 17. Jahrh., bisweilen auf 120 bis 130 belief, so gliederte man die Hauptabteilungen wieder in Divisionen. 35 mehr die Zahl der eigentlichen Kriegsschiffe wuchs, desto größer wurde der Unterschied in Bau, Geschütz⸗ und Besatzungszahl gegen die Handelsschiffe, welche nicht mehr mit jenen kämpften, sondern von ihnen beschützt und von Hafen zu Hafen begleitet wurden. Eine solche von Kriegsschiffen begleitete Handelsflotte nannte man ein Convoi. In neuerer Zeit hat jedoch das Convoyieren aufgehört. Die Handelsschiffe müssen 6² im Kriege selbst schützen, sei dies durch eigene Geschwindigkeit oder dadurch, daß sie im eigenen oder neutralen Hafen liegen bleiben. Bis vor kurzem bestanden en 3 der großen Seemächte aus einer bedeutenden Zahl von Kriegsschiffen. So z. B. besaß 1865 England deren 516, Frankreich 373, ja Nordamerika am Schlusse des Secessionskriegs sogar über 600. Seitdem sind aber durch Einführung der Panzerung viele Klassen der ehemaligen Kriegsschiffe für die eigentliche Seeschlacht unbrauchbar geworden. Man hat deshalb ihre Zahl bedeutend eingeschränkt und schätzt jetzt die militärische Stärke einer F. nach ihren Panzerschiffen, bei denen freilich dann noch Stärke des Panzers und Kaliber der Geschütze in Betracht kommt. England und Frankreich besitzen die meisten und ungefähr gleich viel Panzerschiffe, nämlich 60 (1883). Dazu treten für Kreuzer⸗ und Küstenverteidigungsdienst bei England noch 70 Schraubenfregatten und Korvetten und 130 Kanonenboote, während Frankreich 80 Schraubenfregatten und Korvetten und 60 Avisos und Kanonenboote zählt. Italien, Rußland, Gsterreich, Türkei und Deutschland haben ziemlich dieselbe Zahl Panzerschiffe, zwischen 20—30, und bilden die europ. Seemächte zweiten Ranges. Von ihnen hat Italien die stärksten und am schwersten bewaffneten Schiffe. Am Schlusse des Bürgerkriegs (1865) besaßen die Vereinigten Staaten nicht weniger als 52gepanzerte Fahrzeuge, jetzt jedoch nur 8; alle übrigen sind aus Sparsamkeitsrücksichten verkauft. (Vgl. auch Marine.) Über den Bestand der F. des Deutschen Reichs sDeutschland und Deutsches Reich, Bd. V, S. 2293. [Matrosendivision (s. d.). Dlon ehemaliger Name der lotthäfen oder Nasse Docks, s. u. Docks. lottieren nennt man das Hin-⸗ und Herschwanken einer Truppenlinie während einer Vorwärtsbewegung, ferner das Wanken von im Feuer stehenden Truppen bei größern Verlusten, das dann gewöhnlich von einer Rückwärtsbewegung gefolgt ist, schließlich auch das Abweichen der Geschosse der Feuerwaffen von ihren regelmäßigen Flugbahnen.