Lissajoussche Figuren nennt man in der Akustik eigentümliche Lichtfiguren, welche hervorgehen aus der Spiegelung eines kräftigen Lichtstrahls an zwei tönenden Stimmgabeln, die zueinander unter rechtem Winkel gerichtet sind. Kommt jener Lichtstrahl aus einer kleinen lichtkräftigen Offnung und fällt zuerst auf eine spiegelnde, wagerechte, und dann auf eine spiegelnde, lotrechte Stimmgabel, von wo weiter der Strahl einen weißen Schirm trifft, so zeigt sich auf letzterm ein Lichtpunkt, solange beide Stimmgabeln nicht schwingen. Sobald jedoch die wagerechte Gabel durch Anstreifen mit einem Bogen zum Tönen gebracht wird, dehnt sich jener Lichtpunkt zur horizontalen Lichtlinie aus. Tönt dagegen die vertikale Stimmgabel allein, so erblickt man eine lotrechte Lichtlinie. Vibrieren jedoch beide Stimmgabeln gleichzeitig, so erblickt man auf dem Schirm Lichtkurven, deren Gestalt von dem Intervall der beiden Stimmgabeln abhängt. Wenn letztere im vollsten Einklang so sieht man (wie in der obern Reihe b, e, d) Ellipsen, deren Form sich nach dem Phasenunterschied der Schwingungen beider Gabeln richtet. Beträgt die Phasendifferenz 0O,. ½ und 1, so geht die Ellipse in eine gerade Lichtlinie über (wie a und e). Stehen die Gabeln im Tonverhältnis der Oktave, so zeigen sich Kurven von der Form 8 (wie g, h, i in der untern Reihe), die sich für den Phasenunterschied ½¼ und ¾ vereinfachen zu schlingenlosen Bögen (wie und k in der untern Reihe). Für andere Tonverhältnisse treten auch verschiedene, jedoch stets charakteristische und leicht erkennbare Figuren auf, derart, daß Lissajous (der 1855 dieselben zuerst beobachtete) ein genaues Stimmverfahren SadPülee gabeln hierauf gegründet hat, wobei das Auge das Ohr kontrolliert. Auch in den schon früher (1827) don Wheatstone erfundenen Kaleidophon kombi-f nieren sich in einem und demselben Stabe senkrecht r gegeneinander gerichtete Querschwingungen zu Figuren, die mit jenen von Lissajous übereinstimmen.