FeedLitauen (Lithauen, lat. Lituania)
ErdkundeBrockhaus 1882

Litauen (Lithauen, lat. Lituania), früher ein mit dem poln. Reiche verbundenes Großherzogtum, bestand vor der Teilung Polens aus drei Ländermassen: 1) aus dem eigentlichen L. oder Litwa, welches die Wojwodschaften Wilna und Troki bildete; 2) aus dem Herzogtum Samogitien (. d.), und 3) aus dem litauischen Rußland oder den Woswodschaften, die L. in früherer Zeit den Russen abgenommen hatte, nämlich dem alten Polesien Wojwodschaft Brzesc), Schwarzrußland oder Nowogrodek und Weißrußland oder Minsk, Mscisclaw, Witebsk, Smolensk, Polock und (seit 1625) poln. Livland. Durch die Teilungen Polens fiel dieser etwa 275000 àkm umfassende Länderstrich an Rußland, welches daraus die sechs Gouvernements Kowno, Wilna, Grodno, Mohilew, Witebsk und Minsk bildete. Die Gebiete Samogitiens und Trokis links vom Niemen fielen bei der dritten Teilung 1795 an Preußen als ein Teil der Provinz Neu-Ostpreußen, kamen 1807 an das Herzogtum Warschau, Ende 1812 an Rußland und bilden heute das polnische Gouvernement Suwalki. Die Litauer gehören dem indogermänischen Volksstamm an, bilden mit den Letten, estelbm und Schmuden einen besondern Zweig desselben und zählen gegen drei Millionen. Sie lamen früh in Kämpfe mit Rußland, dem sie anfangs 1, LSenn von dem sie sich jedoch schon im 12. Jahrh. losrissen. Um 1235 wird Ringold als erster Großherzog von L. genannt. Dessen Sohn Mindowe (1252) wandte sich eine Zeit lang dem Christentum zu und kämpfte siegreich mit den Deutschen Ordensrittern. Ein Jahrhundert später erlangte das Land eine hohe Bedeutung. Der Großfürst Gedimin gründete Wilna, nahm den Russen 1320 ganz Volhynien, Kiew, Sewerien und Czerniechov ab, stritt«aber mit seinem Bruder Kiejstut unglücklich gegen den Deutschen Orden. Sein Nachfolger Olgerd stand sogar dreimal vor den Thoren Moskaus. Der Sohn des letztern, Jagello (s. d.Y verband 1386 L. mit dem poln. Reiche, dessen Thron er bestieg. Doch behielt L. besondere, von den poln. Königen ernannte Großfürsten. Die Vereinigung wurde angebahnt, als 1413 zu Horodlo festgesetzt ward, daß die poln. und litauische Ritterschaft zur Wahl der Könige und Großfürsten gemeinschaftlich sich beraten sollte. Unter Sigismund II. August wurde endlich 1569 auf dem Reichstage zu Lublin die völlige Union beider Völker beschlossen und bestimmt, daß abwechselnd zwei Reichstage in Warschau und der dritte in Grodno gehalten werdens ollte. Das Klima in L. ist gemäßigt und gesund, das Land flach, von vielen Sümpfen, Heiden und Sanddünen durchzogen, doch auch mit ergiebigen Stellen für den Landbau. Die Düna, der Dnjepr, riemen, Pripet und Bug sind fischreiche Ströme. Berühmt sind die kleinen, doch starken und mutigen litauischen Pferde, die Elentiere und Auerochsen, die es besonders in der Bialowiczer Heide gibt, wo auch Bären, Wölfe, Luchse, Füchse, wilde Schweine, Biber, Adler, Schildkröten u. s. w. hausen. Getreide⸗„ Flachs- und Hanfbau, Viehzucht, Bienenzucht und Jagd sind Haupterwerbsquellen. Vgl. Schlözer und Gebhardt, 4«Geschichte von L.» Halle 1785); Caro, «Geschichte Polens o (3 Bde., Gotha 1863—75).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 116Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6